Eurovision Song Contest

Alles ist erleuchtet

Nicht mehr nur Blau und Weiß, sondern Marine und Gold. Für eine Woche hat Tel Aviv seine Nationalfarben ausgetauscht. Das Logo der Eurovision hängt an jeder Ecke der Stadt. Die Besucher, die für den Eurovision Song Contest angereist sind, sollen gleich wissen, dass sie hier richtig sind – und wo sie am besten einkehren.

»Wenn sich eure Kunden wohlfühlen, kommen sie wieder und bringen beim nächsten Mal noch andere mit«, heißt es in einem Artikel von »Time Out Tel Aviv«, der Geschäften Tipps und Tricks zum Umgang mit dem meist jungen, fröhlichen Publikum des ESC vermittelt. »Also seid nett und lächelt viel. Auch ›danke‹ und ›bitte‹ werden gern gehört.«

tourismus Der Tourismus boomt in Israel nicht erst seit der Eurovision. Aber die Tausende von Extra-Gästen aus dem europäischen Ausland, die Geld in die Kassen bringen, wollen sich die israelischen Geschäfte nicht entgehen lassen. Viele stellen sich also auf die besondere Klientel ein, die nach Tel Aviv gekommen ist, um eine gute Zeit zu haben und das Leben für ein paar Tage nicht ganz so ernst zu nehmen.

Tel Aviv sei eine Wahnsinnsstadt, aber leider auch sehr teuer, sagt die Studentin aus Spanien.

Wie die Supermarktkette »am:pm« zum Beispiel, die rund um die Uhr geöffnet ist. An den Kassen liegen dieser Tage nicht nur Stadtpläne von Tel Aviv aus, sondern auch eine Broschüre auf Englisch, die die wichtigsten Begriffe des kulinarischen Israel erklärt – und zwar mit einem dicken Augenzwinkern unter dem Titel »How to TLV« (Wie macht man TLV).

Da wären zum Beispiel die Ptitim, auch Ben-Gurion-Reis genannt: »Ptitim sind der Gipfel der israelischen Cuisine. Sie sind der Geschmack der israelischen Kindheit – die ziemlich stark nach zu viel Ketchup schmeckt.« Auf einer anderen Seite werden den Touristen Waffeln, genannt »Bafflot«, nahegebracht: »Bafflot sind okay für Geburtstage von Vierjährigen, Sitzungen mit Geschäftsführern und allem dazwischen«.

köstlichkeiten Und wer auch nach einigen Tagen im Land noch immer nicht weiß, was Kabukim sind, wird aufgeklärt: »Erdnüsse im Teigmantel, die ihr eigenes Ding sind«. Natürlich wird auch darauf hingewiesen, dass es all diese Köstlichkeiten direkt im Supermarkt zu kaufen gibt.

McDonald’s will mit dem »Mega Big Europe« satt machen, einem überdimensionierten Burger mit Zwiebelringen und extra viel Fleisch. Als Nachtisch muss es übrigens Einheimisches sein. Von wegen Milka- oder Lindt-Schokolade – wer in Israel urlaubt, der nascht Elite. Denn die Schokolade der Firma ist – glaubt man den Plakaten, die an Bushaltestellen in der ganzen Stadt hängen – ganz und gar grenzüberschreitend.

Wer aus Tel Aviv nicht nur Übermüdung vom Dauerfeiern mitbringen will, dem sei ein besonderes Souvenir aus der Schweiz empfohlen.

Pilar Gonzalez aus Spanien ist extra zum ESC nach Tel Aviv geflogen. Die Studentin aus Madrid ist für fünf Tage bei israelischen Bekannten untergekommen. »Sonst könnte ich es mir gar nicht leisten.« Tel Aviv sei eine Wahnsinnsstadt, die alles hat, was man für einen Top-Urlaub braucht: coole Leute, fantastische Strände und das beste Essen. »Wenn es doch nur nicht so unglaublich teuer wäre«, seufzt sie und rollt die Augen.

streetfood Um abends ausgehen zu können, erlaubt sich Pilar tagsüber nur Streetfood, das dank der Eurovision an vielen Ständen auf Initiative der Stadtverwaltung für zehn Schekel angeboten wird. »Mit Falafel, Hummus oder einem Schawarma wird man ja super satt – und zum Glück gibt es das an jeder Ecke.«

Dass Feiern und Fahren nicht zusammenpasst, wissen auch die Taxiunternehmen, die die Menschen nach dem Ende der Feten sicher wieder nach Hause bringen wollen. Gettaxi, eine App, mit der man per Klick auf dem Handy einen Wagen bestellen kann, hat sich mit einem besonderen Angebot auf die Eurovision eingestellt.

Auch die grünen Fahrräder »Tel O Fun« wurden eigens für den ESC herausgeputzt.

»Eure Freunde aus dem Ausland kommen zum Partymachen nach Tel Aviv?«, fragt das Unternehmen seine Kunden. Allen Gästen, die aus dem Ausland angereist sind, bietet es beim Mitfahren ein Guthaben von 100 Schekeln (rund 25 Euro). Die israelischen Freunde, die die App empfohlen haben, dürfen sich über zehn Euro Plus freuen.

fahrräder Und auch die grünen Fahrräder »Tel O Fun« haben sich für den ESC herausgeputzt. Ihre Speichen sind mit Willkommensschildern in den Landesflaggen geschmückt: »Welcome Germany«, »Welcome Spain«, »Welcome Croatia«…

Und wer aus Tel Aviv nicht nur Übermüdung vom Dauerfeiern mitbringen will, dem sei ein besonderes Souvenir empfohlen: die neu designte Swatch-Uhr »Tel Aviv«, samt Logo der Azrieli-Türme und Strandpromenade mit kunterbunten Zahlen. Denn auch, wenn man beim Feiern in der Stadt, die niemals schläft, nicht auf die Uhr schaut: Spätestens zu Hause sollte man wieder wissen, was die Stunde geschlagen hat.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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