Nachruf

Asher Ben Natan ist tot

Asher Ben Natan (1921-2014) Foto: dpa

Er war ein Pionier auf heiklem diplomatischem Parkett: Am Dienstag ist Asher Ben Natan, der erste israelische Botschafter in Bonn (1965–1969), im Alter von 93 Jahren in Tel Aviv gestorben. Zu seiner Beerdigung am Mittwochnachmittag in Kiriat Schaul wird Israels Staatspräsident Schimon Peres erwartet.

Würdigungen Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte, Ben Natan habe den jüdischen Staat mit Klugheit, Takt, Sensibilität und mit großem persönlichen Charme vertreten: »Er war ein Sympathieträger und gewann für Israel viele Freunde hier. Dass wir im nächsten Jahr das geglückte Jubiläum von 50 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland feiern können, ist nicht zuletzt das Verdienst von Menschen wie Asher Ben Natan.«

Israels Botschafter in Berlin, Yakov Hadas-Handelsman, würdigte den Verstorbenen: »Asher Ben Natan hatte wohl von allen israelischen Botschaftern in Deutschland die wichtigste und schwierigste Aufgabe, nämlich nur 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Schoa eine gemeinsame Zukunft zum Wohle beider Völker zu schaffen, über alle Widrigkeiten und Traumata hinweg.«

Geboren wurde Ben Natan am 15. Februar 1921 als Artur Piernikarz in Wien. Als 17-Jähriger schaffte er es, Österreich zu verlassen und sich nach Palästina durchzuschlagen. Nach Kriegsende arbeitete er als Korrespondent israelischer Medien in Wien und organisierte als Leiter der »Bricha« für die Untergrund-Organisation Hagana die illegale Auswanderung vieler Juden nach Palästina.

Nazi-Jäger Außerdem besorgte er ein Foto Adolf Eichmanns, das dessen spätere Ergreifung in Argentinien ermöglichte. Zwischen 1956 und 1959 war er Beauftragter des Verteidigungsministeriums in Europa, Leiter der Einkaufskommission in Frankreich und von 1959 bis 1965 Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums.

Ben Natan war auch an der Abwicklung eines deutsch-israelischen Waffengeschäfts beteiligt, dessen Bekanntwerden zum Bruch zwischen den arabischen Staaten und der Bundesrepublik, aber auch zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Jerusalem und Bonn führte. Von 1970 bis 1974 vertrat er sein Land als Botschafter in Paris. Seine Memoiren erschienen 2005 unter dem Titel »Brücken bauen, aber nicht vergessen: Als erster Botschafter Israels in der Bundesrepublik 1965–1969«.

Versöhner Reinhold Robbe, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, nannte Ben Natan einen »großartigen Versöhner und Menschenfreund. Alle Freunde trauern um ihn in Dankbarkeit.« Johannes Gerster, ehemaliger DIG-Präsident, würdigte Ben Natans »großes Herz« und seinen wachen Verstand.

Doron Arazi, Präsidiumsmitglied der Israelisch-Deutschen Gesellschaft (IDG), sagte der Jüdischen Allgemeinen aus Israel, bis ins hohe Alter sei Asher Ben Natan ein »lebensfroher Mensch und humorvoller Optimist« geblieben. Noch vor Kurzem sei er nach Paris gereist, habe sich von den Folgen eines Hüftbruchs während der Reise dann aber nicht mehr erholt.

Iran

Krieg auf Eis gelegt

Die direkte Konfrontation zwischen Israel und dem Mullah-Regime ist gestoppt. Doch die Spannungen in der Region bleiben unverändert hoch

von Sabine Brandes  11.06.2026

Knesset

Armeedienst und Torastudium sollen gleichgestellt werden

Trotz des Widerstands der Opposition und einiger Koalitionsmitglieder geht der kontroverse Gesetzesvorschlag durch die erste Lesung

von Sabine Brandes  11.06.2026

Gesellschaft

Erste Frau in IDF-Eliteeinheit Sayeret Matkal

Seit 2024 dürfen auch Frauen in die geheimnisvolle Einheit aufgenommen werden. Nun hat erstmals eine Israelin die harte Aufnahmeprüfung bestanden

von Sabine Brandes  11.06.2026

Jerusalem

Bericht: Regierung will Hunderte Millionen für 61 Siedlungen bereitstellen

Nach Informationen des Journalisten Barak Ravid will das Kabinett noch heute über einen Plan abstimmen, der die praktische Umsetzung der Projekte im Westjordanland ermöglichen würde

 11.06.2026

Meeressäuger

Pottwale vor der Küste Ashdods gesichtet

Der Fund gelingt einem Wisschenschaftlerteam, kurz bevor es seine Forschungsfahrt wegen iranischer Angriffe abbrechen muss

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  10.06.2026