Pädagogik

Von der Grundschule zum Abi

Greift gern zum Buch und setzt sich für seine Schüler ein: Marcus Schroll Foto: Myriam Gümbel

Wenn am 13. September in Bayern das neue Schuljahr beginnt, hat die Sinai‐Schule eine neue Führung. Nach zwei verdienstvollen Jahrzehnten in München ist die bisherige Rektorin Antonia Ungar in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Ihr hat die Sinai‐Schule, die sich seit 2007 im Gemeindezentrum am Jakobsplatz befindet, ihr heutiges, von vielen Seiten hochgelobtes Image zu verdanken. »Dass wir für unsere Schule so viel Lob bekommen, ist in vielen Bereichen das Verdienst von Antonia Ungar«, dankt Präsidentin Charlotte Knobloch der scheidenden Pädagogin.

Die Sinai‐Schule ist eine öffentlich anerkannte Privatschule der IKG und die einzige Ganztagsgrundschule in München. Der Unterrichtsplan richtet sich nach den Vorgaben des Bayerischen Kultusministeriums. Englisch wird bereits ab dem zweiten Schuljahr unterrichtet. Darüber hinaus nehmen die jüdische Religionslehre und hebräisch sowie Unterricht in jüdischer Literatur einen besonderen Schwerpunkt ein.

Bei der Entwicklung der Lehrmaterialien und dem Curriculum hat sich Antonia Ungar besondere Verdienste erworben. Ihre Position teilen sich ab kommenden Schuljahr zwei Kollegen. Eine duale Schulleitung wurde geschaffen. Für die allgemeinen Fächer ist die bisherige Konrektorin Petra Eichenlaub zuständig. Den jüdischen Zweig übernimmt Marcus Schroll, der die Arbeit seiner Amtsvorgängerin schätzt und ausdrücklich würdigt.

Rabbinat Marcus Schroll kam im März 2002 nach München, damals als Lehrer für israelitische Religion an Gymnasien und als Mitarbeiter im Rabbinat. Durch die schwere Erkrankung von Irit Chioubutaru sel. A. hat sich sein Tätigkeitsfeld dann immer mehr auf den Unterrichtsbereich in der gymnasialen Oberstufe verlagert.

Das Kultusministerium hat ihn bereits 2003 zum Fachberater für den israelitischen Religionsunterricht in ganz Bayern bestimmt. Seit Januar 2008 leitet er das religiöse Erziehungswesen der IKG. In dieser Funktion ist er für die religiöse Fachaufsicht vom Kindergarten bis zum Abitur zuständig. Bei Letzterem hat sich im vergangenen Jahr viel geändert.

Mit der Einführung des achtjährigen Gymnasium sind die bisher sehr geschätzen fünfstündigen Leistungskurse pro Woche weggefallen. Religionslehre als Abiturfach, wie das in Bayern seit vielen Jahrzehnten Tradition ist, bleibt allerdings weiter bestehen. Geändert hat sich dabei der Stundenumfang – er wurde auf zwei Wochenstunden verkürzt. Eine Neuerung im Schulbetrieb bildet das wissenschaftspropädeutische Seminar. Es soll die Absolventen auf das wissenschaftliche Arbeiten an der Universiät vorbereiten.

Für jüdische Schüler bietet Marcus Schroll, der weiterhin auch als Gymnasiallehrer tätig ist, das Fach Israelitische Religionslehre an. Auch er bedauert zwar die verkürzten Wochenstunden, sieht aber im wissenschaftlichen Aspekt des Propädeutikums in Verbindung mit jüdischen Themen eine große Chance. Nicht zuletzt hinsichtlich der Erstellung der in diesem Seminar obligatorischen Abschlussarbeit sind die Abiturienten nach wie vor gefordert.

Diese Arbeit ist, so Schroll, durchaus vergleichbar mit der früher notwendigen Facharbeit im Leistungskurs. Dass diese Einschätzung nicht nur Wunschdenken ist, sonder der Realität entspricht, haben die Arbeiten der ersten G8‐Absolventen gezeigt, die im Juni ihre Hochschulreife ablegten.

Der Unterschied zur Facharbeit liegt zum Beispiel in der Präsentation der Inhalte der Seminararbeit innerhalb des Seminars. Die Schüler haben sich mit großem Engagement dieser neuen Herausforderung gestellt. Das freie Disputieren vor der Klasse, so hört Schroll immer wieder, war zunächst ungewohnt, lockte aber schnell in eine tiefe Betrachtungsweise der unterschiedlichen Themen. Diese bezogen sich auf Bereiche der jüdischen Medizin‐Ethik ebenso wie auf Geschichte und religiöse Fragen.

Chancen Für das kommende Jahr haben sich bereits Schüler angemeldet. Schroll hofft, dass in den kommenden Jahren immer mehr Abiturienten diese Chance wahrnehmen, zumal der zeitliche Aufwand innerhalb des Unterrichts deutlich reduziert ist.

Für seine Aufgabe in der Sinai‐Schule ist ihm wichtig, dass »wir mit dem gesamten Lehrerteam unseren Kindern eine starke jüdische Identität vermitteln, die ihnen auch das Selbstbewusstsein gibt, ihr Judentum stolz in der allgemeinen Gesellschaft zu vetreten. Judentum soll Spaß machen, das ist von großer Bedeutung.«

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