Paris

»Absurd und antisemitisch«

An der Kotel in Jerusalem Foto: Flash 90

Die UNESCO hat am Donerstag in Paris eine von arabischen Staaten eingebrachte Resolution mehrheitlich angenommen, in der der Jerusalemer Tempelberg nur noch unter der muslimischen Bezeichnung »Al Haram Al Sharif« erwähnt ist.

Auch andere im Judentum heilige Stätten, wie das Patriarchengrab in Hebron oder das Grab Rachels in Bethlehem, werden in dem Entscheid nur noch mit dem muslimischen Namen geführt. Israel bewertete dies als deutliches Zeichen, dass die jüdischen und christlichen Bezüge zu diesen Orten, insbesondere auch zum Tempelberg und zur Jerusalemer Westmauer (Kotel), infrage gestellt werden.

Israelischen Medienberichten zufolge sollen 24 Nationen für die Resolution gestimmt haben, sechs sollen sich gegen das Votum ausgesprochen haben, darunter die USA, Großbritannien und die Bundesrepublik. Darüber hinaus soll es 26 Enthaltungen gegeben haben.

Sukkot
Israels Staatspräsident Reuven Rivlin hatte die Entscheidung am Donnerstag kritisiert und dabei auch auf das bevorstehende Laubhüttenfest Bezug genommen: »Es gibt keine Feiertage, die mehr mit Jerusalem verbunden sind als Sukkot. Alle Feierlichkeiten in Israel heben den untrennbaren Bund zwischen unserem Volk und unserem Land hervor«, sagte Rivlin. Kein Gremium dieser Welt könne diese Verbindung leugnen. »Wir können Kritik verstehen, aber man kann nicht die Geschichte verändern.«

Auch Kulturministerin Miri Regev übte heftige Kritik: »Mit oder ohne die UNESCO war der Tempelberg die heiligste Stätte des jüdischen Volkes – und wird es auch weiterhin sein.« Der Jesch-Atid-Knessetabgeordnete Micki Levy nannte die Entscheidung »absurd und antisemitisch«. Er stellte auf Facebook die Frage, ob als Nächstes die Beziehung der Katholiken zum Vatikan oder die der Muslime zur Kaaba in Mekka infrage gestellt würden.

Zentralrat Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, bezeichnete die UNESCO-Resolution als »skandalös«. Er sagte: »Dass die Bedeutung religiöser Stätten des Judentums, wie der jahrtausendealten Klagemauer, in der Resolution totgeschwiegen und damit die langjährige Existenz jüdischen Lebens in Jerusalem negiert wird, ist nicht hinnehmbar. Von einer Organisation wie der UNESCO sollte man erwarten dürfen, dass sie sich um Objektivität bemüht und kulturell und religiös bedeutende Stätten in ihren richtigen historischen Kontext einordnet.« Leider habe sich erneut eine UN-Organisation von den arabischen Staaten instrumentalisieren lassen. »Für Juden weltweit, aber auch für Christen ist diese Resolution inakzeptabel«, so Schuster.

Jerusalem Der World Jewish Congress (WJC) hat die UNESCO aufgefordert, von der »aufrührerischen und einseitigen Entscheidung«, die Israel stark verurteile und die christlichen und jüdischen Verbindungen zu den Heiligen Stätten in Jerusalem und im Westjordanland herunterspiele, Abstand zu nehmen.

Die Resolution, die von Algerien, Ägypten, Libanon, Marokko, Oman, Katar und dem Sudan angeregt wurde, sei ein »Dokument, das voller falscher Anschuldigungen gegen Israel ist und eine aggressive Sprache verwendet, die nur für Unruhe sorgen und die Spannungen verschlimmern wird«, sagte der WJC-Geschäftsführer Robert Singer. Jeder Versuch, die Geschichte Jerusalems umzuschreiben, indem man unter anderem leugne, dass der Tempelberg schon lange vor dem Aufkommen des Islam eine heilige Stätte in Jerusalem war, solle von den Mitgliedsländern der UNESCO verurteilt werden.

»Kultureller Terrorismus« Auch der European Jewish Congress (EJC) äußerte sich zu dem UNESCO-Beschluss. Moshe Kantor, Präsident des EJC, verurteilte die Resolution scharf: »Es handelt sich hierbei um kulturellen Terrorismus.« Kantor betonte: »Leider wurden Wahrheit und Geschichte die jüngsten Opfer in den Anfeindungen der UN gegenüber Israel und den Juden«, sagte Kantor.

Diese Abstimmung sei der Versuch, das jüdische Volk aus der Geschichte zu löschen. Wenn es keine jüdische Verbindung zu Jerusalem gebe, dann gebe es offenbar auch kein jüdisches Volk. Alle Länder, die nicht gegen diese absurde und unredliche Resolution gestimmt hätten, würden nun das Kainsmal tragen, so Kantor.

Bereits im April dieses Jahres hatte Premierminister Benjamin Netanjahu eine entsprechende UNESCO-Resolution kritisiert: »Die Resolution der UN ist absurd und ignoriert zudem die einzigartige historische Verbindung des Judentums zum Tempelberg«, sagte Netanjahu. »An diesem Ort standen 1000 Jahre lang die beiden Tempel, an denen 1000 Jahre lang jeder Jude in der Welt gebetet hat.«

Die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie ist eine von 16 Sonderorganisationen der Vereinten Nationen und hat ihren Sitz in Paris. ja

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