Spionage

»Amerikanische Heuchelei«

Demonstranten fordern die Freilassung von Jonathan Pollard. Foto: Flash 90

Auch in Israel liefen die Abhördrähte offenbar heiß. Neueste Dokumente des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden, die in The Guardian veröffentlicht wurden, zeigen, dass auch israelische Politiker von den USA und Großbritannien ausspioniert worden sind. Nun fordern immer mehr Parlamentarier der Knesset die Freilassung des Spions Jonathan Pollard, der bereits 27 Jahre lang hinter amerikanischen Gittern sitzt.

Pollard, ein jüdisch-amerikanischer Datenanalyst bei der Navy, wurde 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem er gestanden hatte, die USA im Auftrag Israels ausspioniert zu haben. Seit Jahren verlangen israelische Staatsoberhäupter immer wieder die Begnadigung von Pollard.

Freunde Doch vergebens. Bislang blieb jede US-Regierung hart. Nun aber wird der Druck auf die Obama-Administration größer. Denn wer selbst in großem Maße spioniert, kann anderen dies kaum vorwerfen, meinen viele politische Kommentatoren in Israel. Besonders jetzt, da die Tatsache an die Öffentlichkeit gelangte, dass die damaligen Premierminister Ehud Barak und Ehud Olmert während ihrer Amtszeit ausspioniert wurden.

Allen voran kritisieren Knesset-Mitglieder die USA. Sprecher Yuli Edelstein nannte das Verhalten der Weltmacht schlicht »heuchlerisch«. Es könne nicht sein, dass Pollard nach wie vor festgehalten werde, weil er einen freundlich gesinnten Staat ausspioniert hat, während Amerika genau dasselbe tue. »28 Jahre lang predigte Washington über die Gefahren der Spionage zwischen befreundeten Ländern und den Vertrauensverlust, der damit einhergeht, und nun müssen wir erfahren, dass das nichts als leere Worte waren«, so Edelstein. »Pollard muss freigelassen werden – auch ohne die neuen Enthüllungen in Betracht zu ziehen.«

Grenze Sollten sich die Vorwürfe gegen die USA bewahrheiten, dann müsse sich Pollards Gefängnistür noch heute öffnen und er auf freien Fuß gesetzt werden, machte der Knessetabgeordnete Zachi Hanegbi klar. Auch der neue Vorsitzende der Arbeitspartei, Yitzhak Herzog, meint, dass Pollards Bestrafung »schon lange jegliche Grenze überschritten« habe.

Seit Jahren bereits flattern in Israel immer wieder Plakate, Poster und Fahnen von Balkonen und Balustraden, die die Freilassung von Jonathan Pollard fordern. Jetzt sind neue hinzugekommen. Auf der einen Seite ist der Spion abgebildet, auf der anderen der amerikanische Präsident Barack Obama. Zwischen beiden stehen nur drei Worte: »Yes, you can!« Und die sagen alles.

Krieg

Bibi im Iran - Wenn KI (fast) zur Realität wird

Im Schatten der Raketen und Drohnen werden digitale Schlachten um die Narrative geführt

von Sabine Brandes  22.03.2026

Krieg

Das sagt der Iran zum Trump-Ultimatum

Der US-Präsident hatte das Regime in Teheran aufgefordert, die Blockade der Straße von Hormus innerhalb von 48 Stunden zu beenden

 22.03.2026

Nahost

Israel greift Brücke im Südlibanon an

Was der israelische Verteidigungsminister dazu erklärt und welche Ziele das Militär verfolgt

 22.03.2026

Arad

Netanjahu fordert Länder auf, sich Krieg gegen Iran anzuschließen

Israels Regierungschef Netanjahu fordert mehr internationale Unterstützung im Krieg mit dem Iran. Er spricht von einer Gefahr für die Sicherheit der ganzen Welt

 22.03.2026

Gesellschaft

Der Krieg im Kopf

Wer am meisten leidet: Eine aktuelle Studie zeigt höchste Stresswerte bei arabischen Israelis und Frauen

von Sabine Brandes  22.03.2026

Krieg

Ein Toter bei Raketenangriff auf Nordisrael

Die Rakete soll aus dem Libanon abgefeuert worden sein

 22.03.2026

Nahost

Siedler greifen Dörfer im Westjordanland an

Die Siedler sollen Fahrzeuge und Häuser in der Nähe von Dschenin und Nablus in Brand gesetzt haben. Sieben Palästinenser sollen verletzt worden sein

 22.03.2026

Krieg

Iran feuert erneut Raketen auf Tel Aviv ab - 15 Verletzte

Die Rakete war der israelischen Armee zufolge mit Streumunition bestückt

 22.03.2026 Aktualisiert

Nahost

Führen die USA und Israel noch denselben Kampf?

Donald Trump und Benjamin Netanjahu sind gemeinsam in den Krieg gegen den Iran gezogen. Doch was die Regierungen kommunizieren, ist teilweise sehr unterschiedlich

von Sara Lemel, Cindy Riechau, Anna Ringle  22.03.2026