Porträt

»Wir hatten gute Vorbilder«

Kollegiale Atmosphäre: Naftoly Surovtsev, Dani Fabian, Reuven Konnik und Jonathan Konits (v.l.) Foto: Alex Janetzko

Ein interessantes Quartett von Rabbinerstudenten bereitet sich auf seine Ordination am 13. September in der Kölner Synagoge Roonstraße vor. Keiner der jungen Männer ist in Deutschland geboren – doch gerade das macht ihren Werdegang so besonders. Sie haben gemeinsame Studienjahre am Rabbinerseminar zu Berlin hinter sich. Das Seminar wurde vor wenigen Jahren mit Hilfe der Ronald S. Lauder Foundation und des Zentralrates der Juden in Deutschland als Nachfolgeeinrichtung des orthodoxen Hildesheimerschen Seminars (1873 bis 1938) gegründet. In diesem Jahr ist der jüngste Absolvent Mitte 20, der älteste knapp 40 Jahre alt. Drei der vier – allesamt verheiratet – haben vorab oder parallel auch natur- oder geisteswissenschaftliche Fächer studiert.

Anspruchsvoll Für Dani Fabian stand das Biologiestudium in Aachen und Berlin am Anfang. Frühzeitig hat ihn aber auch ehrenamtliche Gemeindearbeit mit Kindern und Jugendlichen begeistert. Das Studium am Rabbinerseminar in Berlin-Mitte fand er dann »härter als erwartet« und »sogar anspruchsvoller als das, was ich an der Uni erlebt habe«.

Beeindruckt hat den jungen Mann die kollegiale Atmosphäre unter den Studenten: »Jeder hat jedem geholfen, alles zu verstehen.« Nebenher entwickelte Fabian ein Faible für moderne Musik, und gemeinsam mit anderen Kommilitonen gründete er die Rockband »Holy Smokes«. »Ab und zu spielen wir noch zusammen«, freut sich der neue Rabbiner, »auch wenn einige von uns schon längst woanders wohnen«. Fabian ist der einzige aus dem Quartett mit künftigem Wirkungsort in der Hauptstadt. Seit 2011 unterrichtet er als Dozent an der Lauder Midrascha im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg.

Den in Baltimore geborenen Jonathan Konits brachte zunächst die Philosophie an die Spree. Mit einem Fulbright-Forschungsstipendium begann er 2004, zur deutschen Nachkriegsgeschichte zu forschen. Mehr und mehr interessierten Konits aber auch Talmud und jüdische Religionsphilosophie, bis schließlich das Rabbinerstudium aktuell wurde. Ähnlich wie Fabian erlebte Konits das Curriculum als höchst anspruchsvoll, doch das steigerte noch seinen Ehrgeiz.

»Ich bemühe mich, die Anforderungen des Studiums täglich zu erhöhen«, bekennt der junge Mann. »Je mehr Anstrengung, desto besser.« Parallel zum Seminar hat Konits auch einen Masterstudiengang für »Geschichte, Theorie und Praxis der jüdisch-christlichen Beziehungen« an der Freien Universität Berlin absolviert. Besonders gern beschäftigt er sich mit den Schriften von Yehuda Löw, dem Maharal, und jenen von Rabbiner Samson Raphael Hirsch, denn, so der Absolvent, »die Begriffe des Judentums sollen klar und logisch vermittelt werden.

Seminare Diese Denker sind Vorbilder für mich.« Ab Herbst führt Konits’ Weg nach Frankfurt am Main, wo er den 2005 gegründeten jüdischen Bildungsverein »Jewish Experience« professionell unterstützen wird. Der Verein bietet in Kooperation mit der Frankfurter Gemeinde unter anderem wöchentliche Schiurim und Wochenendseminare an, organisiert gemeinsame Ausflüge und entwickelt Freizeitprogramme für jüdische Familien.

Reuven Konnik wuchs in der Ukraine und in Lettland auf, seine Eltern kamen mit ihm 1992 als jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. An der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien absolvierte Konnik zunächst ein Grundstudium für die Rabbinerausbildung, parallel dazu studierte er Rechtswissenschaften. Für den Umzug nach Berlin gab dann nicht zuletzt die jüdische Zukunft seiner Kinder den Ausschlag. »Eine gute jüdische Erziehung ist sowohl meiner Frau Julia als auch mir selbst sehr wichtig«, erklärt Konnik. »In Heidelberg scheiterte damals gerade ein jüdisches Kindergartenprojekt.

In Berlin gab es dagegen schon eine gute Infrastruktur und eine starke Jeschiwa, an der ich meine Studien systematisch fortführen konnte. Obendrein war die Lauder Foundation schon dabei, einen eigenen Kindergarten zu eröffnen.« Für Konnik hat das eigentliche Rabbinerleben schon vor einigen Wochen begonnen. Seit Anfang August betreut er die Jüdische Gemeinde Potsdam. Dort fühlt sich der frisch gebackene Rabbiner sehr wohl und gut angenommen. »Die Menschen sind positiv, humorvoll, arbeiten gut zusammen und engagieren sich sehr«, freut er sich. »Andererseits merke ich, wie die Komplikationen um den Bau der neuen Synagoge an den Nerven zerren. Eine baldige Lösung für das Synagogenprojekt liegt mir deshalb sehr am Herzen.«

Osteuropa Naftoly Surovtsev ist der Vierte im Bunde. Wie Reuven Konnik bringt auch er einen osteuropäischen Hintergrund mit. 1987 im weißrussischen Minsk geboren, fand Surovtsev schon in frühen Teenagerjahren zu seiner jüdischen Identität, unter anderem durch Sommerferienlager der Lauder Foundation. 2006 ging die Familie nach Deutschland, zunächst nach Dessau und dann nach Halle. Doch Surovtsev zog es frühzeitig in die Hauptstadt – zum Jeschiwa-Studium.

»Ich hatte noch guten Kontakt zu einem Freund aus Minsker Zeiten, der bereits an der Yeshiva Beis Zion lernte. Sehr bald war mir klar: Das will ich auch«, erinnert sich der jugendlich wirkende Absolvent. Das Lernen an der Jeschiwa hatte es ihm bald so angetan, dass er das Rabbinerstudium gleich anschloss. »Die Komplexität des Studiums nimmt einen schon sehr in Anspruch«, räumt der junge Mann ein. »Oft hat es geholfen, dass unsere Lehrer einfach gute Vorbilder waren.« Auch für Surovtsev gibt es bereits eine klare Weichenstellung: In der Kölner Synagogen-Gemeinde beginnt er gleich nach der Ordination als Assistenz-Rabbiner.

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