Dokumentation

Zwischen Pogrom und Anerkennung

Altstadt von Regensburg – heute Foto: Getty Images

Ein Beispiel für die Vitalität jüdischer Gemeinden in Bayern ist die der viertgrößten Stadt Bayerns, Regensburg. Sie ist mit über 1000 Jahren die älteste des Freistaats und mit heute mehr als 1000 Mitgliedern eine der größten.

Doch die meiste Zeit war das Leben für Juden am Zusammenfluss von Donau, Naab und Regen kaum möglich: Ghettoisierung, Verleumdung, Schikanen, Verfolgung, Entrechtung, Vertreibung, Holocaust. Doch es gab auch Zeiten des auskömmlichen Mit‐ und Nebeneinanders. Heute ist die Jüdische Gemeinde integrierter denn je. Jüdisches Selbstbewusstsein, aber auch Offenheit für soziale Begegnungen und geistigen Austausch, zeigt sich am gerade entstehenden Gemeindezentrum mit Synagoge.

Die wechselvolle Geschichte der Regensburger Juden beschreibt die Dokumentation »Jüdische Lebenswelten – eine gebrochene Geschichte«. Herausgeber ist der Bildungshistoriker Klaus Himmelstein. Das Autorenteam renommierter Wissenschaftler, darunter der Judaist Michael Brocke, der Kunsthistoriker Hans Christoph Dittscheid, die Expertin für Slawisch‐Jüdische Studien Sabine Koller, der Vor‐ und Frühgeschichtler Bernd Päffgen und Jakob Borut, Direktor der deutschen Registrierungsabteilung des Yad‐Vashem‐Archivs in Jerusalem, beschreibt das Leben vom Mittelalter bis heute. Es sind auch Texte von Männern dabei, die sich um die jüngere Geschichte der derzeit von Ilse Danziger geleiteten Gemeinde Verdienste erworben haben: etwa Hans Rosengold und Andreas Angersdorfer.

Romanik Der Bau der ersten romanischen Synagoge ist auf die Jahre 1050 bis 1100 datiert. Die Regensburger Jeschiwa war vom 12. Jahrhundert bis zur Vertreibung 1519 ein auf ganz Europa ausstrahlendes Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. Wie tief verwurzelt der religiös, wirtschaftlich und später auch rassisch grundierte Antisemitismus in einer deutschen Stadt sein kann, behandeln weitere Aufsätze. Immer, wenn es der Stadtgesellschaft schlecht ging, Katastrophen, wirtschaftlicher Niedergang und soziale wie politische Wirren herrschten, mussten Juden als Sündenböcke herhalten.

Stets lebten Regensburger Juden zwischen Pogrom und Anerkennung. Die Nazi‐Herrschaft ist die dunkelste Zeit für sie. In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt. Zwischen 1945 und 1949 lebten hier 3000 jüdische Displaced Persons. 1950 wurde die Jüdische Gemeinde mit damals 288 Mitgliedern wiedergegründet.

Düsseldorf

Zu Hause an Rhein und Ruhr

Knapper, präziser, jünger – die Jüdischen Kulturtage haben eine Wandlung vollzogen

von Annette Kanis  22.03.2019

Stuttgart

Wissenswertes Judentum

Rabbiner Berger stellte sein neuestes Buch vor – es dürfte auch Nichtjuden interessieren

von Heidi Hechtel  21.03.2019

Antisemitismus

»Jeder trägt Verantwortung«

Georg Eisenreich über Meldestellen und Lücken in der Strafverfolgung

von Helmut Reister  21.03.2019