Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Protest
Nach einem Jahr des Stillhaltens geht die Familie des im Gazastreifen verschollenen Avraham Mangisto jetzt auf die Straße. Am Montag begann der erste Protest vor dem Hadarim-Gefängnis. Dort sollen vor allem die Familien der palästinensischen Insassen, die zu Besuch kommen, auf das Schicksal des jungen Mannes aufmerksam gemacht werden. Mangisto ist bereits seit dem 8. September 2014 verschwunden. Der 29-Jährige soll den Zaun zum Palästinensergebiet eigenmächtig überklettert haben. Bislang habe die Familie geschwiegen, um angebliche Geheimverhandlungen mit der Hamas nicht zu stören, heißt es. Doch jetzt rufen die Angehörigen die israelische Bevölkerung auf, ihren Protest zu unterstützen.

Angebot
Israel hat der Palästinensischen Autonomiebehörde das Angebot gemacht, ein 3-G-Netz für die mobile Kommunikation im Westjordanland aufzubauen. Mehrere Verhandlungen hätten nun zu einem Ergebnis geführt, so ein Sprecher des Kommunikationsministeriums. Die palästinensischen Anbieter benutzen noch immer die 2-G-Technologie, die ihnen mittlerweile große Verluste einbringt und nicht mehr up to date ist. Der palästinensische Minister für Telekommunikation, Allam Moussa, bezeichnete die Kooperation als »Durchbruch«.

Hilfe
Die israelische Botschaft in Myanmar hilft den Menschen in der von Überschwemmungen und Monsunregen geplagten Region. Eine Ladung voller Lebensmittel, Medizin, Wasser-Desinfektionstabletten und Moskitonetze wurden für die obdachlos gewordenen Menschen auf den Weg geschickt. Botschafter Daniel Zonshine führte die Delegation in das Gebiet um die Stadt Tharrawaddy an. Die Einwohner hätten die Israelis mit offenen Armen empfangen, berichtet der Botschafter.

Gewinn
Er hängte alle ab. Der 91-jährige Semion Simkin aus Maale Adumim hat bei der Weltmeisterschaft für Seniorenläufer in Lyon die Goldmedaille gewonnen. In seiner Alterskategorie verwies der Holocaust-Überlebende mit 80 Minuten auf zehn Kilometer die anderen Teilnehmer auf die hinteren Plätze. Simkin ist praktisch blind – er sieht nichts, was weiter als drei Meter entfernt ist. Doch die Behinderung schränkt den fitten Senior nicht ein. »Dies ist ein Szenario, das ich mir nie erträumt hätte«, freute er sich nach dem Erfolg. »Ich hoffe, dass ich auch in der Zukunft die Kraft zum Laufen habe und Israel damit Ehre bringe.«

Ernennung
Danny Danon ist Israels neuer Botschafter bei den Vereinten Nationen. Der derzeitige Wissenschaftsminister (Likud) gilt als Hardliner, der beispielsweise eine Zweitstaatenlösung ablehnt und sich für die Annexion von Großteilen des Westjordanlandes einsetzt. Danon wird seinen neuen Job im Oktober antreten, nachdem Ron Prosors vierjährige Amtszeit abgelaufen ist. Auf Danons Platz in der Knesset rückt die 30-jährige Sharren Haskel nach. Die Abgeordnete aus Kfar Saba nördlich von Tel Aviv kümmert sich besonders um Umweltbelange. Mit ihr steigt die Zahl der Parlamentarierinnen auf 30 – ein Rekord in Israel.

Kino
Ein neuer Kinokomplex soll die Jerusalemer unterhalten – auch am Schabbat. Sehr zum Missvergnügen vieler Charedim, die am jüdischen Ruhetag keinerlei Störungen dulden wollen. Der »Yes Planet«, der sich gerade im Bau befindet, soll rund 40 Millionen Euro kosten und über 16 Säle (inklusive Imax und DX4) verfügen. Außerdem werden die Gäste auf mehr als 2000 Quadratmetern verköstigt. Auch sollen hier regelmäßig wechselnde Ausstellungen und Kulturveranstaltungen stattfinden. Die charedische Gemeinde kündigte bereits Proteste an, doch der Geschäftsführer des Yes Planet erwidert: »Wir kümmern uns um die kulturellen und Freizeitbedürfnisse der Jerusalemer und der Gäste aus aller Welt.«

Bärte
Ein bärtiger Israeli rührt Menschen in der ganzen Welt zu Tränen. In einer Werbung für M6-Rasierklingen, der Hausmarke der Drogeriekette Superpharm, rasiert sich ein Familienvater zum ersten Mal seit 14 Jahren seinen Bart ab. Dann besucht er – mit seinem neuen Gesicht – seine Familie, die völlig ahnungslos ist. Der Drei-Minuten-Clip ist schon zigtausend Mal in den sozialen Netzwerken geteilt worden. Sogar der US-Schauspieler Ashton Kutcher stellte ihn auf seine Facebook-Seite.

Wahl

Koalitionskampf und Politpoker

Weder Benjamin Netanjahu noch Gadi Eisenkot konnten sich die Mehrheit sichern. Wie geht es weiter?

von Sabine Brandes  04.11.2026

Tel Aviv

Wie Andrea Kiewel sich endlich traute

Andrea Kiewel überrascht sich selbst und überwindet ihre Scheu vor dem Widerspruch – wegen Halloween

von Andrea Kiewel  04.11.2026

Nachrichten

Wein, Stadt, Börse

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  04.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Midterm-Wahlen

Israels Opposition hofft auf Neustart der Beziehungen zu Amerika

Israels oppositionelle Demokraten freuen sich über den Wahlsieg ihrer US-Parteifreunde und hoffen auf eine künftige Verbesserung der zuletzt angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern

 04.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Israel nach der Wahl

Wahlprüfung in Israel abgeschlossen - Streit geht weiter

Das Wahlkomitee in Israel sieht keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten mit Folgen für das Ergebnis. Dennoch spitzt sich der Streit zwischen der bisherigen Regierung und der Opposition gefährlich zu

 04.11.2026

Nahost

Trump will Milliardenhilfen an Israel einstellen

Seit Jahren unterstützen die USA Israel mit Milliarden an Dollar Militärhilfe. Das soll sich nach Worten von US-Präsident Trump ändern. Die Idee soll dabei nicht von ihm gekommen sein

 03.11.2026

Medizin

Eine neue Lunge und zur Genesung nur Paracetamol

In Israel ist erstmals eine Lungentransplantation mithilfe eines Operationsroboters gelungen. Für den Patienten bedeutet das eine deutlich schnellere Genesung

von Sabine Brandes  03.11.2026

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026