Dessau

Weg frei für neue Synagoge

Dessaus Oberbürgermeister Peter Kuras (FDP), Gemeindevorsitzender Alexander Wassermann und Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) (v.l.) Foto: Lena Norinsky

Seit vielen Jahren kämpft die jüdische Gemeinde im sachsen-anhaltinischen Dessau für den Neubau einer Synagoge. Nun nimmt das Vorhaben Gestalt an: Am Mittwoch hat Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dem Gemeindevorsitzenden Alexander Wassermann Fördermittel in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro zugesagt.

TERRORANSCHLAG Von der Stadtverwaltung und dem Zentralrat der Juden in Deutschland gab es weitere Fördermittelbescheide von insgesamt etwa 400.000 Euro. Dazu kommen private Spendengelder, Eigenmittel, Lotto-Fördermittel sowie zusätzliche 176.000 Euro vom Land Sachsen-Anhalt für die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Die Entscheidung dafür sei nach dem Terroranschlag auf die Synagoge von Halle getroffen worden, hieß es von Seiten der Landesregierung.

»Wer ein Haus baut, der will bleiben.« Ministerpräsident Reiner Haseloff

Dem Bau auf dem Platz in der Nähe des Dessauer Stadtschlosses, wo sich einst das historische Synagogengebäude befand, steht nun nichts mehr im Weg. Die Arbeiten sollen bereits im März beginnen, wie es von Seiten der Gemeinde hieß. Die Fertigstellung ist nach jetzigem Planungsstand für Ende des kommenden Jahres angesetzt. Benannt werden soll die neue Synagoge nach dem Komponisten Kurt Weill (1900–1950). Weills Vater war als Kantor in der jüdischen Gemeinde Dessau tätig gewesen.

»Der Synagogenneubau ist ein wichtiges Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus«, sagte der Gemeindevorsitzende Wassermann. Er sei überaus dankbar für die Unterstützung des Landes. »Die Regierung macht damit deutlich, dass sie an unserer Seite steht.«

Auch der Gemeinderabbiner von Dessau und Halle an der Saale, Elischa Portnoy, freute sich über die von der Landesregierung zugesicherten Finanzmittel und die Unterstützung durch die Stadtverwaltung. »Es ist wunderbar, dass der Zeitplan für den Bau der Synagoge jetzt endlich sicher steht«, sagte Portnoy.

SELBSTBEWUSSTSEIN Für die Dessauer Gemeinde werde die Synagoge ein neuer Anlaufpunkt für Gottesdienste und andere Aktivitäten werden. Der Neubau stehe symbolisch für das Selbstbewusstsein der rund 300 Mitglieder zählenden Gemeinde. »Auch die Stadt wird enorm von der neuen Synagoge profitieren«, war sich Portnoy sicher. Die Synagoge werde zu einer weiteren gut besuchten Sehenswürdigkeit werden und Touristen aus aller Welt anlocken.

»Auch die Stadt wird enorm von der neuen Synagoge profitieren.« Rabbiner Elischa Portnoy

Nach Angaben der sachsen-anhaltinischen Landesregierung sind die geplanten Synagogenbauten in Dessau und in der Landeshauptstadt Magdeburg, wo derzeit auch ein neues Gotteshaus entsteht, die ersten Neubauten von jüdischen Sakralgebäuden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Neubau »Das Judentum gehört zu Deutschland«, sagte Ministerpräsident Haseloff. Es gebe lebendige Gemeinden im Land. »Wer ein Haus baut, der will bleiben.« Mit dem Neubau werde jüdisches Leben in Dessau wieder sichtbar. Darüber sei er sehr glücklich, sagte Haseloff. Der Ministerpräsident rief auf zum entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf. »Hetze und Hass dürfen unser Land nicht vergiften«, sagte der CDU-Politiker. Religiöse Vielfalt sei die Voraussetzung für Menschlichkeit.

Die historische Dessauer Synagoge wurde im Jahr 1908 eingeweiht. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Gotteshaus geschändet und angezündet. Später wurden die Reste des Gebäudes abgetragen. Auch das Gemeindehaus und die Trauerhalle auf dem Jüdischen Friedhof wurden von SA-Schlägertrupps geplündert und niedergebrannt. jl (mit dpa)

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