Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Für viele reicht das Geld nicht. Foto: Flash 90

Erdgas
Ungarn hat Interesse an israelischem Gas. Offenbar will die Regierung in Budapest nicht mehr gänzlich von russischen Quellen abhängig sein. Der Staatssekretär im Außenministerium des Landes, Péter Szijjártó, besuchte Tel Aviv in der vergangenen Woche und gab der Jerusalem Post ein Exklusivinterview. Darin erklärte er, dass »diese Abhängigkeit auch Wehrlosigkeit bedeutet«. Szijjártó traf sich mit Wirtschaftsminister Yair Lapid und bot an, als europäische Verteilungszentrale für israelisches Gas zu fungieren. Er hoffe ebenfalls auf Zusammenarbeit in den Bereichen Wasser, Landwirtschaft und Innovation. Auf die neuen Gesetze in Ungarn angesprochen, die Minderheiten benachteiligen, sagte er, dass die Ungarn »stolze Christen« seien und Homosexuelle schließlich im Land leben könnten, ohne heiraten zu müssen.

Gleichheit
Was vor drei Jahren begann, trägt nun Früchte. Das Kantor-Zentrum für das Studium des europäischen Judentums der Universität Tel Aviv hat weltweite Gesetze gegen Diskriminierung und Rassismus gesammelt. Zwei von vier geplanten Bänden sind jetzt veröffentlicht worden. Unter dem Titel Gesetze für die Gleichheit wurden die Werke in der vergangenen Woche vorgestellt. Fünf Forscher und zwei Jurastudenten arbeiteten sich dafür drei Jahre lang durch Gesetzestexte, Berichte von Menschenrechtsgruppen und Datensätzen im Internet in Dutzenden von Sprachen. Die Bücher sollen beispielsweise Studenten, Anwälten und Diplomaten in der ganzen Welt helfen, die Gesetze und deren Entstehung zu verstehen.

Armut
Die Hälfte der Sozialhilfeempfänger gibt an, dass sich ihre Lage im vergangenen Jahr verschlechtert hat. Das zeigt der jährliche Bericht der Wohltätigkeitsorganisation »Latet« zur Armut im Land. Eine ebenso große Zahl erklärt, dass ihre Kinder oft einen ganzen Tag lang nichts zu essen haben. 47 Prozent jener Israelis, die unterhalb der Armutsgrenze leben, wurden die Konten wegen unbezahlter Rechnungen eingefroren, mehr als die Hälfte lebt ohne Strom- und Wasserversorgung. 14 Prozent der Betroffenen müssen regelmäßig um Almosen betteln. Doch es trifft nicht nur die Ärmsten der Armen: 52 Prozent der gesamten Bevölkerung gaben an, aufgrund der verschlechterten Situation oft nicht einmal mehr Geld für Lebensmittel zu haben.

Gespräch
Er wünscht sich ein Treffen: Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, teilte dem amerikanischen Außenminister John Kerry mit, dass er zu einem Gespräch mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu bereit sei. Am Sonntag berichtete ein libanesischer Fernsehsender, der der Hisbollah nahesteht, Abbas wolle eine Zusammenkunft, »um die Kluft bei den kontroversen Themen zu überbrücken«. Er soll das während des letzten Treffens mit Kerry in Ramallah geäußert haben. Abbas wolle sogar noch weiter gehen, hieß es, und mit dem »radikalen Minister« Naftali Bennett sowie Außenminister Avigdor Lieberman sprechen. Ob die ebenfalls interessiert sind, ist noch nicht bekannt.

Nobelhotel
Schick ist es und durch und durch nobel. Das erste Luxushotel der Kette Ritz-Carlton hat am Sonntag in Herzliya seine Pforten geöffnet. Nach einer vierjährigen Bauzeit und mehr als 150 Millionen Euro Kosten können nun die ersten verwöhnten Gäste einkehren. Hotelpräsident Hervé Humler sagte, dass er sich freue, sein erstes Haus in Israel zu eröffnen und den Gästen aus der ganzen Welt die preisgekrönte Gastfreundschaft zu bieten. Die Übernachtungspreise reichen von 300 bis 2500 US-Dollar, die Präsidentensuite ist mit 220 Quadratmetern die größte im Land. Das Ritz ist das erste in einer Reihe von Nobelhotels, die im Heiligen Land gebaut werden, darunter das Waldorf-Astoria in Jerusalem und das W-Hotel in Jaffa.

NGO-Gesetz
Es gibt verschiedene Meinungen: Die Linke in Israel bezeichnet den Gesetzentwurf als »gefährlich und diktatorisch«, viele rechtsgerichtete Politiker wollen diese Änderung schon lange. Jetzt haben mehrere Minister dem Vorschlag ihr Okay gegeben. Ayelet Schaked (Habait Hajehudi) und Robert Ilatov (Israel Beiteinu) hatten den Vorschlag eingebracht, Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus dem Ausland, die Israel kritisch gesinnt sind, mit extrem hohen Steuern
zu belegen. Dass diese dadurch praktisch mundtot gemacht werden, nehmen die Knessetmitglieder gern in Kauf. Justizministerin Zipi Livni hat angekündigt, gegen die geplante Gesetzesänderung Einspruch einzulegen.

Diplomatie

Somaliland eröffnet Botschaft in Jerusalem

Es handelt sich bereits um die achte diplomatische Vertretung, die in der israelischen Hauptstadt eröffnet wurde

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über seinen wahren Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Nahost

Trotz des Iran-Abkommens: Hisbollah greift israelische Soldaten an

Nach Angaben der israelischen Streitkräfte feuerte die von Iran unterstützte Terrororganisation im Laufe des gestrigen Tages mehrere Geschosse auf IDF-Soldaten im Südlibanon

 16.06.2026

Jerusalem

Netanjahu bezeichnet Iran-Krieg als Erfolg, hält sich über Deal zurück

»Wir wissen nicht, was in dem Abkommen steht«, sagt der israelische Ministerpräsident. Entscheidend sei, dass es von einer glaubwürdigen militärischen Drohkulisse begleitet werde

 16.06.2026

Karlsruhe

Bekennervideo aufgetaucht: Hamas plante konkreten Anschlag in Europa

Seit Herbst letzten Jahres hatte die Bundesanwaltschaft insgesamt neun Anhänger der Hamas festnehmen lassen

 16.06.2026

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Reisen

2,4 Millionen Israel-Flugtickets könnten storniert werden

Noch immer nehmen US-Maschinen den größten Teil des Ben-Gurion-Flughafens in Beschlag. Verkehrsministerin Regev warnt vor Schäden in Milliardenhöhe

von Sabine Brandes  15.06.2026