Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Chinesische Touristen an der Kotel Foto: Flash 90

Verkauf
Einer der ehemals mächtigsten Geschäftsmänner Israels muss hinter Gitter. Nochi Dankner ist nach einem mehrere Jahre andauernden Prozess zu zwei Jahren Gefängnis und 200.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Dankner den Markt manipulierte, um seinen immensen Schuldenberg zu vertuschen, den er über die Jahre mit seinen Geschäften angehäuft hatte. Seine IDB Holding stand an der Spitze einer Unternehmenspyramide, unter der Dutzende von Firmen zusammengefasst waren. Dazu gehörten Schufersal, die größte Supermarktkette des Landes, das Versicherungsunternehmen Clal, die Mobilfunkfirma Cellcom, verschiedene Baufirmen und andere. Der Richter fasste zusammen, dass »die Beweise gegen Dankner und seinen Geschäftspartner erdrückend« seien.

Aufbau
Der Gazastreifen erhält einen wirtschaftlichen Auftrieb. In der vergangenen Woche ist in dem von der Hamas kontrollierten Palästinensergebiet eine Coca-Cola-Fabrik eröffnet worden. Drei Millionen recycelte Flaschen laufen hier täglich über die Fließbänder. Coca-Cola investierte gemeinsam mit seinem Partner, der Nationalen Palästinensischen Getränkefirma, 20 Millionen US-Dollar in das Projekt. Der Bau hatte mit Zustimmung Israels unmittelbar nach dem Krieg von 2014 begonnen. Die Eigentümer sind ein Millionär aus Nablus und ein palästinensisch-amerikanischer Geschäftsmann. Sie gehen davon aus, dass mindestens 1000 Menschen in Gaza eine Anstellung in der Fabrik finden werden, und hoffen, durch ihre Aktion weitere Investoren anlocken zu können.

Streit
Justizministerin Ayelet Shaked und der Oberste Gerichtshof geraten zum wiederholten Male aneinander. Die Ministerin attackierte die Richter erneut und warf ihnen jetzt vor, die »Demokratie zu verzerren, wenn sie in die Arbeit der Knesset und der Regierung eingreifen«. Shaked hat vor, vier neue Richter entsprechend ihrer politischen Ansichten einzustellen. Gerichtspräsidentin Miriam Naor indes protestiert vehement dagegen und fordert, die ausgehenden Richter durch solche zu ersetzen, die allein aufgrund von Fakten und der Gesetzeslage urteilen. »Sie dürfen von niemanden beeinflusst werden und von ihrem Weg durch keinerlei persönliche oder öffentliche Angriffe abgebracht werden«, machte Naor deutlich. »Die richterliche Unabhängigkeit ist Voraussetzung einer demokratischen Gesellschaft. Sie muss geschützt werden.«

Bemühen
Israel goes Asia. Die Tourismusindustrie im Heiligen Land stellt sich zusehends auf Gäste aus Fernost ein. Besonders chinesische und indische Touristen pilgern neuerdings ins Land. Mit verschiedenen kreativen Aktionen soll vor allem die asiatische Mittelklasse angesprochen werden. Im Mai war Sonam Kapoor, Bollywood-Schauspielerin und indisches It-Girl, auf Einladung des Tourismusministeriums mit ihrer Mutter durch Israel gereist und war von Land und Leuten so angetan, dass die beiden ihren Aufenthalt spontan verlängerten. Kapoor postete Fotos von sich vor der Kotel, im Toten Meer und an anderen Sehenswürdigkeiten in den sozialen Netzwerken. Das Tourismusministerium war begeistert und schaltete kurz darauf eine Eineinhalb-Millionen- Dollar-Kampagne in Indien.

Verhör
Sara Netanjahu, die Frau des amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, ist am vergangenen Donnerstag zwölf Stunden lang von Ermittlungsbehörden verhört worden. Die Mitarbeiter der Anti-Korruptions-Einheit Lahav 433 befragten sie zu Unregelmäßigkeiten in der Residenz des Premiers, nachdem neues Beweismaterial aufgetaucht war. Jetzt muss entschieden werden, ob wegen des Verdachts der Korruption ein Verfahren gegen die Ehefrau des Regierungschefs eingeleitet oder die Akte geschlossen wird.

Vereinbarung
Der Fall Ofek Buchris kommt zu einem Ende. Der Brigadegeneral der IDF war wegen des Verdachts der Vergewaltigung und weiterer sexueller Übergriffe auf Untergebene vom Militärgericht angeklagt worden. Doch jetzt unterzeichneten er und die Anklage eine Vereinbarung im Strafprozess. Darin gab Buchris zu, eine verbotene sexuelle Beziehung zu einer Untergebenen gehabt zu haben, jedoch wird Vergewaltigung nicht erwähnt. Es wird davon ausgegangen, dass er auf diese Weise einer Gefängnisstrafe entgehen wird. Vor allem Frauenrechtlerinnen beklagen, dass die Wahrheit unter den Teppich gekehrt und die Stellung der Frau in der Armee geschwächt werde. »Wieder kommt ein Vergewaltiger ungestraft davon«, lautet das Motto. Doch der Chef der Streitkräfte, Gadi Eizenkot, machte deutlich: »Ich werde auch weiterhin keinerlei Toleranz für Übergriffe oder sexuelle Nötigung zeigen.« Außerdem ließ er durchblicken, dass Buchris weder aktiven noch Reservedienst leisten dürfe.

Sport

Teamgeist und Trikottausch

Nach der kriegsbedingten Verschiebung wird die 22. Makkabiade in Jerusalem zum Fest jüdischen Zusammenhalts. Mehr als 8000 Sportler aus aller Welt gehen in Israel an den Start

von Sabine Brandes  08.07.2026

Nachrichten

Pillen, Wahlen, Gaza

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  08.07.2026

Nahost

Reaktion auf Beschuss von Schiffen: USA greifen Ziele im Iran an und verschärfen Sanktionen

Die Luftschläge richten sich auch gegen die iranischen Revolutionsgarden

 08.07.2026 Aktualisiert

Sicherheit

Der NATO-Gipfel darf nicht zum Kniefall vor dem national-islamistischen Autokraten Erdoğan werden

Ein Kommentar von Ali Ertan Toprak

von Ali Ertan Toprak  08.07.2026

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Humantitäre Hilfe

IDF arbeitet mit an Venezuelas Wiederaufbau

Nach den verheerenden Erdbeben entwickelt eine IDF-Delegation mit der Übergangsregierung einen Plan für die zerstörten Regionen. Oberrabbiner Cohen hofft, dass die humanitäre Operation ein erster Schritt zur Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Caracas und Jerusalem sein könnten

von Sabine Brandes  07.07.2026

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Unterstützung für Yad Vashem

Außenminister Wadephul und sein israelischer Amtskollege Sa’ar haben auf einer gemeinsamen Pressekonferenz einen Ausbau der Förderung für die israelische Holocaust-Gedenkstätte angekündigt. In den Fragen zu Iran und Libanon herrschte Einigkeit, beim Westjordanland nicht

von Sabine Brandes  07.07.2026