Krieg gegen den Hamas-Terror

Anthony Blinken: Gaza-Krieg könnte »metastasieren«

Der amerikanische Außenminister Antony Blinken mit Katars Premier und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

US-Außenminister Antony Blinken hat in Katar vor einer Eskalation in der gesamten Nahost-Region gewarnt. »Der Konflikt könnte schnell metastasieren, was noch mehr Leid in der Region verursachen würde«, sagte er auf seiner vierten Nahost-Reise bei einem Treffen mit Katars Ministerpräsident und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani in Doha.

Katar habe von Beginn an vor einer wahrscheinlichen und gefährlichen Ausweitung des Konflikts gewarnt, sagte Al Thani. Die Tötung eines Hamas-Anführers in Beirut und eines ranghohen iranischen Generals in Syrien - beide mutmaßlich durch Israel angeordnet - seien zu verurteilen und ein Verstoß gegen die Souveränität dieser Länder.

Blinken forderte, dass Israel die Zivilisten in Gaza bei seinen Angriffen dort besser schützen müsse: »Es ist absolut zwingend, dass Israel mehr zum Schutz von Zivilisten unternimmt«. »Es sind schon viel zu viele unschuldige Palästinenser getötet worden«, sagte er. Dies werde er auch bei seinem geplanten Besuch in Israel ansprechen.

Hilfslieferungen reichen nicht

Auch die Hilfslieferungen für Gaza sind laut Blinken noch »nicht ausreichend, um den enormen Bedürfnissen gerecht zu werden«. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung seien von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Sie hätten nicht genügend Zugang zu Wasser, Essen, Arzneimitteln und anderen wichtigen Gütern.

In der Nacht zum Montag berichtete die WHO, seit zwölf Tagen nicht mehr in den Norden des Gazastreifens gelangt zu sein. Eine geplante Mission zum Krankenhaus Al-Awda sei zum vierten Mal abgesagt worden, weil die Sicherheit nicht gewährleistet gewesen sei, teilte die UN-Organisation auf der Plattform X (vormals Twitter) mit.

Schwere Bombardierungen, nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und unterbrochene Kommunikation hätten es »nahezu unmöglich« gemacht, medizinische Hilfsgüter in den isolierten Küstenstreifen und vor allem in dessen Norden zu liefern. Den Krieg begann die palästinensische Terrororganisation Hamas vor drei Monaten mit Massakern in Israel, bei denen 1200 Israelis ermordet, 240 als Geiseln genommen und viele Frauen vergewaltigt wurden. Weiterhin greift die Hamas Israel mit Raketen an. Ziel Israels ist die komplette Zerschlagung der Terrorgruppe.

Baerbock trifft Amtskollegen

Parallel zu Blinkens Nahost-Reise traf Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) in Jerusalem am Sonntag ihren neuen israelischen Amtskollegen Israel Katz. Katz habe ihr für die deutsche Unterstützung Israels und den Einsatz für die Freilassung von Geiseln im Gazastreifen gedankt, hieß es. Der israelische Minister lobte ferner auch das in Deutschland ausgesprochene Betätigungsverbot für die Hamas.

Im Norden Israels, an der Grenze zum Libanon, kommt es unterdessen immer wieder zu Beschuss zwischen Israels Armee und der Hisbollah. Auch Zivilisten kamen ums Leben. Es ist die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006.

Auch am Sonntag reagierte Israel auf Raketenattacken der Hisbollah. Die israelischen Streitkräfte trafen mehrere Ziele der vom Iran unterstützten Miliz. In Libanons Hauptstadt Beirut drangen Hacker indessen in die IT-Systeme des internationalen Flughafens ein, wie der geschäftsführende Tourismusminister Walid Nassar laut Staatsagentur NNA bestätigte.

Botschaften gegen die Hisbollah

Auf Bildschirmen wurden den Reisenden statt Abflugs- und Ankunftszeiten plötzlich Botschaften gegen die schiitische Hisbollah und deren Chef Hassan Nasrallah angezeigt. »Hassan Nasrallah, du wirst keine Verteidiger mehr haben, wenn der Libanon in den Krieg gezogen wird«, war dort zu lesen.

Israel griff derweil auch am Sonntag die Infrastruktur des Terrors im Süden des Gazastreifens an. Die Armee zerstörte mehr als 100 Ziele im heftig umkämpften Chan Junis. Dutzende Terroristen seien dort zudem getötet worden, teilten die Streitkräfte mit. Soldaten zerstörten demnach Tunnel, Beobachtungsposten und ein Hauptquartier der Hamas, welche die Islamistenorganisation auch für die Planung ihres Massakers am 7. Oktober genutzt habe. Palästinensische Terroristen feuerten erneut Raketen Richtung Israel ab. In Grenzorten wurde Raketenalarm ausgelöst.

Baerbock im Westjordanland

Baerbock will sich heute bei einem Besuch im Westjordanland ein Bild von der Lage der dort lebenden Palästinenser machen. Geplant sind Besuche in einem palästinensischen Dorf und ein Treffen in Ramallah mit Außenminister Riad al-Maliki. Am Abend will sie nach Ägypten weiterreisen.

Ihr US-Kollege Blinken will in den kommenden Tagen auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Israel, das Westjordanland und Ägypten besuchen. dpa/ja

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