7. Oktober

Alma, Noam und Yaheli sind jetzt Waisen

Als Aufnahmen die zwölfjährige Alma und ihren Bruder Noam (16) zeigten, wie sie Ende November in Jeeps des Roten Kreuzes aus Gaza gefahren wurden, flossen bei den Mitgliedern des Kibbuz Be’eri Tränen der Freude. Doch im selben Moment fragten sie sich, wie sie den Kindern beibringen können, dass ihre Mutter Yonat von Hamas-Terroristen ermordet wurde und ihr Vater Geisel ist. Jetzt bestätigte die israelische Armee das Schrecklichste: Auch Dror starb bereits am 7. Oktober. Alma, Noam und der 18-jährige Yaheli sind Waisen.

Der Leichnam von Dror Or wird in Gaza von den Terroristen festgehalten, gab die IDF an. Das Forum der Familien von Geiseln und Vermissten schrieb: »Mit tiefer Trauer und mit gebrochenem Herzen haben wir erfahren, dass Dror Or, möge sein Andenken ein Segen sein, am 7. Oktober ermordet und seine Leiche von Hamas-Terroristen nach Gaza entführt wurde.«

Familie Or wurde von der Hamas in ihrem Haus attackiert

»Nur durch die Sicherstellung der Freilassung aller Geiseln – der Lebenden zur Rehabilitation, der Verstorbenen zur Beerdigung – können die Wiederbelebung und Zukunft unseres Volkes gesichert werden«, so das Forum weiter. Die israelische Regierung müsse alle Anstrengungen unternehmen, um Dror und die anderen ermordeten Geiseln noch vor dem Gedenktag Jom Hasikaron zu ehrenvollen Bestattungen nach Israel zurückzubringen.

Die Familie Or wurde am 7. Oktober während des verheerenden Massakers der Hamas in ihrem Haus attackiert. Zunächst war angenommen worden, dass der Vater Dror (49) wie Alma, Noam und ihr Cousin Liam Or (18) gekidnappt wurde. Noams und Almas älterer Bruder Yaheli und ihre Hündin Nella überlebten. Yaheli Or war an dem Schwarzen Schabbat während eines freiwilligen Jahres vor dem Wehrdienst im Norden Israels.

»Ich vermisse dich so sehr, dass ich nicht glauben kann, dass ich in der Vergangenheitsform über dich spreche.«

alma or

Während ihrer 50 Tage andauernden Geiselhaft wussten die Kinder nichts vom Schicksal ihrer Eltern. Berichten ihres Onkels zufolge stärkten sich Noam und Alma in Gaza mit dem Gedanken an die Wiedervereinigung mit ihren Eltern. Als sie nach ihrer Rettung aus dem Armeehubschrauber gestiegen waren, erfuhren sie von ihrer Großmutter, dass ihre Mutter am 7. Oktober getötet worden war und dass ihr Vater immer noch vermisst und vermutlich von der Hamas festgehalten wird.

Dror und Yonat Or waren kreative Menschen. In Be’eri designten sie ihre eigene Möbellinie. Dror war außerdem Käsemeister in der Molkerei des Kibbuz.

Vier Monate nach ihrer Befreiung wandte sich die mittlerweile 13-jährige Alma auf ihrem Instagram-Profil mit einem herzzerreißenden Brief an ihre tote Mutter. Neben einem Bild, auf dem die beiden mit frisch gepflückten Erdbeeren posieren, schrieb sie: »Ima, vier Monate sind vergangenen, in denen ich nicht über dich gesprochen habe. Vier Monate, in denen ich versucht habe, dich nicht zu erwähnen, vier Monate, in denen ich versucht habe, alles zu leugnen, vier Monate, in denen ich nicht glauben konnte, was passiert ist, vier Monate, seit mir das Wichtigste auf der Welt genommen wurde.«

In jedem Satz des Mädchens spürt man unermesslichen Schmerz

In jedem Satz des jungen Mädchens spürt man ihren unermesslichen Schmerz. »Ima, ich kann nicht glauben, dass du weg bist. Ima, ich bin froh, dass wir sagen konnten: ‚Ich liebe dich‘ an diesem Tag. Aber leider konnte ich mich nicht richtig von dir verabschieden. Ich vermisse dich so sehr, dass ich nicht glauben kann, dass ich in der Vergangenheitsform über dich spreche.«

»Es ist nicht nur eine Mutter, die ich vermisse, sondern auch jemanden, der mir sagt, ich soll für mich selbst einstehen und mir keine Sorgen machen«, schreibt Alma und setzt drei zerbrochene rote Herzen neben ihren Post. »Mama, ich kann nicht aufhören, an dich zu denken. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass du das alles irgendwie von oben siehst und lächelst. Ich hoffe, Du bist da oben mit all deinen Freunden und mit meinen.«

Meinung

Liebe Politiker, habt ihr nur warme Worte im Angebot?

Das CDU-Präsidium hat einen Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens gefasst. Er ist gut gemeint, aber nicht wirklich überzeugend

von Michael Thaidigsmann  06.05.2026

Nachrichten

Licht, Erfolg, Reise

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  06.05.2026

Wahlkampf

Alte Bekannte, neue Bündnisse

Der Kampf um die Sitze in der nächsten Knesset hat begonnen. Eine drusische Partei sorgt für besonderes Aufsehen – und für überraschende Möglichkeiten

von Sabine Brandes  06.05.2026

Washington D.C.

Demokraten drängen Trump zu Klarheit über Israels Atomprogramm

In einem Schreiben an Außenminister Marco Rubio verlangen mehr als zwei Dutzend Parlamentarier detaillierte Informationen über das Programm

 06.05.2026

Bildung

Israelische Hochschulen unter den weltweit besten Gründer-Schmieden

Zwei Universitäten im jüdischen Staat schaffen es in die Top 10

 06.05.2026

Mount Asahi

Israelin stirbt bei Bergtour in Japan

Auf dem Mount Asahi wurden die sterblichen Überreste von Tevel Shabtai von einem israelischen Rettungsteam gefunden

 06.05.2026

Nahost

Rubio: »Die Operation Gewaltiger Zorn ist abgeschlossen«

»Jetzt widmen wir uns dem Projekt Freiheit«, betont der amerikanische Außenminister

 05.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  05.05.2026

Berlin

Deutschland und Israel demonstrieren Einigkeit in Iran-Frage

Die Außenminister Deutschlands und Israels zeigen einen engen Schulterschluss gegen den Iran - reden aber auch kritisch miteinander

von Ulrich Steinkohl  05.05.2026