Discounter

Aldi Nahost

Der Parkplatz ist voll belegt, nagelneue Jeeps glänzen neben verbeulten Subarus und einigen Motorrollern. Hier, in dem hübschen Städtchen Raanana nördlich von Tel Aviv, sind die Israelis von der Arbeit heimgekehrt, viele gehen noch schnell in den Supermarkt und kaufen für das Abendessen ein. Seit vergangener Woche geht das auch bei Echad – übersetzt Eins –, dem neuen Discounter des Landes. Die erste Filiale ist eröffnet, bis zum Jahresende sollen drei weitere folgen.

Draußen prangt das Schild mit den grünen Buchstaben auf schwarzem Grund, das Innere des Ladens ist unprätentiös. Auf rund 1000 Quadratmetern stehen die Waren in ihren Kartons, knallige Werbeplakate fehlen gänzlich. Im Kühlregal stapeln sich auf vier Etagen türkisblaue Becher mit Hüttenkäse, daneben steht Quark. Der heißt hier schlicht »Gwina lewana«, also »weißer Käse«. No-Name-Produkte dominieren das Angebot.

Wettbewerb Die Kette Echad will statt bekannter Markennamen kleinen lokalen Anbietern Platz in ihren Regalen bieten – und das sogar exklusiv. Denn von jedem Produkt gibt es nur eine einzige Variante. »Wir setzen weder auf Marken, noch auf Vielfalt«, erklärt Firmengründer Eri Schachar, »und gaukeln somit keinen echten Wettbewerb vor«.

Stattdessen biete Echad seinen Kunden das Produkt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch die Kette sei mitnichten lediglich für sozial Schwächere gedacht, sondern für alle Israelis, die gute Qualität zum niedrigen Preis wünschen »und so eine Menge Geld sparen können«, meint Schachar.

Coca-Cola sucht man vergeblich, auch der heimische und heiß geliebte Erdnuss-Snack Bamba fehlt. Doch es gibt durchaus internationale Waren, Pasta aus Italien etwa oder Kartoffelchips aus den USA. Die Preise sind niedrig, sie liegen im Schnitt zehn bis 25 Prozent unter denen anderer Märkte. Dafür verzichtet Echad komplett auf Aktionen wie die in Israel üblichen »Kauf drei, nimm eins gratis« oder andere Sonderangebote.

»Ich finde das Konzept prima«, lobt Mayan Levy, die ihren halbvollen Einkaufswagen durch die Gänge schiebt. »Das Einzige, was mich etwas stört, ist der Mangel an frischen Produkten.« Zwar gibt es Obst und Gemüse, doch eine Käse- oder Fleischtheke fehlt bei Echad. »Also muss man immer noch in einen anderen Laden gehen.« Dennoch will sie wiederkommen. »Natürlich, denn es ist wirklich viel billiger hier. Ich habe in der letzten Woche schon bei Echad eingekauft, und die Lebensmittel waren alle in Ordnung. Nur der Cottage schmeckt nicht ganz so gut wie der von Tnuva.«

Koffer Das israelische Konzept basiert auf dem der Aldi-Discounter in Deutschland. Schachar, der Sohn eines EL-AL-Piloten, habe die Produkte der deutschen Kette schon als Kind geliebt, die er aus dem Koffer seines Vaters fischte. Er hat vor, in jedem weiteren Quartal eine neue Filiale zu eröffnen. Pro Markt investiert der Unternehmer durchschnittlich 1,2 Millionen Euro. Die nächsten sind in Netanja und Petach Tikwa geplant.

Die überteuerten Lebenshaltungskosten, vor allem für Ernährung und Wohnraum, waren der Auslöser für die Sozialproteste im Sommer 2011. Doch billiger wurde nichts. Nach Angaben der Bank of Israel sind die Preise von Lebensmitteln seit 2003 um 39 Prozent gestiegen, während es in den meisten westlichen Ländern lediglich bis zu 3,5 Prozent waren.

Schachar kritisiert das scharf: »Obwohl die großen Lebensmittelhersteller wie Tnuva oder Strauss die Möglichkeit hätten, billige Produkte herzustellen, tun sie es einfach nicht. Stattdessen nutzen sie ihre Marktdominanz, um die Preise noch zu erhöhen. Die Kunden bezahlen es, weil sie nicht sonderlich auf Preise achten, doch auch, weil sie keine Alternativen haben.«

Cofix Genau diese Alternative wollen die Billigsupermärkte sein. Nach Echad hat die Café-Kette Cofix vor, bis zum April dieses Jahres 20 Lebensmittelläden zu eröffnen. Hier soll, genau wie in ihren Cafés, jedes Produkt fünf Schekel kosten, etwas mehr als einen Euro. »In Israel passiert etwas, das mich wirklich motiviert hat, dieses Konzept einzuführen«, sagt Schachar. »Wir müssen nicht nach Berlin ziehen, wir haben Berlin hierher gebracht.«

Familie In Raanana hastet eine religiöse Mutter mit ihren sechs Kindern im Schlepptau durch den Ausgang in Richtung Minivan. »Wir sind gleich zu Hause«, ruft sie ihren Sprösslingen zu und erklärt, dass die Kleinen ungeduldig werden, wenn das Abendessen nicht bald auf dem Tisch steht. »Ich musste aber noch schnell in den Supermarkt.«

Auf die Frage, was sie bei Echad eingekauft hat, zeigt sie auf den vollen Wagen. »Alles, was billiger ist als anderswo. Und das ist eine Menge.« Der Cottage koste unter fünf Schekel, Hummus unter zehn, das biete niemand sonst, meint die Hausfrau. Ob sie die bekannten Marken denn nicht vermisse? »Überhaupt nicht. Ich will meine Familie ernähren. Es ist mir völlig egal, ob auf der Tüte Bisli oder Buli steht.«

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