Israel

Ahmad Mansour kritisiert Amnesty-Bericht

Ahmad Mansour Foto: Gregor Zielke

Der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour hat den von Amnesty International geäußerten Vorwurf, Israel habe ein Apartheidsystem gegen das palästinensische Volk geschaffen, kritisiert. Die Realität in Israel, Gaza und im Westjordanland sei »viel komplexer, als die Verfasser dieses Berichts sich offenbar vorstellen können«, schreibt Mansour in einem Gastbeitrag für die »Welt« (Donnerstag). Israel Apartheid vorzuwerfen, sei »historisch wie faktisch schlicht falsch«.

In dem zu Monatsbeginn in London veröffentlichten Bericht heißt es, Israel habe »ein System der Unterdrückung und Herrschaft gegen das palästinensische Volk« durchgesetzt. Das israelische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück und sprach von »Antisemitismus«.

HINTERGRÜNDE Er wolle die herrschenden Konflikte »nicht schönreden«, betonte Mansour. »Hass existiert, Diskriminierung existiert.« Wer die Hintergründe verstehen und konstruktiv zur Beilegung des Konflikts beitragen wolle, müsse die historische Perspektive miteinbeziehen, »die Ängste der jüdischen Bevölkerung und deren Wünsche, ebenso wie die arabische Kultur, deren Identität mitsamt dem Islam«. Trotzdem versuchten Außenstehende wie Amnesty International, dem israelischen Staat mit vereinfachten Schemata ihre moralischen Standards aufzuzwingen.

Das heutige Israel sei irritierend: »Es ist ein quicklebendiger, selbstbewusster Staat, der sich für seine Fortexistenz starkmacht und proaktiv, auch militärisch, für seine Rechte kämpft.« Das passe nicht in den Rahmen der Opfer-Erzählung. »Weil Israels Selbstbehauptung provoziert, weil das alltägliche, selbstbewusste jüdische Leben provoziert, so scheint mir, fühlen sich Europäer - insbesondere Deutsche - zu Israels Feinden in der arabischen Welt hingezogen.«

Dieser »antisemitische Magnetismus« gipfele in der »grotesken Phrase, Israelis seien ‚die neuen Nazis‘ «. Israel als Täternation darzustellen, sei fatal und liefere Rechten und Antisemiten verbale Munition, kritisierte Mansour. »Solchen irregeleiteten Narrativen muss, zumal in Deutschland, entschieden entgegengetreten werden.«

Ahmad Mansour, geboren 1976 als Sohn arabischer Israelis, lebt seit 2004 in Deutschland. Er ist Diplom-Psychologe, Gründer und Geschäftsführer der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention sowie Mitbegründer des Muslimischen Forums Deutschland. kna

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