Düsseldorf

Wasser marsch und Erste Hilfe

Echte Geräte: Stephan Wawer (r.) zeigt den Kindern die Ausrüstung eines Feuerwehrmannes. Foto: Alexandra Roth

Es sind Sommerferien, die Sonne scheint – und 14 Kinder sitzen still auf ihren Stühlen in einem Raum und hören einem Vortrag zu. Doch Feuerwehrmann Stephan Wawer erlöst die Gruppe bald: »Ich zeige euch die Sachen lieber auf den Fahrzeugen, sonst wird es für euch noch langweilig«, sagt er und schaltet den Beamer aus. Kurz darauf wandern die Mädchen und Jungen aus der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf durch die Feuerwache an der Münsterstraße. Der Ausflug ist Teil des »iCamps«. Erstmals bietet die Gemeinde in den Ferien ein eigenes Programm für die Kleinen an, mit großem Erfolg.

Das Eventmanagement, das Rabbinat, der Rosch, viele Madrichim, die Köchinnen und Köche im Schulzentrum – »es ist eine tolle Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen der Gemeinde«, lobt Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky die Organisation des Sommercamps. »Es war mir auch sehr wichtig, dass es klappt. Das hier ist unser eigenes Camp, es sind unsere Madrichim, die die Betreuung übernehmen, unser pädagogisches und religiöses Konzept«, erzählt er.

Konzept In den Sommern zuvor stellte die Düsseldorfer Gemeinde dem Projekt »Gan Israel«, dem Ferienlager von Chabad Lubawitsch, nur die Infrastruktur des Schulzentrums zur Verfügung. Doch nun kann man selbst Schwerpunkte setzen. Eine Konkurrenzsituation komme dadurch aber nicht auf, erklärt der Rabbiner, der sich ein eigenes Ferienangebot für die Kinder gewünscht hatte. »Die Eltern haben nun fast fünf Wochen lang die Möglichkeit, ihre Kinder betreuen zu lassen, wenn sie selbst arbeiten müssen.«

Und 60 Familien entschieden sich dafür, für ihren Nachwuchs in den ersten beiden Ferienwochen das »iCamp« der Gemeinde zu nutzen. »Es wollten sich sogar noch mehr anmelden, aber das mussten wir stoppen, weil wir sonst bei Ausflügen mit der Größe der Busse nicht mehr ausgekommen wären«, erklärt Rabbiner Vernikovsky. Fahrten stehen oft auf dem Programm: Museen, ein Wasserspielplatz, ein Freizeitpark, eine Töpferwerkstatt, ein Zoo oder eben auch die Feuerwache wurden besucht. »Es ist wirklich sehr üppig und breit aufgestellt«, sagt der Rabbiner. Da das iCamp ins Ferienprogramm der Stadt Düsseldorf aufgenommen wurde, wird das Angebot nicht nur aus Gemeindemitteln finanziert, sondern auch von der Kommune subventioniert.

60 Euro für zehn Tage zahlen die Eltern selbst. »Das ist einfach ein tolles Angebot«, betont der Rabbiner. Neben der Unterhaltung und dem Spaß würde man aber nicht die Bildung vergessen – und schon gar nicht die Religion: »Das geht allein deshalb schon nicht, weil ich ja fast jeden Tag dabei bin.«

Kontinuität Dieser Punkt ist auch dem Vorstandsvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf wichtig. »Das ›iCamp‹ ermöglicht uns, den Kindern jüdische Werte kontinuierlich zu vermitteln«, erklärt Oded Horowitz. »In Zukunft soll es ja so sein, dass die Erziehung vom Kindergarten bis zur Hochschulreife in unseren Händen bleibt«, spricht er das geplante jüdische Gymnasium an. »Es ist wichtig, dass die Eltern die Bedeutung der jüdischen Erziehung erkennen. Wenn die Kinder eine gefestigte jüdische Persönlichkeit entwickeln, können sie später im Leben auch ihren Platz finden.«

Doch gerade bietet das »iCamp« für die Kleinen vor allem eines: eine Menge Spaß. Stephan Wawer, der an diesem Tag Dienst als »Angriffstruppführer« hat, lässt die Gruppe in jede Ecke der Wache schauen, von der Sporthalle bis zu seinem eigenen Zimmer. »Meines sieht nicht so ordentlich aus«, lobt ein Mädchen, auch wenn der Feuerwehrmann das Bett noch nicht gemacht hat.

In einem anderen Raum begegnen die Kinder einem »Phantom« – so nennt man die Puppen, an denen Herzdruckmassagen oder Beatmung geübt werden. »Wie teuer ist so ein Phantom?«, fragt ein Junge. »Ungefähr 4000 Euro«, also nichts für das Kinderzimmer, muss der Junge schmerzlich feststellen.

Als Stephan Wawer eine Herzdruckmassage demonstriert, möchte die Gruppe wissen, ob das denn nicht wehtut. »Wenn ein Unfallopfer es dringend braucht, dann tut ihm das nicht weh«, erklärt Wawer, obwohl man dabei sogar Rippen brechen könnte. »Es ist doch besser, ihm die Rippen zu brechen, als wenn er nicht mehr lebt«, fasst ein Junge pragmatisch zusammen. Anschließend dürfen die Kinder selbst an der Puppe üben. Sechs stürzen sich gleichzeitig auf den Brustkorb. »Lasst ihn mal am Leben«, fordert ein Junge lachend.

Garage Nach getaner Notfallhilfe geht es weiter. Im Erdgeschoss öffnet sich den Camp-Teilnehmern die Tür zur Halle mit den Fahrzeugen. Der Leiterwagen, mit dem die Kinder in die Höhe fahren wollten, ist gerade unterwegs. Doch nach einer ausführlichen Erklärung, welche Schutzkleidung bei welchen Einsätzen getragen werde, welche Werkzeuge benötigt werden und einer Einweisung in die verschiedenen Gefährte, rollt der Leiterwagen doch noch ein – und beinahe ohne Halt wieder durch die Halle zum nächsten Einsatz.

Die Kinder sind enttäuscht, können sich aber darauf freuen, selbst einen echten Feuerwehrschlauch zu bedienen. Doch dann bimmelt es kurz, Stephan Wawer schaut ungläubig und schüttelt den Kopf. »Das darf doch jetzt nicht wahr sein«, sagt er. Ist es aber. Der Angriffstruppführer verabschiedet sich eilig, zieht seine Ausrüstung an und fährt neben seinen Kollegen mit Blaulicht und Martinshorn davon. Gleich wird er als erster Feuerwehrmann den Einsatzort erreichen und eine Meldung an die Zentrale abgeben. Die Kinder schauen den Fahrzeugen staunend hinterher und halten sich die Ohren zu. Spannender kann ein Ferientag wohl kaum sein.

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