Dresden

Zehn Jahre im Kubus

In sich gedreht und fensterlos: die Dresdner Synagoge

Die Jüdische Gemeinde Dresden hat Zeichen gesetzt. Als erste Gemeinde in Ostdeutschland eröffnete sie 2001 einen Synagogenneubau, und dies ausgerechnet am 9. November, dem Tag der Pogromnacht. Als »Stein gewordenen Willen« bezeichnete der damalige Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel sel. A., den Bau.

Es war und ist ein umstrittenes Gebäude, vor allem die Synagoge, dieser in sich gedrehte fensterlose Kubus, und einige Meter entfernt das Gemeindhaus, ebenfalls ein Steinwürfel mit nur Schießschartengroßen Fenstern. »Wir sind froh über die Synagoge, auch wenn wir wissen, dass nicht alle Dresdner mit der Architektur glücklich sind«, sagte der damalige Gemeindevorsitzende Roman König. Doch schon fünf Jahre später hatten 100.000 Gäste das Bauwerk besucht und bewundert. Zu den Tagen der Offenen Tür kamen Besucher aus der Elbmetropole und von fern.

Stereotype Seit Jahren verbindet die Gemeinde eine Freundschaft mit der jüdischen Gemeinde im tschechischen Decin. Freundschaft und Offenheit – auch dies Zeichen, die von der jüdischen Gemeinde im Elbflorenz ausgehen. Und doch schlägt die Vorsitzende der Gemeinde, Nora Goldenbogen, heute kritische Töne an. Vorurteile – wie: Juden sind reich und haben einen großen politischen Einfluss – hielten sich hartnäckig, sagt Goldenbogen.

Diese Klischees seien im Denken fest verwurzelt und »relativ rasch abrufbar«, weiß sie. Häufig würden sie von Menschen geäußert, die nie etwas mit Juden zu tun hatten. Die Vorurteile würden in den Familien und unter Freunden einfach übernommen und so hielte sich stets ein unterschwelliger Antisemitismus.

Neonazis Dem offen zur Schau getragenen Antisemitismus begegnet die Gemeinde ein aufs andere Jahr, wenn anlässlich der Bombardierung Dresdens sich Tausende Neonazis auf den Straßen der Stadt breitmachen mit Menschenketten und Aktionen. Bei der Einweihung vor zehn Jahren warnte Paul Spiegel davor, das Ausmaß von Fremdenhass und Antisemitismus zu unterschätzen. Er ist noch nicht vorbei. Doch die Jüdische Gemeinde ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und respektiert. Am 13. November begeht sie mit Freunden ihr zehnjähriges Jubiläum.

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