Hamburg

Wir-Gefühl an der Alster

Wird angestrebt: Eintracht im Grindelviertel Foto: dpa

Der neue Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Hamburg heißt Bernhard Effertz. Nach den Wahlen von Ende August, bestimmte die konstituierende Sitzung des Beirats am 1. September fünf Mitglieder der Gemeinde zum neuen Vorstand. Effertz’ Stellvertreter sind Philipp Stricharz und Bella Gurfinkel.

Ulrich Lohse und Roy Naor kamen extern dazu, das heißt, sie waren nicht von der Gemeinde in den Beirat bestimmt worden. Laut Gemeindeverfassung können bis zu zwei Personen in den Vorstand gewählt werden, die nicht dem erweiterten Gremium entstammen.

Damit sind alle fünf Vorstandsposten für die nächsten vier Jahre neu besetzt worden. Der vorherige Vorstand war nicht mehr zur Wahl angetreten. Jetzt stehen die neu gewählten Vertreter vor großen Aufgaben für die Hamburger Gemeinde. Wohl auch, weil sie bisher unbeschriebene Blätter der bewegten jüngeren Gemeindegeschichte sind, hat das Kandidatenpaar Effertz und Stricharz das Vertrauen erhalten, die Gemeinde zu führen.

Unterstützung »Wir haben alle Unterlagen von unseren Vorgängern übernommen, die sich auch bereit erklärt haben, uns zu unterstützen. Vor allem in die Finanzen müssen wir Ordnung bringen, damit das nicht mehr das bestimmende Thema in der Gemeinde ist«, sagte der 33-jährige Stricharz.

Zu den drängenden Themen zählt auch die Wiederbesetzung des Rabbineramts. »Es gibt Themen, an die wir uns gerne machen möchten, und andere, die unvermeidbar sind«, sagte Bernhard Effertz bei seinem Amtsantritt. Wichtig ist dem 65-jährigen ehemaligen Sozialarbeiter vor allem: »Wir müssen wieder eine Kultur etablieren, in der es gerade auch für die Jüngeren interessant wird, sich einzubringen.«

Nach Jahren der Querelen hat die Gemeinde an Ansehen und Mitgliedern verloren, das will der neue Vorstand ändern. »Wir sind mit dem Motto angetreten: Nach vorne schauen! Wir wollen wieder die innere und äußere Integrität der Gemeinde fördern«, sagt Stricharz, der die neue ehrenamtliche Tätigkeit mit seinem Beruf als Anwalt unter einen Hut bringen muss.

»Da wartet viel Arbeit auf uns, besonders im Bereich der Liquidität.« Dazu gehöre auch, sich nicht mehr über die vergangenen Probleme oder die Arbeit der vorherigen Vorstände zu äußern. Momentan gibt es ohnehin drängendere Aufgaben. Effertz fügt hinzu: »Wir sind da mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen worden.

Aber es gibt viele Dinge, die keinen Aufschub dulden.« Zu den Projekten der beiden Vorsitzenden gehören vor allem auch die Schaffung eines jüdischen Pflegeheims, was nicht nur ein Wunsch der Gemeindemitglieder, sondern auch eine lange vernachlässigte Notwendigkeit ist.

Pläne Ein weiterer Plan wäre die Renovierung der baufälligen Synagoge Hohenweide und ein neues Gemeindezentrum. Neben diesen Aufgaben steht aber vor allem ein Ziel: Es soll wieder ein positiver Geist in die Gemeinde einkehren.

Der dreifache Vater Effertz, der nach einer zweiten Karriere als Petrochemiker mittlerweile im Ruhestand ist, sagt: »Es muss wieder Freude machen, die Synagoge zu besuchen und alle Menschen in der Gemeinde sollen das Gefühl haben, dass sie wahrgenommen werden.«

Keine einfache Aufgabe, die der neue Vorstand von etwa 3.000 Hamburger Gemeindemitgliedern sich da vorgenommen hat. »Es wird sehr viel Arbeit auf uns warten, aber wir sind ein optimales Team«, ist sich Stricharz sicher, dessen beide Kinder in Zukunft wohl öfter auf ihren Vater werden verzichten müssen. In Hamburg jedenfalls hofft man auf ein neues Wir-Gefühl in der Gemeinde.

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