Frankfurt/Main

Von der Marktbude ins Hilton

Rachel Singer (M.), Könner und Köche: Garanten für eine prunkvolle Gala, gutes Essen und eine große Spendenfreude Foto: Rafael Herlich

Um den gläsernen Aufzug im Frankfurter Hilton herrscht fast so etwas wie Cannes‐Atmosphäre. Der rote Teppich fehlt zwar, doch die Fotografen eröffnen ein Blitzlichtgewitter als Israels Botschafter in Deutschland, Yoram Ben‐Zeev und Harald Kindermann, der deutsche Botschafter in Israel eintreffen. Michel Friedman trägt einen dunkelblauen Anzug mit Nadelstreifen, seine Frau Bärbel kommt im tomatenroten, schlicht‐eleganten Cocktailkleid.

Vorbei geht es an der großen Jubiläumstorte mit dem aus Marzipan geformten Pergament, das den hellblauen WIZO‐Schriftzug trägt. Vorbei an der großen Bodenvase mit dem riesigen Bambusgesteck, an dem Fotos glücklicher, spielender WIZO‐Kinder baumeln. Junge Auszubildende des Hotelfachgewerbes reichen kleine Köstlichkeiten.

Stil Da kommt »Kiwi«, wie Moderatorin Andrea Kiewel von den WIZO‐Frauen liebevoll gerufen wird. Zum fünften Mal ist sie dabei. Im großen Saal brennen bereits die vielen Kerzen auf hohen Tischleuchtern. Weiße Hussen ummanteln die Stühle, dunkelblaues Tuch bedeckt die 24 runden Tische und die Wand der kleinen Bühne: die Farben der WIZO. Weil die Gala in diesem Jahr eine außergewöhnliche ist, hat man sich auch in kulinarischer Hinsicht Besonderes einfallen lassen. Gleich mehrere Starköche gestalten ein Sieben‐Gänge‐Menü. Mario Höllein, Hans‐Peter Wodarz und der Molekularkoch Juan Amador bieten ihre Kreationen an. Mit dabei beim großen lukullischen Gemeinschaftswerk sind auch die beiden Köche Frank Buchholz und Christian Lohse.

Schon bevor das offizielle Bühnenprogramm startet, kann Andrea Kiewel 157 Patenschaften bekannt geben. Und die Zahl wird steigen. Stetig. Frankfurts Oberbürgermeisterin und Schirmherrin des Abends, Petra Roth, dankt den WIZO‐Frauen und unterstreicht ihre Bedeutung für die Frankfurter Gesellschaft. Insbesondere würdigt sie Rachel Singer als »wild und weiblich, ein Zerberus und originell«.

klang Die erst 13 Jahre alte Geigerin Vicky Gelman, ausgebildet an einem WIZO‐Konservatorium, begeistert das Publikum, die beiden Diplomaten des Abends, Ben‐Zeev und Kindermann nehmen kritisch Bezug auf die aktuelle Lage in Israel, erinnern an den jungen israelischen Soldaten Gilad Schalit, der seit dem 25. Juni 2006 gefangen gehalten wird und unterstreichen die deutsch‐israelische Freundschaft.

Zwischen den offiziellen Programmpunkten des Abends herrscht im Saal ein lockeres Kommen und Gehen. Gitta Guttmann ist eine der stilleren Gäste. Die Gala zum 90‐jährigen Bestehen der WIZO bedeute ihr »sehr viel«, sagt die Mitbegründerin. »Wenn ich hier sitze und überlege, was aus der WIZO geworden ist, dann empfinde ich Stolz und große Freude.« Sie erinnert sich noch sehr genau an die Anfänge. Mit wenig Geld. An die ersten beiden Basare, damals noch im Frankfurter Rathaus. »Damals«, erzählt die 87‐Jährige, »waren das noch richtige Marktbuden«. Und damals halfen die Männer tatkräftig mit. Gitta Guttmanns Mann war Architekt, half beim Aufbau des Basars und kümmerte sich um die Dekoration.

Während die WIZO‐Pionierin erzählt, nimmt abseits des dichten Gedränges die jüngste Generation von WIZO‐Frauen Patenschaften an. Nathalie Graumann, Schwiegertochter des Kulturdezernenten Dieter Graumann, listet die Namen der Spender und die Anzahl ihrer übernommenen Patenschaften in ihrem Laptop auf. Via Mausklick kann das Publikum den neuesten Stand sofort auf einem großen Bildschirm als Info‐Schriftband lesen. Am Ende des Abends – nach Auftritten von Sharon Brauner und ihrer Band und dem Frankfurter Variété Tigerpalast – wird die junge werdende Mutter schließlich erfreuliche 510 Patenschaften bekannt geben.

Porträt der Woche

Der Fahrrad-Guide

Asaf Leshem kam wegen seines Großvaters nach Berlin und zeigt Touristen die Stadt

von Jérôme Lombard  16.03.2019

Chemnitz

Ein freundliches Gesicht zeigen

Die jüdischen Kulturtage laden zu 78 Veranstaltungen ein

von Olaf Glöckner  14.03.2019

München

Jewy Louis, Gangsta-Rap, Zeitzeuginnen

Meldungen aus der IKG

 14.03.2019