Frankfurt am Main

»Zaddik vom Main«

»Wer ein Haus baut, will bleiben«: Salomon Korns Satz wurde legendär. Foto: ddp

Der »Spiegel« nennt ihn einen »Vermittler«, und »Die Welt« preist ihn als den »Zaddik vom Main«. Viel Lobendes für Salomon Korn, der am 4. Juni seinen 70. Geburtstag feiert. Korn ist bekannt als einer, der den Ausgleich innerhalb des Judentums, aber auch zwischen den Religionen, sucht.

Er tritt für den Erhalt der Einheitsgemeinde ein und ist regelmäßig in der Synagoge anzutreffen. Und er ist Architekt, akademischer Lehrer, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ehrensenator der Universität Heidelberg, Mitglied zahlreicher Stiftungen, Familienmensch – und ein Frankfurter Bub.

Gemeinde 1943 im polnischen Lublin geboren, kam Korn im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Von da an ist sein Leben mit Frankfurt und der jüdischen Gemeinde eng verwoben: Die Familie Korn lebt zunächst im Lager für Displaced Persons in Zeilsheim und wandert nach dessen Auflösung nicht aus. Salomon Korn besucht den ersten jüdischen Frankfurter Nachkriegskindergarten im Philantropin: Ein Foto von 1949 zeigt einen ernst dreinblickenden Sechsjährigen.

Als Ältester von drei Brüdern musste Korn früh Verantwortung übernehmen. Daraus wurde seine Lebensmaxime. Korn wurde Klassen‐ und Schulsprecher. Als Schiedsrichter bei Makkabi pfiff er Fouls und sorgte im Spiel für Gerechtigkeit. Doch missionarischer Eifer oder verbissener Ernst sind seine Sache nicht: Auch in der öffentlichen Diskussion kennt er die befreiende Wirkung des Humors. Sein Fundus an jüdischem Witz ist wohlbekannt.

Korns Laufbahn in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt beginnt 1967, als Ignatz Bubis den angehenden Architekten in die Baukommission der Gemeinde beruft. Daraus entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Männern.

Bubis Am 14. September 1986 schreibt Korn Frankfurter Architekturgeschichte: Das von ihm und der Architektengemeinschaft Gerhard Balser entworfene und realisierte Ignatz Bubis‐Gemeindezentrum, wie es später heißt, wird eröffnet. Bei der Feier sagt Korn den legendären Satz: »Wer ein Haus baut, will bleiben, und wer bleiben will, erhofft sich Sicherheit.« Eine Woche später wird Korn in den Gemeinderat berufen. 1988 wird er neben Ignatz Bubis, Trude Simonsohn, Michel Friedman und Hermann Alter in den Vorstand der Gemeinde gewählt.

Als Ignatz Bubis 1999 stirbt, verliert Korn seine zentrale politische Vaterfigur. Zwar wird er als Nachfolger Bubis’ gehandelt, doch fühlt er sich in der Rolle des Vizepräsidenten wohler. Aus dieser Position heraus kämpft er vehement gegen Antisemitismus – nicht so plakativ wie Bubis, aber genauso überlegt und präzise. Und er setzt auf die Symbolkraft von Gesten: 2004 verlässt Korn vor laufenden Kameras den Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse aus Protest gegen die lettische Außenministerin Sandra Kalniete, die in ihrer Rede den Nationalsozialismus mit dem Kommunismus gleichsetzte.

Im Berufsleben agiert Korn gern kontrolliert, im Privatleben sucht der dreifache Familienvater jedoch auch das Unwägbare: Skipisten können ihm nicht steil genug sein, auf seinen Reisen liebt er das Abenteuer. Man mag dem Jubilar kaum glauben, dass er 70 wird. Und im nächsten Jahr werden Maruscha und Salomon Korn ihren 50. Hochzeitstag feiern.

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