Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

In der Wüste wird gebaut. Foto: Flash 90

Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Kopten, Tunnel, Luftverschmutzung

von Ingo Way  20.04.2015 18:49 Uhr

Kopten
Sie lassen sich das Pilgern nicht verbieten. In diesem Jahr sind 4500 koptische Christen aus Ägypten zu Ostern nach Jerusalem gereist – weit mehr als in den Jahren zuvor. Damit widersetzten sie sich dem offiziellen Israel-Boykott ihrer Kirche. Im Jahr 1979 hatte der koptische Papst Schenuda III. seinen Anhängern Besuche im »besetzten Palästina« untersagt. Die Kopten kamen mit 35 Flügen der ägyptischen Linie »Air Sinai«, die den Flugverkehr nach Israel abwickelt, wie das ägyptische Online-Magazin »Ahram« berichtet. Nun müssen die Pilger nach ihrer Rückkehr möglicherweise mit Strafmaßnahmen ihrer Kirche rechnen. Als Sanktion droht der Ausschluss von wichtigen koptischen Ritualen.

Belästigung
Unrühmliches Ende einer akademischen Karriere. Der Politikwissenschaftler Mario Schneider (67), Experte für italienischen Faschismus, darf in Zukunft keine Studenten mehr unterrichten und den Campus der Hebräischen Universität Jerusalem 18 Monate lang nicht mehr betreten. Der Grund ist eine Beschwerde wegen sexueller Belästigung, die die Studentin Efrat Jacob gegen ihn eingereicht hat. Schneider habe sie sechs Monate lang verbal und körperlich belästigt, Bemerkungen über ihr Aussehen und ihre jemenitische Herkunft gemacht, sie ungebeten angefasst und zu küssen versucht. Der Professor bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht. Er bat die Studentin schriftlich um Entschuldigung und wird ihr eine Entschädigung in Höhe von umgerechnet knapp 4500 Euro zahlen. Im Gegenzug verzichtet Jacob auf eine Strafanzeige.

Flughafen

Es ist ein nationales Großprojekt. In der Negevwüste an der Südspitze des Landes, nur 20 Kilometer von Eilat entfernt, soll im Jahr 2017 der neue internationale Timna-Flughafen eröffnen. Benannt nach dem Timna-Nationalpark, in dessen Nähe er sich befindet, soll der neue Airport zum einen den Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv entlasten, zum anderen die Urlaubsstadt Eilat am Roten Meer für einheimische wie internationale Urlauber zugänglicher machen. Der alte, 1949 gegründete Stadtflughafen von Eilat ist längst zu klein geworden, um die Touristenströme zu bewältigen. Timna hingegen ist für jährlich bis zu zwei Millionen Passagiere ausgelegt und verfügt zu diesem Zweck über eine 3100 Meter lange Piste und ein 28.000 Quadratmeter großes Terminal. Zudem soll der Flughafen sicher sein vor Raketenangriffen islamistischer Terroristen aus dem Sinai. Allerdings gibt es nun Ärger mit Jordanien: Das Nachbarland sieht die Sicherheit seines Flugraums gefährdet, weil Timna nur zehn Kilometer von der jordanischen Küstenstadt Akaba und dem King Hussein International Airport entfernt ist. Jordanien will deswegen jetzt die Internationale Zivilluftfahrtorganisation anrufen.

Tunnel
Es wird wieder gegraben. Nach der Militäraktion im Gazastreifen im vergangenen Sommer hatte die israelische Armee 32 Tunnel der Hamas zerstört, durch die die Terrororganisation nach Israel eindringen wollte, um dort Anschläge zu verüben. Schon bald darauf hatte die Hamas angekündigt, mit dem Ausheben neuer unterirdischer Gänge zu beginnen. Jetzt hat der Luft-, Raumfahrt- und Elektronikkonzern »Elbit Systems« in Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium ein Verfahren entwickelt, um mittels spezieller Sensoren unterirdische Bautätigkeiten aufspüren zu können. Das System, das innerhalb von nur zwei Monaten entwickelt wurde, ist in einigen Gebieten entlang der Grenze zum Gazastreifen bereits im Einsatz, wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichtet. Geplant ist, die Sensoren entlang der gesamten Grenze aufzubauen. Dieses Sicherheitssystem ist weltweit das erste seiner Art, heißt es.

