Neuss

»Wir sind auf Brautschau«

Für Neuss das erste Mal: WIZO-Ball im Crowne-Plaza-Hotel mit vielen Festgästen Foto: Jan Popp-Sewing

»Sie senden mit dieser Veranstaltung eine starke Botschaft für Israel«, bedankte sich der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff bei den Gemeindemitgliedern. Rund 500 festlich gekleidete Gäste waren der Einladung zum Ball gefolgt, die die Jüdische Gemeinde Düsseldorf in Kooperation mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein ausgesprochen hatte. Anlass war das 70-jährige Bestehen des Staates Israel. Gefeiert wurde im großen Saal des Crowne-Plaza-Hotels in Neuss.

Botschafter Issacharoff hatte zusammen mit dem Neusser Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen, konnte aber selbst nicht teilnehmen und schickte eine Videobotschaft mit seinem Dank, verbunden mit der Hoffnung, in naher Zukunft einmal nach Düsseldorf zu kommen. Sie wurde mit herzlichem Applaus bedacht.

VERBUNDENHEIT So ein großer Gemeindeball ist auch für die als feierfreudig geltenden Rheinländer etwas Besonderes. »Für uns ist es ein wichtiges Anliegen, unsere Verbundenheit mit Israel auszudrücken«, betonte Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Er beklagte einen »wachsenden Antiisraelismus« in Deutschland. Die Gemeinde sehe es als ihre Aufgabe, das Ansehen Israels in Deutschland zu stärken.

Horowitz warb aber auch für den fleißigen Kauf von Losen für die WIZO-Tombola, die unter anderem mit einer Reise nach Israel für zwei Personen lockte. Der Neusser Bürgermeister berichtete von seinem Israelbesuch vor vier Jahren: »Ich bin begeistert von diesem tollen Land mit seinen tollen Menschen.« Die Stadt Neuss möchte ihre Beziehungen zu Israel intensivieren. »Wir wollen eine Städtepartnerschaft mit einer Kommune in Israel. Aktuell sind wir sozusagen auf Brautschau«, gestand Breuer. Am liebsten wäre den Neussern ein Ort direkt am Mittelmeer.

ISRAELTAG Breuer erinnerte daran, dass die jüdische Gemeinde anlässlich des Staatsjubiläums im Mai erfolgreich den ersten Israel-Tag in der Neusser Innenstadt veranstaltet hatte. »Die jüdische Gemeinde ist in der Neusser Stadtgesellschaft angekommen«, so sein Fazit. Im Neusser Rathaus fand eine Israel-Ausstellung statt. Dabei waren unter anderem 44 Scherenschnitte von Köpfen zu sehen, die Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen und Galiläa als Teilnehmer eines Schüleraustauschs mit ihren Wünschen für die Zukunft beschriftet hatten.

Die Jüdische Gemeinde in Neuss gehört mit ihren etwa 570 Mitgliedern organisatorisch zur Gemeinde in Düsseldorf. Die Stadt Neuss und die Düsseldorfer Gemeinde haben in diesem Jahr einen Vertrag unterschrieben, der die Erweiterung des Alexander-Bederov-Gemeindezentrums an der Neusser Leostraße regelt. Dort ist auch eine Synagoge mit rund 150 Plätzen geplant, die Ende 2019 fertiggestellt sein soll. Eine breite Mehrheit im Neusser Stadtrat unterstützt den Plan.

ALLTAG Die Düsseldorfer Gemeinde stellte sich mit einem kurzen, sehr atmosphärischen Film vor. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Bildung. Gezeigt wurden Szenen aus dem Alltag an der Yitzhak-Rabin-Grundschule und am 2016 gegründeten ersten jüdischen Gymnasium in Nordrhein-Westfalen, dem Albert-Einstein-Gymnasium in Düsseldorf-Rath.

Trotz Anlaufschwierigkeiten – ein Fehlalarm hatte kurzfristig eine Evakuierung des Hotels verursacht, wie Moderator Michael Rubinstein den Gästen den verspäteten Beginn erklärte – war der Abend ein voller Erfolg. Zwischen Bühne und den Tischen war eine geräumige Tanzfläche freigelassen worden, die immer wieder begeisterte Tänzer anzog.

Die »Vogue Live Band« spielte viele tanzbare Evergreens. Die gute Stimmung wirkte ansteckend. Die beiden Höhepunkte des stimmungsvollen Abends waren schließlich die LED-Show der Spice Production aus Hamburg und die mit Spannung erwartete Ziehung der WIZO-Tombola-Gewinner. Und eine gute Tat war es überdies. Die Einnahmen der WIZO-Tombola lagen bei rund 4000 Euro für Menschen in Not und soziale Einrichtungen.

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026