Unruhen

Andauernde Gewalt

Bei den sogenannten Tagen des Zorns werden fast ohne Unterlass Molotowcocktails und Steine geworfen sowie Barrikaden angezündet. Foto: Flash 90

Die Unruhen von Palästinensern in Jerusalem, dem Westjordanland, an der Grenze des Gazastreifens und in arabischen Ortschaften in Israel dauern an. Die gewalttätigen Proteste hatten nach der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch US-Präsident Donald Trump am Mittwoch begonnen.

Bei den sogenannten Tagen des Zorns werden fast ohne Unterlass Molotowcocktails und Steine geworfen sowie Barrikaden angezündet. Aus dem Gazastreifen schossen Palästinenser mehrere Raketen auf israelisches Territorium ab. Auf eine israelische Militärposition und einen Bus wurden Schüsse abgefeuert. Ein Sicherheitsmann wurde am Sonntagabend in Jerusalem von einem palästinensischen Terroristen mit einem Messer schwer verletzt.

angreifer Ascher Elmaliach erlitt schwere Verletzungen durch einen Messerstich in die Brust, als er an einem Gebäudeeingang routinemäßig die Tasche des Täters kontrollierte. Er wird in der Intensivstation des Shaarei-Zedek-Krankenhauses in Jerusalem behandelt. Nach Angaben der Ärzte habe er erste Zeichen der Stabilisierung gezeigt, sei jedoch noch immer ohne Bewusstsein und werde künstlich beatmet. Bei dem Angreifer handelt es sich um einen 24-Jährigen aus der Nähe von Nablus, der der Polizei zuvor unbekannt war. Er wurde von Passanten festgehalten und der Polizei übergeben.

Armee und Sicherheitskräfte arbeiten dauerhaft daran, die gewaltbereiten Mengen, teilweise Tausende von Protestierenden, unter Kontrolle zu bringen. Verschiedene Vorfälle mit Steinwürfen gegen Busse im Westjordanland wurden ebenfalls gemeldet. Bislang ist auf israelischer Seite dabei niemand ernsthaft verletzt worden. Allerdings entstand Sachschaden. Auf palästinensischer Seite sind nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond zwei Demonstranten an der Grenze zu Gaza getötet worden. Nahezu 300 wurden verletzt.

Doch auch innerhalb der heterogenen israelischen Gesellschaft schwelt es. In Wadi Ara, einer Gegend im Norden des Landes, in der es die größten Ansiedlungen von israelischen Arabern gibt, kam es nach Trumps Erklärung ebenfalls zu Ausschreitungen. Hunderte von Männern warfen Steine auf Polizeistreifen und Busse und blockierten in verschiedenen Orten die Straßen. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman forderte daraufhin einen Boykott: »Ich rufe dazu auf, Wadi Ara zu boykottieren. Fahrt dort nicht hin und kauft dort nicht ein. Damit sie verstehen, dass sie nicht zu uns gehören und hier nicht erwünscht sind. Diese Leute gehören nicht zu Israel.«

Bürger Die Araber in dieser Gegend aber haben alle die israelische Staatsangehörigkeit. Viele Israelis riefen daraufhin in den sozialen Netzwerken dazu auf, sehr wohl in Wadi Ara einzukaufen. Lieberman wurde als »Rassist und Aufwiegler« bezeichnet. Der Politiker unterstützt seit Jahren die Idee eines Landtransfers. Dabei sollten die Gegenden, in denen arabische Israelis leben, zu palästinensischem Gebiet erklärt werden.

Viele Parlamentarier kritisierten Liebermans Aussagen scharf. Amir Peretz von der Zionistischen Union meinte, dass ein Minister dafür sorgen müsse, die Situation zu entschärfen, nicht, sie noch anzuheizen. »Man darf nicht allen Arabern die Schuld an den Ausschreitungen geben. Die meisten von ihnen sind verantwortungsbewusste Bürger, die als Minderheit in einem jüdischen demokratischen Staat leben.«

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