Luftverschmutzung
Dicke Luft in Haifa. Vergangene Woche veröffentlichte das Gesundheitsministerium eine Studie, aus der hervorgeht, dass 780 von 4869 Fällen von Krebserkrankungen (also etwa 16 Prozent) in der Region um die nördliche Mittelmeerstadt auf industrielle Luftverschmutzung zurückzuführen sind. Der Bürgermeister der drittgrößten Metropole des Landes, Yona Yahav, kündigte daraufhin an, mehrere Fabriken und Ölraffinerien zu schließen. Anfang der Woche versuchten Lastwagen der Stadtverwaltung, die Eingänge zu verschiedenen Produktionsstätten zu blockieren, der Betrieb dort ging aber unvermindert weiter. Umweltschützer und Einwohner von Haifa demonstrierten als Reaktion auf die Studie des Ministeriums und forderten Yahavs Rücktritt. Die Drohung des Bürgermeisters, die Fabriken zu schließen, sei lediglich eine PR-Aktion, hieß es. Zuvor habe er jahrelang behauptet, die Luft in Haifa sei sauber.

Hintergrund

UNRWA: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Israel-Lobby

Eine neue Studie der linksparteinahen Stiftung präsentiert jüdische und pro-israelische Organisationen in Deutschland pauschal als Sprachrohre der Regierung in Jerusalem

von Michael Thaidigsmann  06.07.2026

Jerusalem

Erleichte Zulassung eingewanderter Psychologen

Im Ausland ausgebildete Psychologen sollen künftig schneller in Israel praktizieren können. Hintergrund ist auch die Krise der mentalen Gesundheit seit dem 7. Oktober

 06.07.2026

Unabhängige Medien

Angriff auf Israels größten Nachrichtensender

Ein maskierter Mann hat in der Nacht mit einem Backstein die Eingangstür des Kanals 12 zertrümmert. Journalisten warnen schon länger vor wachsender politischer Gewalt und zunehmender Hetze

von Sabine Brandes  06.07.2026

Jerusalem

Steht Israel vor einer Verfassungskrise?

Die Regierung will eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes nicht anerkennen. Kulturminister Zohar erwartet jedoch, dass sich der Premier dem Urteil beugen wird. Die Hintergründe

von Sabine Brandes  06.07.2026

Tel Aviv

Sasha Troufanov und Sapir Cohen: Emotionale Hochzeit zweier ehemaliger Geiseln in Israel

»Ihr wart die ganze Zeit an unserer Seite. Vielen Dank. Ich liebe euch«, sagte der Bräutigam unter der Chuppa. Unter den Gästen war auch Israels Präsident Isaac Herzog

 06.07.2026

Jerusalem

Netanjahu widerspricht Vance: Israel hat »sehr viele Freunde«

Zuvor hatte US-Vizepräsident JD Vance behauptet, dass die USA der einzige internationale Verbündete Israels seien. Der israelische Präsident entgegnete, dass die internationalen Beziehungen des Landes deutlich besser seien, als es der öffentliche Eindruck vermuten lasse

 06.07.2026

Jerusalem

Israel stellt Unterstützungs-Programm für Überlebende des Nova-Festivals bereit

60 Millionen Schekel will die israelische Regierung investieren, damit Betroffene bis mindestens 2028 kontinuierlich betreut und rehabilitiert werden

 06.07.2026

Gesundheit

Rezept gegen die Pillen

Neue Vorschriften sollen den Missbrauch opioidhaltiger Medikamente eindämmen. Israel führt weltweit beim Pro-Kopf-Konsum

von Sabine Brandes  05.07.2026

Ehemalige Geiseln

Wenn aus Ketten Freudentänze werden

Hennafeier von Eliya Cohen und Ziv Abud: Das Paar feiert seine Liebe und bereitet sich auf die Hochzeit im August vor

von Sabine Brandes  03.07.2026