Integrationsagentur

Zehn Jahre vorbildliche Arbeit

Wohlfahrtsverbände und Gemeinde feierten Jubiläum des Hilfsprogramms für Flüchtlinge

von Nadja Juskowiak  02.01.2018 12:35 Uhr

Olga Rosow, Leiterin der Sozialabteilung bei SABRA, berichtete von »niedrigschwelligen Angeboten für Flüchtlinge. Foto: Olaf Ziegler / LICHTBLICK

Wohlfahrtsverbände und Gemeinde feierten Jubiläum des Hilfsprogramms für Flüchtlinge

von Nadja Juskowiak  02.01.2018 12:35 Uhr

Die Integrationsagenturen waren ein wahrer Segen, als 2015 Hunderttausende Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten in Deutschland Sicherheit suchten. Das bundesweit einzigartige Programm hatte in Nordrhein-Westfalen bereits 2007 ein neues Konzept für die soziale Arbeit mit Zugewanderten entwickelt.

Im Dezember versammelten sich Integrationsfachkräfte und Vertreter der sechs Trägerverbände Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Der Paritätische, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie und Jüdische Gemeinde, um das zehnjährige Bestehen der Integrationsagenturen im Gemeindesaal der Bochumer Synagoge zu feiern.

Der runde Geburtstag erfüllte Michael Sewenig, stellvertretender Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW, mit Stolz. »Einerseits darauf, dass die damalige Idee Früchte trägt, und andererseits darauf, dass die Integrationsagenturen in der Lage sind, schnell auf neue Situationen zu reagieren. Ich denke da zum Beispiel an die starke Zuwanderung aus Südosteuropa, als wir in kürzester Zeit 600 Einzelprojekte ins Leben gerufen haben«, so Sewenig.

Mittlerweile arbeiten in NRW 183 Integrationsagenturen, zehn davon sind in jüdischer Trägerschaft, darunter auch die erst im September 2017 eröffnete Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) in Düsseldorf.

Servicestellen Insgesamt gibt es landesweit aktuell 13 spezialisierte Servicestellen. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen fördert die Arbeit der Integrationsagenturen jährlich mit insgesamt 10,5 Millionen Euro. Olga Rosow, Leiterin der Sozialabteilung bei SABRA, berichtete am Rande des Festakts von »niedrigschwelligen Angeboten wie Kochkursen«, um den häufig abstrakten antisemitischen Haltungen bei Flüchtlingen eine persönliche Begegnung entgegenzusetzen.

Auch die Staatssekretärin für Integration des Landes NRW, Serap Güler, gratulierte und blickte zurück auf die Anfänge. »Es sollte zielgenauer auf die Schwierigkeiten der länger hier lebenden Zuwanderer reagiert werden, deshalb heißt es ›nachholende Integration‹. Man wollte weg von der Einzelfallberatung hin zu strukturellen Angeboten«, so Güler.

Anstoß für das neue Konzept war 2005 das Zuwanderungsgesetz des Bundes, das sowohl Rechte als auch Pflichten der Menschen mit Migrationsgeschichte neu definierte. Die Infrastruktur aus Integrationsagenturen, Kommunalen Integrationszentren und der Migrantenselbstorganisation in NRW sei außergewöhnlich, so die Staatssekretärin.

Herausforderungen Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein beleuchtete aktuelle Herausforderungen. Ein wichtiger Ansatz sei es, Integration und Demokratie zusammenzubringen. »Ein Austausch ist bitter nötig«, so Küpper, die als Sozialpsychologin über Vorurteile forscht. »Ungleichheit wird schnell zu Ungleichwertigkeit«, sagte die Wissenschaftlerin und führte vor, wie in den Köpfen Assoziationsketten entstehen, die Vorurteile enthalten.

Diese würden auch zu Verhalten führen, das nicht als diskriminierend oder extremistisch wahrgenommen werde, aber in der Gesellschaft nachwirke. Auf Grundlage von Vorurteilen würden Menschen wichtige Entscheidungen treffen. Unternehmer vergeben Ausbildungsplätze, Lehrer fördern Schüler, Vermieter verfügen über Wohnungen. Der Nationalsozialistische Untergrund, Hass, Kriminalität und rechtsextreme Wahlergebnisse seien nur die Spitze des Eisbergs. »Das Syndrom gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geht uns alle an«, sagte Küpper.

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020