EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 53 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 48 Sitze

Spionage

»Amerikanische Heuchelei«

Demonstranten fordern die Freilassung von Jonathan Pollard. Foto: Flash 90

Auch in Israel liefen die Abhördrähte offenbar heiß. Neueste Dokumente des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden, die in The Guardian veröffentlicht wurden, zeigen, dass auch israelische Politiker von den USA und Großbritannien ausspioniert worden sind. Nun fordern immer mehr Parlamentarier der Knesset die Freilassung des Spions Jonathan Pollard, der bereits 27 Jahre lang hinter amerikanischen Gittern sitzt.

Pollard, ein jüdisch-amerikanischer Datenanalyst bei der Navy, wurde 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem er gestanden hatte, die USA im Auftrag Israels ausspioniert zu haben. Seit Jahren verlangen israelische Staatsoberhäupter immer wieder die Begnadigung von Pollard.

Freunde Doch vergebens. Bislang blieb jede US-Regierung hart. Nun aber wird der Druck auf die Obama-Administration größer. Denn wer selbst in großem Maße spioniert, kann anderen dies kaum vorwerfen, meinen viele politische Kommentatoren in Israel. Besonders jetzt, da die Tatsache an die Öffentlichkeit gelangte, dass die damaligen Premierminister Ehud Barak und Ehud Olmert während ihrer Amtszeit ausspioniert wurden.

Allen voran kritisieren Knesset-Mitglieder die USA. Sprecher Yuli Edelstein nannte das Verhalten der Weltmacht schlicht »heuchlerisch«. Es könne nicht sein, dass Pollard nach wie vor festgehalten werde, weil er einen freundlich gesinnten Staat ausspioniert hat, während Amerika genau dasselbe tue. »28 Jahre lang predigte Washington über die Gefahren der Spionage zwischen befreundeten Ländern und den Vertrauensverlust, der damit einhergeht, und nun müssen wir erfahren, dass das nichts als leere Worte waren«, so Edelstein. »Pollard muss freigelassen werden – auch ohne die neuen Enthüllungen in Betracht zu ziehen.«

Grenze Sollten sich die Vorwürfe gegen die USA bewahrheiten, dann müsse sich Pollards Gefängnistür noch heute öffnen und er auf freien Fuß gesetzt werden, machte der Knessetabgeordnete Zachi Hanegbi klar. Auch der neue Vorsitzende der Arbeitspartei, Yitzhak Herzog, meint, dass Pollards Bestrafung »schon lange jegliche Grenze überschritten« habe.

Seit Jahren bereits flattern in Israel immer wieder Plakate, Poster und Fahnen von Balkonen und Balustraden, die die Freilassung von Jonathan Pollard fordern. Jetzt sind neue hinzugekommen. Auf der einen Seite ist der Spion abgebildet, auf der anderen der amerikanische Präsident Barack Obama. Zwischen beiden stehen nur drei Worte: »Yes, you can!« Und die sagen alles.

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026

Jerusalem

Vorfälle bei Parlamentswahl

Für die große Mehrheit der Israelis verlief der Wahltag friedlich. Es gab jedoch Einschüchterungsversuche und sogar Angriffe

 28.10.2026

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026 Aktualisiert

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Eisenkot will Netanjahu ablösen

Netanjahus Likud liegt zwar laut ersten Prognosen vorn, doch seinem Lager fehlen viele Sitze zur Mehrheit. Ex-Militärchef Eisenkot will die Regierung ablösen – doch gelingt ihm das?

 27.10.2026

Knesset-Wahl

Lapid: Öffentlichkeit hat Netanjahu-Lager »nach Hause geschickt«

Netanjahus Likud-Partei wurde zwar laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament, kommt aber mit ihren Partnern nicht auf eine Mehrheit. Die Opposition sagt, seine Regierung sei damit »gefeuert«.

 27.10.2026