München

Von der Rolle

Mario Adorf in »Der letzte Mentsch« Foto: Emil Zander

Andere an dem teilhaben zu lassen, woran man selbst Freude hat, das ist eine Antriebsfeder von Ellen Presser bei der Programmgestaltung für das Kulturzentrum der IKG München. So hat die Cineastin auch die »Jüdischen Filmtage« am Jakobsplatz realisiert.

Im Begleitprogramm zu den Filmen gab es in den vergangenen Jahren auch immer wieder Gespräche mit den Schauspielern, Regisseuren oder Autoren. Fanden diese Veranstaltungen zunächst in Münchner Kinos oder im Stadtmuseum statt, bietet das Gemeindezentrum am Jakobsplatz nun die räumlichen und technischen Voraussetzungen für Vorführungen im eigenen Haus.

Zu den Höhepunkten der Filmtage vom 14. bis 22. Januar gehört in der kommenden Woche die München-Premiere von Der letzte Mentsch von Pierre-Henry Salfati. Die Hauptrolle in dem gerade fertiggestellten Film hat Mario Adorf übernommen, der bei den Filmtagen auch zu Gast sein wird – wie bereits im vergangenen Jahr, als Adorf zur Aufführung des Alexander-Granach-Porträts der Regisseurin Angelika Wittlich ins Gemeindezentrum gekommen war.

Der bekannte Schauspieler ist ein großer Bewunderer von Granach und schrieb auch das Vorwort zu der Edition von Granachs Briefen an seine Geliebte Du mein liebes Stück Heimat. Briefe an Lotte Lieven aus dem Exil.

Fotografie Um Persönlichkeiten aus Film und Showbusiness geht es in der großen Ausstellung, die während der gesamten Festival-Zeit im Foyer zu sehen ist. Im vergangenen Jahr verriet Ellen Presser nach den Filmtagen, sie stehe im Gespräch mit einer namhaften Fotografin, »die in mehr als zwei Jahrzehnten viele Schauspieler und Regisseure abgelichtet hat«. Diese Fotografin ist Gabriella Meros.

Zur Erläuterung ihrer Arbeiten gibt es am Eröffnungsabend auf der Bühne ein Gespräch mit ihr und dem Chefredakteur der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit, Giovanni di Lorenzo. Auch dieser ist kein Unbekannter in der Israelitischen Kultusgemeinde. Der Publizist und Journalist gehörte 1992 zu den Initiatoren der Münchner Lichterkette, bei der rund 400.000 Menschen gegen rechte Gewalt auf die Straße gingen.

Dass die Filmtage von Anfang an mehr waren als eine Vorführung von Filmen – wenn auch unter einem bestimmten Motto und zu einem ausgewählten Themenkreis –, das zeigen nicht zuletzt die Partner. Wie zum Beispiel das Filmmuseum. Es hat nicht nur anfangs den Raum zur Verfügung gestellt. Es hat auch maßgeblich zur Wiederentdeckung des Stummfilm-Klassikers Der Student von Prag beigetragen. Das Museum hat auf Initiative seines Direktors Stefan Drößler den Streifen im Rahmen eines umfassenden Kooperationsprojektes mit dem ZDF und arte aufwendig restauriert.

Daniel Grossmann und sein Orchester sorgten 2011 für die möglichst originalgetreue Musik. Auch Nicola Galliner, die langjährige Organisatorin des Jüdischen Filmfestivals Berlin & Potsdam, gehört zu den Unterstützern. 2011 kam sie persönlich zum zweiten Filmfestival nach München. Zu den Gästen, die im Gespräch oder durch zusätzliche Auftritte das Filmprogramm nicht nur abrundeten, sondern auch wesentlich bereicherten, zählte 2013 die Filmproduzentin Alice Brauner, die gemeinsam mit ihrem Vater Artur den Film Wunderkinder dem Gedenken an eineinhalb Millionen während der Schoa ermordete Kinder gewidmet hat.

Yiddishpiel Zum Schwerpunkt Israel war 2012 der dortige ARD-Korrespondent, Richard Chaim Schneider, nach München gekommen und berichtete über die politische Lage, wie er sie täglich erlebt. Ein ganz besonderer Höhepunkt war der Auftritt von Yaakov Bodo. Der Komödiant des Yiddishpiel-Theaters in Tel Aviv ließ mit seiner Einlage die Traurigkeit verfliegen, die der vorangegangene Film Gei Oni hinterließ. In ihm hatte der Oscar-nominierte Schauspieler ebenfalls mitgewirkt.

Dass solche Highlights nicht nur Bestandteil des Konzepts der Jüdischen Filmtage sind, sondern überhaupt umgesetzt werden können, dazu bedarf es vieler, auch der Sponsoren, denen Präsidentin Charlotte Knob- loch stets ebenso dankbar ist wie Ellen Presser.

Knobloch selbst war bei vielen Aufführungen begeistert dabei und hat das auch in diesem Jahr vor. Sie sieht in dem Einsatz der langjährigen Leiterin der IKG-Kulturabteilung einen weiteren Beweis für deren erfolgreiche Arbeit: Es sei ihr gelungen, die Jüdischen Filmtage in München mit jedem Jahr ein Stück fester im Kalender der Gemeinde und der Landeshauptstadt zu etablieren.

Weitere Informationen zum Festival unter www.ikg-m.de

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