Religion

»Wir müssen ein Ohr für Menschen haben«

Die Ausstellung zur Geschichte der IKG stieß auf reges Interesse. Foto: Marina Maisel

Der Ökumenische Kirchentag in München war gekennzeichnet von vielen Begegnungen – christlicher ebenso wie mit anderen Religionsgemeinschaften. Dass dabei auch das Judentum ein Thema war, für das sich zahlreiche Menschen interessierten, wurde nicht zuletzt in der Wahl der Räume, die die Bayerische Staatsregierung und die Landeshauptstadt München für den Empfang am Mittwoch ausgesucht hatten, deutlich: Die Begrüßung der Gäste beim Empfang durch den bayerischen Minister‐ präsidenten Horst Seehofer und den Oberbürgermeister der Stadt München, Christian Ude, fand im Hubert‐Burda‐Saal im Jüdischen Gemeindezentrum statt.

Grundrechte Die Hausherrin und Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat bei ihrem Grußwort die Religionsgemeinschaften an deren gesellschaftliche Verantwortung erinnert. Die Christen sollten gemeinsam mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften über die drängenden Fragen der Gegenwart nachdenken: »Wir müssen ein Ohr für die Menschen haben. Wir dürfen nicht schweigen, wenn Grundrechte, Menschenrechte missachtet werden. Wir müssen aufstehen und unsere Stimmen erheben, wenn der Zusammenhalt der Ge‐ sellschaft in Gefahr ist, wenn Ungerechtigkeit um sich greift und die Menschen sich von Politik und Wirtschaft im Stich gelassen fühlen.«

Es bestehe die Verpflichtung, Gemeinsamkeiten zu finden und zu fördern. Die Vergangenheit dürfe jedoch nicht vergessen werden: »Die unkündbare Erinnerung begründet für uns Heutige die Verpflichtung, unsere Gemeinsamkeiten zu finden und zu fördern – das Konstruktive, das Gedeihliche müssen wir miteinander pflegen.« Das gemeinsame Feiern 65 Jahre nach der Schoa bezeichnete Charlotte Knobloch als eines der Wunder, die »ihre Wurzeln wohl in der Hoffnung« haben. Mit Blick auf das Miteinander zitierte Charlotte Knobloch den großen jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: »Alles wirkliche Leben ist Begegnung«.

Potpourri Die Gäste aus ganz Deutschland wollten sich nicht nur innerhalb der christlichen Konfessionen austauschen. Sie suchten auch Informationen und Begegnungen mit dem Judentum. Das jüdische Zentrum hatte dafür seine Tore am Jakobsplatz geöffnet. Bereits am Vorabend wurden die Besucher auf dem Jakobsplatz von der IKG gemeinsam mit den weiteren Anrainern auf den großen Event eingestimmt: Der Abend stand mit einem musikalischen Potpourri unter dem Motto »Klezmer meets Klassik«. Beteiligt waren Solisten des Orchesters Jakobsplatz, die Klezmer‐Band der IKG und der Männerchor Druschba. Das Showballett Genesis trat auf. In der Dauerausstellung »Stimmen Orte Zeiten. Juden in München« im Jüdischen Museum holten sich die Kirchentagsbesucher Informationen über die Münchner jüdische Geschichte, Kultur und Tradition. Zusätzlich zu den angebotenen Führungen mussten weitere organisiert werden, an denen jeweils mehrere Hundert Menschen teilnahmen.

Neben der Architektur des Gotteshauses, die bei dieser Gelegenheit auch von innen betrachtet werden konnte, boten die Mitarbeiter der IKG bei dieser Gelegenheit viel Wissenswertes aus Geschichte und Gegenwart. Mit großem Wissen gingen die Betreuer der Führungen auf Fragen der Besucher ein. Engagiert hatten sich hier Marcus Schroll, Marian Offman, Ellen Presser, Eva Fabian und David Rees. Eine eigene Führung für Kinder und Jugendliche bot Elisabeth Dessauer. Doch nicht nur am Jakobsplatz wurde Information zum Thema Judentum geboten. Das Kulturzentrum der IKG hatte im Kongresszentrum der Messe München ICM zwei Ausstellungen vorbereitet. Dabei ging es einmal anlässlich des 150. Geburtstages von Theodor Herzl um Israel: Unter dem Titel »Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen – Herzls Utopie – Israels Gegenwart« wurden die Besucher an die Entwicklung dieses Nahost‐Staates herangeführt.

Umzug Speziell um München und seine Jüdische Gemeinde ging es in einer zweiten Ausstellung im ICM. Ellen Presser und Ira Ginzburg hatten unter dem Titel »Jüdisches Leben in München heute« eine Fotodokumentation zusammengestellt, die das Wiederaufkeimen jüdischen Lebens nach 1945 vor Augen führte. Der Umzug der Gemeinde von der Reichenbachstraße zum Jakobsplatz in einer festlichen Prozession mit den Torarollen war hier ebenso dokumentiert wie das Miteinander in der Politik, zum Beispiel beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der IKG. Dass solch eine Ausstellung dazu beitragen kann, Türen zu einem Gespräch zu öffnen, unterstrich die Aussage einer Münchner Ordensschwester beim Betrachten dieser Bilder: »Für mich ist der Ökumenische Kirchentag ein interreligiöser Dialog. Und das jüdische Thema hat zu Recht seinen Platz auf diesem Kirchentag.

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