Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Steuerflüchtling: Idan Ofer Foto: Flash 90

Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Ausgestellt, ausgelernt, ausgedehnt

von Sabine Brandes  16.04.2013 14:11 Uhr

Ausgeschieden
Der palästinensische Premierminister Salam Fajad hat seinen Job an den Nagel gehängt. Präsident Mahmud Abbas akzeptierte das Rücktrittsgesuch. Das Verhältnis der beiden Politiker war bereits seit einer Weile in der Krise. Obwohl Vertreter der EU und der USA die beiden gebeten hatten, ihre Differenzen aus dem Weg zu räumen, erklärte Fajad, dass er »nicht an der Spitze der palästinensischen Regierung bleiben werde – auch wenn die ganze Welt mich darum bittet«. Der Premier hatte sich gegen Korruption eingesetzt und wollte wirtschaftliche Grundlagen für einen Palästinenserstaat schaffen. Er genoss in Amerika und Israel Anerkennung. Während seiner Amtszeit erweiterten Ramallah und Jerusalem ihre Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich. Es wird gemunkelt, dass die Hamas im Gazastreifen Fajads Absetzung verlangt hatte, als sie mit Abbas’ Fatah ihre Versöhnung besiegelte. Der Palästinenserpräsident bestreitet dies jedoch.

Ausgestellt
Ein für die Geschichte des Staates herausragendes Dokument wird bald im Unabhängigkeitsmuseum in Tel Aviv ausgestellt: die Balfour-Erklärung. Das britische Papier erlaubte 1917 die »Bildung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina«. Nach langen Verhandlungen hatte der israelische Kabinettssekretär Zwi Hauser die britische Nationalbibliothek überzeugen können, Israel das Dokument zu leihen. Er nannte die Leihgabe »ein Geschenk zum Jom Haazmaut«. Lange war nicht bekannt gewesen, wo sich das Dokument befand. Erst nach Recherchen spürte man es in der Londoner Bibliothek auf. Der Brief hatte Großbritannien in den vergangenen 100 Jahren nicht verlassen. In der Halle der Unabhängigkeit in Tel Aviv hatte David Ben Gurion vor 65 Jahren den Staat Israel ausgerufen.

Ausgezogen
Er will seine Koffer packen. Gerüchten zufolge plant der reichste Mann Israels, Idan Ofer, seinen Umzug nach London. Ofers Vermögen wird auf etwa 6,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Er unterhält mehrere Schifffahrts- und Baugesellschaften, außerdem hat er die Mehrheitsanteile an der Israel Corporation. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass der Tycoon seine Heimat aus mehreren Gründen verlassen will: Zum einen muss er in England wesentlich weniger Steuern zahlen. Doch auch das nicht gerade freundlich gesinnte Klima gegenüber Superreichen – vor allem nach den Sozialprotesten – lasse ihn den Umzug erwägen.

Ausgelernt
Sie sollen arbeiten gehen. Nach Auffassung des neuen Arbeits- und Handelsministers Naftali Bennett kann es nicht angehen, dass ein Großteil der ultraorthodoxen Männer sowie der Araberinnen und Behinderten dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht. Eine erste Maßnahme, um das zu ändern, sind finanzielle Anreize zur Weiterbildung. Die Teilnehmer erhalten eine Preisminderung um 85 Prozent auf Fortbildungsmaßnahmen plus einen Zuschuss von umgerechnet 400 Euro. Nach Angaben des Ministeriums arbeitet nur die Hälfte der Charedim und nur ein Viertel der arabischen Frauen. Das Programm wird »Angelschnur« genannt. Bennett erklärt: »Wir wollen den Menschen eine Angel geben – und keinen Fisch.«

Ausgedehnt
Get-Verweigerer drohen härtere Strafen. Ein neues Urteil des Obersten Gerichts erlaubt es, Männer, die ihren Frauen keine Scheidung gewähren, für unbegrenzte Zeit ins Gefängnis zu stecken. Bislang lag die maximale Haftstrafe bei zehn Jahren. Die Entscheidung fiel nach einem Fall, in dem sich ein Ehepaar vor zwölf Jahren getrennt hatte, der Mann jedoch nach wie vor nicht bereit war, der Frau den Get – die religiöse Scheidung – zu gewähren. Im Hebräischen als »Agunot« bezeichnet, konnten sich solche Frauen früher nicht wehren. Heute sieht das anders aus. Der stellvertretende Minister für Religionsangelegenheiten, Eli Ben-Dahan (Beit Hajehudi), begrüßte das Urteil mit den Worten: »Dies ist ein Gesetz, das den Agunot wirklich hilft.«

Ausgezahlt
Das Gesundheitssystem in Israel kränkelt seit Jahren. Und nun kündigt sich eine neue Krise an. Eli Dapas, Direktor des größten Gesundheitsversorgers Clalit, wirft dem Finanzministerium vor, viel zu wenig Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Versorger stünden vor dem Zusammenbruch. Von den 7,2 Milliarden Steuerschekeln, die die Regierung jährlich einnehme, gebe sie für die Gesundheit lediglich 470 Millionen aus. Man brauchte jedoch drei Milliarden Schekel, so Dapas, »mindestens«. Vor weniger als zwei Jahren hatte ein monatelanger Streik des medizinischen Personals wegen zu geringer Entlohnung fast für den Kollaps des gesamten Systems gesorgt.

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Bassem Youssef tritt heute in Berlin auf

Der amerikanisch-ägyptische Comedian leugnet die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026

Jerusalem

Bericht: Regierung will Hunderte Millionen für 61 Siedlungen bereitstellen

Nach Informationen des Journalisten Barak Ravid will das Kabinett noch heute über einen Plan abstimmen, der die praktische Umsetzung vder Projekte im Westjordanland ermöglichen würde

 11.06.2026

Meeressäuger

Pottwale vor der Küste Ashdods gesichtet

Der Fund gelingt einem Wisschenschatlerteam, kurz bevor es seine Forschungsfahrt wegen iranischer Angriffe abbrechen muss

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  10.06.2026

Nahost

Sexuelles Fehlverhalten

Strafgerichts-Chefankläger Karim Khan wurde suspendiert

von Sabine Brandes  10.06.2026

Iran

Angeblicher Israel-Spion: Mullahs beschlagnahmen Vermögen von Fußballheld Karimi

Der frühere Kapitän der Nationalmannschaft lebt im Exil in den USA und gehört zu den bekanntesten Kritikern des Regimes

von Sabine Brandes  10.06.2026