Festival

Zwischen Isar und East River

Im Gespräch: Gabriella Meros und »Zeit«-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo Foto: Julian Wagner

Sydney Pollack ist auf diesem Foto wirklich gut getroffen», meint ein Besucher vor dem Bild des Oscar-Preisträgers, Regisseurs und Schauspielers im Foyer des Jüdischen Gemeindezentrums am Jakobsplatz. Bis zum 4. Februar sind dort insgesamt 64 Aufnahmen der Fotografin Gabriella Meros von filmschaffenden Künstlern zu sehen.

Bei der Vernissage am 14. Januar, die gleichzeitig den Auftakt zu den 5. Jüdischen Filmtagen bildete, freute sich Präsidentin Charlotte Knobloch über dieses besondere Highlight. Damit und mit dem Programm der folgenden Tage sei es Ellen Presser, Leiterin des IKG-Kulturzentrums, einmal mehr fabelhaft gelungen, «mit einem großartigen Programm die Vielfalt, die alte Größe sowie die neue Schaffenskraft des jüdischen Films zu demonstrieren – und sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen».

Einblicke Und das Publikum war bereits zur Ausstellungseröffnung besonders zahlreich erschienen, zumal nicht nur Fotos von Meros gezeigt wurden. In einem Gespräch der Künstlerin mit «Zeit»-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo bekamen die Zuhörer Einblicke in die Arbeitsweise der Fotografin. Sie berichtete von den Begegnungen mit ihren Porträtierten, ihrer Vorbereitung darauf sowie von den oft heiter-amüsanten, zuweilen aber auch nachdenklichen und traurigen Treffen mit Filmschaffenden.

Gabriella Meros wurde in Tel Aviv geboren und wuchs in München auf. So hat Charlotte Knobloch sie bereits als Kind kennengelernt, wie sie in ihrer Begrüßung sagte. Sie schätzt an Meros ihre Kreativität und ihren einzigartigen Blick für das Motiv, den richtigen Moment und den besten Aufnahmewinkel, womit sie zu einer international anerkannten Fotografin wurde. «Sie versinken nicht in einer fremden Welt», hob Knobloch hervor. «Sie sind eine wache und sensibilisierte Beobachterin der sozial-gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in München, Deutschland und der Welt.»

1985 hat Gabriella Meros ihr Diplom an der Bayerischen Staatslehranstalt für Fotografie in München erhalten. Neben Arbeiten in der Mode- und Werbefotografie, auch da schon international, konzentriert sie sich seit 1995 auf Porträts von Filmschaffenden aus aller Welt für verschiedene Zeitschriften und Magazine im In- und Ausland. Damit hat Meros ihre Liebe zur Fotografie mit ihrer Liebe zum Film beruflich verbunden. Ihre erste Arbeit in diesem Bereich war eine Zusammenarbeit mit dem oscar-preisgekrönten Regisseur Martin Scorsese.

Entschluss Wie aber ist Gabriella Meros zum Fotografieren gekommen?, fragte Moderator Giovanni di Lorenzo. Ihre Antwort: «Von meinem Vater bin ich als Kind andauernd fotografiert worden.» Als sie dann 13 Jahre alt war, wollte sie, so Meros weiter, nicht mehr nur fotografiert werden. Ihr Entschluss stand fest: «Das mache ich jetzt auch!»

Damit war zugleich Meros’ berufliches Ziel gesteckt. Um dieses nach dem Abschluss ihrer Ausbildung noch zu verbessern, arbeitete sie als Assistentin bekannter Fotografen wie Rico Puhlman, Pewee Windmüller, Jerry Simpson und Andrea Blanch. Ihr Weg führte sie bald nach New York. Zielstrebig war sie dabei immer, auch wenn vieles nicht so ausging, wie sie sich das gewünscht hatte.

So erzählte sie zum großen Amüsement des Publikums von einem Star, den sie unbedingt fotografieren wollte. Mit allen erdenklichen Tricks versuchte sie, ihn zu erreichen – bis hin zu Luftballons, die sie vor seiner Wohnung aufsteigen ließ. Als sie ihn dann endlich persönlich kennenlernte, war sie von dem Menschen jedoch so enttäuscht, dass sie ihn nicht mehr fotografieren wollte.

überwältigung Doch das Gespräch an diesem Abend hatte nicht nur heitere Passagen. Beeindruckend war die Schilderung ihres Besuchs mit Steven Spielberg im früheren KZ Sachsenhausen. Zunächst begrüßte der Regisseur Meros mit den Worten, sie sei diejenige, «die mich nicht nach Wien kommen ließ». Einige Zeit vorher nämlich hatte sie den Auftrag für ein gemeinsames Porträt von Spielberg und Simon Wiesenthal bekommen, das damals durch den Einspruch der FPÖ verhindert worden war. In Sachsenhausen war Meros dann angesichts der Gedenkstätte von ihren Gefühlen so überwältigt, dass sie zu weinen begann.

«Du musst deinen Job machen», forderte Spielberg sie auf, mit dessen Fassung es wenig später dann ebenfalls vorbei sein sollte. Dass sie in diesem Moment nicht auf den Auslöser drückte, zeigt, dass Gabriella Meros nicht nur voller Temperament und Chuzpe ist, sondern auch sensibel und respektvoll sein kann. Dies wurde auch durch die Worte zum Abschluss des Abends deutlich, als sie an Sydney Pollack erinnerte: Der 2008 verstorbene Regisseur sei einer der warmherzigsten Menschen gewesen, den sie kennengelernt habe, so Meros. «He was a real Mentsch.»

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