Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Der Ärztestreik ist beendet. Foto: Flash 90

Gebildet
Demos im Klassenzimmer: Bildungsminister Gideon Sa’ar will, dass die sozialen Proteste Einzug in Israels Schulen halten. Allerdings nur auf dem Lehrplan. Schon im neuen Schuljahr, das am 1. September beginnt, sollen die Pädagogen eine Reihe von Themen rund um die Protestbewegung vermitteln. Die Vereinigung für Bürgerrechte stellte ein Programm aus den vier Bereichen Recht auf Wohnraum, medizinische Versorgung, Meinungsfreiheit durch Protest sowie öffentlicher Aktivismus zusammen. Die Wohnungssituation in Israel soll durch ein Spiel in der Manier von Trivial Pursuit unterrichtet werden. Es geht darin beispielsweise um den Landbesitz von arabischen Israelis wie auch um den Umgang mit zivilem Ungehorsam in einer Demokratie.

Gekommen
Wie die Tageszeitung Haaretz kürzlich berichtete, hat Israel vor einigen Tagen unerwarteten Besuch bekommen. Zwei Gesandte aus Libyen landeten auf dem Ben‐Gurion‐Flughafen und wollten sich mit Regierungsvertretern treffen. Premierminister Benjamin Netanjahu und Co. aber winkten ab. Lediglich Oppositionsführerin Zipi Livni traf sich mit den Männern. Was dabei gesprochen wurde, gelangte bislang nicht an die Öffentlichkeit. Offensichtlich waren die beiden jedoch keine Rebellen, die momentan das nordafrikanische Land übernehmen, sondern Mitglieder der gestürzten Gaddafi‐Regierung. Sie seien mit der Kunde gekommen, dass es innerhalb der Rebellengruppen auch Al‐Qaida‐Terroristen gebe und warben um Unterstützung für das alte Régime. Libyen gilt in Israel nicht als Feindesstaat.

Geleuchtet
Bald schon soll es seine Besucher elektrisieren. Aus dem legendären Tel Aviver Elektrizitätswerk Reading wird ein Museum. Seit Jahrzehnten leuchtet der schmale Turm oberhalb des Strandes von Ramat Aviv, Einwohner und Besucher haben ihn gleichermaßen ins Herz geschlossen. Verliebte schwören sich gern im Schein der bunten Leuchtdekoration ewige Treue. Jetzt sind die Künstler Avner Yashar und Orit Muhlbauer‐Eyal beauftragt worden, die historische Anlage A in einen kulturellen Magneten zu verwandeln. Das Projekt umfasst die Renovierung und geschichtliche Dokumentation. Das Werk, eingeweiht 1938, ist nach Rufus Daniel Isaacs, Marquis von Reading, benannt, einem britischen Juden und dem ersten Leiter der Elektrizitätswerke des Landes. Im vergangenen Jahr ist neben der Anlage bereits ein Park für Spaziergänger eröffnet worden.

Geeinigt
Endlich können sie sich wieder um ihre Patienten kümmern. In der vergangenen Woche ist der fünfmonatige Streik der Mediziner in Israel zu Ende gegangen. Mit einem historischen Abkommen einigten sich Finanzministerium und die Gewerkschaft der Ärzte. Experten sagen, es werde das Gesundheitswesen des Landes drastisch verbessern. Der wohl wichtigste Teil ist die durchschnittliche Erhöhung des Lohnes um 49 Prozent. Dafür allerdings werden die Ärzte ab sofort die Stechuhr bedienen müssen. Etwas, das sie vorher kategorisch abgelehnt hatten. Zudem werden 1.000 neue Krankenhausmediziner eingestellt, viele in der Peripherie, die unter chronischem Ärztemangel leidet. Die Einigung gilt zunächst für neun Jahre und wird rund eine halbe Milliarde Euro kosten.

Gefangen
Anscheinend kann sie nicht nur singen. Misrachi‐Ikone Margalit Tzanani, besser bekannt als Margol, wird wegen Erpressung angeklagt. Die Ermittler der Polizei gaben an, sie habe Drohungen von Kriminellen gegen andere regelrecht kontrolliert. Dafür hätten sie »unzählige Beweise«. Unter anderem soll sie gesagt haben: »Er versteht die Drohung nicht. Nun müssen wir ihm eine weitere Möglichkeit geben, damit er sie versteht.« Ebenso habe Margol die Drohungen und Erpressungsversuche stoppen können, heißt es in der Anklageschrift. Das Gericht in Rischon Lezion verlängerte Tzananis Untersuchungshaft erneut um fünf Tage. Ihr Sohn ist indes wieder auf freiem Fuß, er spiele lediglich eine Nebenrolle in dem Stück, so die Polizei. Auf Erpressung steht in Israel eine Maximalstrafe von sieben Jahren.

Gebaut
Ende des Jahres können Besucher über die Altstadtmauer Jerusalems spazieren, ohne zu stolpern. Israelische Experten der Behörde für Altertümer haben das Wahrzeichen der Hauptstadt in mühevoller Detailarbeit restauriert. Es ging aber nicht lediglich darum, alles glatt und schön zu gestalten, sondern auch darum, zu entscheiden, was zur Mauer gehört und was nicht: Falkennester, Einschusslöcher, Pflanzen, frühere unprofessionelle Renovierungen – die Archäologen mussten über viele Begleiterscheinungen nachdenken, die sich in fünf Jahrhunderten zu dem ursprünglichen Bauwerk gesellt hatten. Was hat seinen Platz in der Geschichte verdient, was muss weg? Die Einschusslöcher im Zionstor, Zeugen der heftigen Kämpfe zur Unabhängigkeit, durften bleiben. Viele Mandelbäume aber mussten weichen. Ihre Wurzeln untergraben die Standhaftigkeit der Mauer.

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