Dachau

Wachsam bleiben

Kränze am Mahnmal Foto: Miryam Gümbel

»Die Erinnerung ist unsere Stärke – das Vergessen die Kraft unserer Feinde«, sagte der Präsident des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Josef Schuster, bei der zentralen Gedenkfeier zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 68 Jahren. Die gesellschaftlichen Entwicklungen hätten in den letzten Jahren zunehmend die Akzente beim Gedenken verschoben.

»Nach der Befreiung der Konzentrationslager hofften nicht wenige, es würde nie wieder Krieg, Rassismus, Hass oder Antisemitismus geben. Ein Irrtum«, betonte IKG‐Präsidentin Charlotte Knobloch in ihrer Rede. In Anspielung auf das berühmte Zitat von William Faulkner sagte sie: »Die Vergangenheit ist nicht tot – sie ist nicht einmal vergangen.

An diesem Ort spüren wir, was Faulkner damit meinte. Ich wünsche mir, dass dieses Bewusstsein wieder stärker in unserer Gesellschaft zur Geltung kommt. In Form von Wachsamkeit, Nächstenliebe, Verantwortungsgefühl für unser Gegenüber, für unsere Gesellschaft und unsere Heimat, die lebens‐ und liebenswert für alle Menschen sein soll.«

Auseinandersetzung Knobloch bedauerte, dass »unsere Gesellschaft sich ausgeruht hat auf dem vermeintlichen kollektiven Konsens und darauf vertraut, dass er sich automatisch erneuert. So wurde versäumt, nach neuen klugen Wegen zu suchen, um die jungen Generationen von der Aktualität des Konsenses zu überzeugen. Ihnen wurde nicht verdeutlicht, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit auch sie noch direkt betrifft. Ihr Leben. Ihr Hier und Heute.«

Josef Schuster hatte auf die Beschneidungsdebatte und auf den NSU verwiesen, aber auch auf eine einseitige Palästina‐Ausstellung auf dem Evangelischen Kirchentag. Über die Konzentrationslager, die »die letztendliche Konsequenz von vorausgegangenem Hass und Vorurteilen« in Worten und Taten gewesen seien, sagte er: »Angesichts dessen kann man sich über die oft geäußerte Harmlosigkeit der oben skizzierten gesellschaftlichen Entwicklungen ob der Naivität und Blindheit nur wundern.«

Charlotte Knobloch plädierte dennoch dafür, weiterhin optimistisch zu sein: »Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich will vertrauen und glauben – vor allem an die jungen Menschen. Ihnen gelten meine abschließenden Worte: Lasst euch von keinem vorgeben, wen ihr zu lieben oder wen ihr zu hassen habt!«

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