Diplomatie

Außenminister Maas in Israel erwartet

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), hier bei einem Termin 2019 in Berlin Foto: Uwe Steinert

Bundesaußenminister Heiko Maas wird an diesem Mittwoch in Israel erwartet. Verschiedene israelische Medien, darunter der Fernsehkanal 13, berichten von einem bevorstehenden »Dringlichkeitsbesuch«. Den Nachrichten zufolge will Maas Netanjahu »davor warnen, unilateral Teile des palästinensischen Westjordanlandes zu annektieren«.

FREUNDSCHAFT Angeblich habe der Außenminister vor, Netanjahu darzulegen, dass ein derartiger Schritt die Beziehungen zur Europäischen Union und zu Deutschland beschädigen könne – trotz der engen Freundschaft zwischen Jerusalem und Berlin.

Die Tageszeitung »Haaretz« schrieb am Montag, Offizielle im Außenministerium in Jerusalem gingen davon aus, dass »eine Annexion die Verbindung zwischen Israel und Deutschland schädigt«. Allerdings nehmen sie nicht an, dass Berlin Sanktionen gegen Israel verhängen würde.

»Offizielle im Jerusalemer Außenamt gehen davon aus, dass eine Annexion die Verbindung zwischen Israel und Deutschland schädigt«, schreibt die Tageszeitung »Haaretz«.

AUSTAUSCH Der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amtes, Christofer Burger, bestätigte am Montag bei der Regierungspressekonferenz in Berlin die Reisepläne des Bundesaußenministers: »Das ist jetzt die erste Gelegenheit zu einem persönlichen und intensiven Austausch mit dieser neuen israelischen Regierung. Wir freuen uns deshalb sehr, dass es trotz der ungewöhnlichen Umstände so schnell möglich ist und wir die ersten europäischen Besucher nach Ausbruch der Coronapandemie in Israel sind.«

Deutschland und Israel hätten sich auch während der Pandemie eng ausgetauscht und zum Beispiel im Rahmen der Rückholaktionen eng kooperiert, so Burger. Das zeige: »Deutschland und Israel haben außerordentlich enge und breit gefächerte Beziehungen, und nach mehr als anderthalb Jahren - so lange ist der letzte Besuch von Außenminister Maas in Israel her - gibt es auch viel zu besprechen.« Es werde in Gesprächen um die gesamte Bandbreite der bilateralen und regionalen Themen gehen, darunter natürlich auch um die Zukunft des Nahost-Friedensprozesses.

ANNEXION Netanjahu hatte wiederholt betont, er wolle mit der Annexion »am 1. Juli voranschreiten«, und Kritik aus dem Ausland ignoriert. Bei den Annexionsplänen geht es um jüdische Siedlungen auf palästinensischem Land und das Jordantal, das zwischen der Ostgrenze Israels und dem Nachbarn Jordanien bis zum Toten Meer verläuft. Dies ist im »Nahost-Friedensplan« der USA aufgeführt.

Obwohl es noch keine offizielle Karte gibt, wird davon ausgegangen, dass es sich zusammengefasst um etwa 30 bis 32 Prozent des Westjordanlandes handelt.

Besonders die Aussagen zum Jordantal haben zu diplomatischen Spannungen zwischen Jerusalem und Amman geführt. Sollte die Annexion Realität werden, will der jordanische König Abdullah II »das Friedensabkommen zwischen beiden Staaten überdenken«, das bereits mehr als ein Vierteljahrhundert besteht.

ALTERNATIVE Maas versuche, einen Weg zu finden, um eine internationale Krise zu verhindern, hieß es in dem TV-Bericht. Angeblich wolle der Außenminister eine Alternative zur Annexion präsentieren, um die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern wiederaufleben zu lassen. Nach Angaben des TV-Reports will sich Mass auch mit seinem Amtskollegen Gabi Aschkenasi und Verteidigungsminister Benny Gantz, beide von der Partei Blau-Weiß, treffen.

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Herzliya

Israelische Studie: Sexy Profilbilder können Dating-Erfolg mindern

Eine Untersuchung der Reichman University zeigt: Stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, schmälern aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung

 21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026