Diplomatie

Auf die Freundschaft

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich auf Vermittlung von US-Präsident Barack Obama bei der Türkei für Fehler beim Einsatz gegen die Gaza-Flottille im Mai 2010 entschuldigt. Nun soll die Beziehung zwischen dem NATO-Partner Türkei und Israel wieder normal werden. Hinter den Kulissen hat sich seit dem Einsatz damals aber gar nicht so viel geändert.

Istanbul wird in Reiseführern als die »west-östliche Diva« bezeichnet und fasziniert Touristen aus aller Welt vor allem durch ihre Gegensätzlichkeit. Darunter auch viele aus Israel, wo die Hauptstadt der Türkei zu einem der beliebtesten Reiseziele gehört. Drei Jahre lang jedoch mussten die Israelis auf die Blaue Moschee, den Topkapi-Palast und die Hagia Sophia verzichten: Von Reisen in die Türkei wurde dringend abgeraten. Die diplomatischen Beziehungen der beiden Länder waren am Ende. Noch vor wenigen Wochen hatte der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan auf einer UN-Konferenz Zionismus mit Faschismus gleichgesetzt und als »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« bezeichnet.

Stabilität Umso größer ist bei vielen nun die Erleichterung über die telefonische Entschuldigung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Freitag beim türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan und seine Ankündigung von Entschädigungszahlungen. Doch der Außenminister im Wartestand, Avigdor Lieberman, nannte das offizielle Bedauern des Vorfalls einen »schweren Fehler«. Es demoralisiere die Soldaten, die in Notwehr gehandelt hätten.

Aber die USA und die EU jubeln über das Wiederaufleben eines Bündnisses im Nahen Osten, das zur Stabilität in der Krisenregion beitrage. Rückendeckung für Netanjahus Schritt kam auch von Staatspräsident Schimon Peres, der sich freute, »dass die Krise überwunden ist und zwei Nationen, die eine historische Freundschaft verbindet«, einen Neunanfang wagten.

Zeit, die Freundschaft zu beleuchten. Tatsächlich begannen die Beziehungen sehr früh: Als erstes islamisches Land hat die Türkei Israel 1948 als Staat anerkannt. Umgekehrt revanchierte sich Israel mit zahlreichen Hilfen. Nachdem in den 90er-Jahren vor allem die strategische Partnerschaft im Vordergrund stand, suchte Israel später auch die Vermittlung der Türkei bei Friedensverhandlungen mit Syrien. 2008 griff der damalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert dann den Gazastreifen an, ohne Erdogan davon in Kenntnis zu setzen, was diesen sehr verärgerte.

Flottille Ein Jahr später kam es beim Wirtschaftsforum in Davos zum Eklat, als der türkische Premier Israels Staatspräsident Schimon Peres bei einer Podiumsdiskussion »Kindermörder« nannte. Und Anfang 2010 demütigte Israel die Türkei, nachdem Erdogan erneut Stimmung gegen das Land gemacht hatte: Der türkische Botschafter wurde ins Außenministerium zitiert und musste – nach langer Wartezeit – auf einem niedrigen Sessel sitzen, während Israels damaliger Außenminister Avigdor Lieberman auf einem höheren Stuhl thronte.

Im Mai des selben Jahres folgte dann der Militäreinsatz Israels gegen das Schiff Mavi Marmara, das die Blockade des Gazastreifens durchbrechen wollte, bei dem neun türkische Aktivisten starben. Die Türkei wertete den Angriff als Verletzung internationalen Rechts, beendete die Zusammenarbeit mit Israel und wies dessen Botschafter aus. Umgekehrt wies Israel Forderungen Ankaras nach einer Entschuldigung und Entschädigungszahlungen ab. Es kam zum völligen Bruch.

Boom Nicht jedoch auf wirtschaftlicher Ebene, wie im Experten im israelischen Fernsehen bestätigten. Der Handel – Import wie Export auf beiden Seiten – funktionierte erstaunlicherweise nach wie vor und boomte sogar. So konnte die türkische Automobilindustrie ihre Exporte steigern, und nach Angaben der israelischen Handelskammer floriert auch der Handel mit Elektrotechnik, Baumaterial und Textilprodukten.

Was bleibt, ist nun also, die diplomatische und militärische Zusammenarbeit wieder zum Laufen zu bringen. Seitens der Türkei ist neben der Entschädigung eine weitere Voraussetzung, dass Israel das Embargo in Gaza lockert. Das wird aber zunächst nicht der Fall sein. Aufgrund der Angriffe aus dem Gazastreifen im November sind viele Lockerungen wieder zurückgenommen worden.

Für Israel ist die Türkei in strategischer Hinsicht wichtig. Auch die Gefahr durch Syrien und der mögliche Einsatz von Chemiewaffen verbindet die beiden Länder, unterstrich Netanjahu. Wie auch immer – viele Israelis werden sich vor allem darüber freuen, dass sie womöglich bald wieder die Stadt am Bosporus besuchen können.

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  18.03.2026

Krieg gegen Mullahs

Israel tötet Irans Geheimdienstchef Esmail Khatib

Esmaeil Khatib wurde in der Nacht zu Mittwoch in Teheran getötet

 18.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Iran richtet angeblichen Mossad-Spion hin

Wegen angeblicher Spionage für den israelischen Geheimdienst lässt der Iran einen Mann hinrichten. Die Justiz wirft ihm vor, sensible Informationen weitergegeben zu haben

 18.03.2026

Nahost

Iran greift Israel mit Streumunition an

Auch die Golfstaaten geraten erneut unter Beschuss. Die Lage im Überblick

 18.03.2026

Iran

Israel fliegt Angriffe auf Basidsch-Einheiten

Die iranischen Basidsch-Einheiten sind für ihr hartes Vorgehen gegen die Proteste im eigenen Land bekannt. Israels Armee nimmt die paramilitärische Organisation weiterhin ins Visier

 17.03.2026

Nahost

Hisbollah soll umfangreiche Raketenangriffe planen

Nach den Raketen aus dem Iran müssen die Menschen in Israel nach Erkenntnissen des Militärs mit Angriffen durch die Hisbollah rechnen. Derzeit laufen israelische Angriffe gegen die Terror-Miliz

 17.03.2026

Krieg gegen Iran

Netanjahu wünscht Iranern »Jahr der Freiheit«

Nach der Tötung iranischer Funktionäre richtet Netanjahu persönliche Grüße zum persischen Neujahrsfest an die Menschen im Iran. Was steckt hinter der Botschaft?

 17.03.2026

Nahost

Libanesischer Soldat stirbt nach israelischem Angriff

Die libanesische Armee ist im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah neutral und beteiligt sich nicht an den Kämpfen. Dennoch geraten einige Soldaten unter Beschuss

 17.03.2026

Judenhass

»Es bleibt eine Sekte«

Andreas Büttner verlässt die Partei, weil ein Landesverband den Zionismus ablehnt. Das sorgt innerhalb der Linken für Diskussionen

 17.03.2026