Düsseldorf

Vom Altenheim zum Nürburgring

Schon von Weitem schallt den Ankommenden aus dem Nelly-Sachs-Haus im Düsseldorfer Norden fröhliche Musik entgegen. Kellner pendeln zwischen Caféteria und Terrasse des Elternheims hin und her. Bewohner, Angehörige und Gäste versammeln sich nach und nach, um den langjährigen Heimleiter Peter Hahn mit einem Grillfest zu verabschieden.

1982 hatte Hahn die Leitung des Seniorenheims der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf übernommen, diesen Monat ging er zu seinem 65. Geburtstag in den Ruhestand. »Eine Ära geht zu Ende«, sagt Oded Horowitz, der Vorsitzende der Gemeinde.

familie Das Haus sei eines der schönsten Elternheime, meint Horowitz, »ein Juwel«. Peter Hahn habe das Potenzial der Einrichtung bereits vor mehr als 25 Jahren erkannt. »Er hat das Haus zu dem gemacht, was es heute ist«, sagt Horowitz. Wegen der traumatischen Erfahrungen, die viele ältere Bewohner in ihrem Leben machen mussten, sei es eine große Aufgabe, sie sich hier heimisch fühlen zu lassen. Heute sei die Atmosphäre wie in einer großen Familie. Selbstverständlich ist das auch deshalb nicht, weil die 110 Bewohner aus aller Welt kommen und verschiedenen Religionen angehören.

Etwa ein Viertel ist nichtjüdisch, ungefähr zwei Drittel kommen aus der ehemaligen Sowjetunion. So hat das Heim nicht nur russisches Kabelfernsehen, sondern auch viele russischsprachige Pflegekräfte. Der Garten der Sinne, der von der Terrasse aus zu sehen ist, war Peter Hahns Idee.

Durch duftende Kräuter und Klangspiele sollen die Bewohner Natur mit allen Sinnen erleben. In seine Amtszeit fällt auch die Erweiterung des Hauses vor knapp zehn Jahren. Neben einer modernen Pflegestation bekam es dabei 13 neue Wohnplätze. Zu den technischen Neuerungen gehörte auch eine Solaranlage auf dem Dach.

skoda Mit Technik kennt Hahn sich aus. Zunächst lernte der gebürtige Tscheche Maschinenbau. Im Skoda-Werk Prag baute er Dieselmotoren für russische Eisenbahnen und Schiffe. Die Begeisterung für alles Technische hat er sich bis heute bewahrt. »Auch das Haus hier steckt ja voller Technik«, sagt er. »Zu diesem Job kam ich wie ein Blinder zu einer Geige.«

1968 kam er aus der CSSR in die Bundesrepublik – mit einer Ausreisegenehmigung für vier Tage, aus denen ein halbes Leben wurde. Bevor er im Nelly-Sachs-Haus anfing, arbeitete er vier Jahre als Filialleiter einer Personalleasingfirma. »Mit Personal und Finanzen kannte ich mich aus«, meint er, »und das Soziale kann man entweder oder man kann es nicht.« Hahn beteiligte sich auch an der Planung der Grundschule und des Umbaus des Leo-Baeck-Saals der Neuen Synagoge.

autonarr Bert Noah Römgens hat sich die Heimleitung in den vergangenen neun Jahren mit Hahn geteilt. »Ich habe durch die Zusammenarbeit viel über menschliche Werte gelernt, aber auch über technische Feinheiten wie die Funktionsweise von Motoren.« Immer wieder spielen Hahns berufliche Weggefährten in ihren Redebeiträgen auf dessen Leidenschaft für Technik an.

»Er ist ein echter Autonarr«, scherzt der Gemeindevorsitzende Horowitz, »jedes Gespräch mit ihm kippt irgendwann in einen Monolog über Kompressoren um.« Da verwundert es nicht, welches Abschiedsgeschenk der Gemeindevorstand für Peter Hahn ausgesucht hat: Karten für ein Autorennen auf dem Nürburgring.

Hahn selbst bleibt nach all den Ehrungen bescheiden: »Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was über mich gesagt wurde, bin ich immer noch zufrieden.« Auch im Ruhestand möchte er dem Heim noch bis Ende nächsten Jahres an einigen Tagen in der Woche erhalten bleiben. Zudem plant er, sich demnächst einen seltenen Oldtimer von Saab anzuschaffen. Wie es sich für einen echten Autonarren gehört.

Potsdam

Neues Synagogenzentrum vor Einweihung

Zu dem Festakt wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet

 04.06.2024

Berlin

Mehrere Hundert Menschen bei bunter Lag-BaOmer-Parade

Rabbiner Yehuda Teichtal: Starkes Zeichen für fried- und respektvolles Miteinander

 27.05.2024

Boris Schulman

Dieses Jahr ist Jom Haschoa anders

Zum Tag des Gedenkens an die Schoah reflektiert unser Autor die Bedeutung des Heimatbegriffs in Bezug auf Deutschland und Israel

von Boris Schulman  07.05.2024

Oldenburg

Brandanschlag auf Synagoge: Erste Hinweise auf Tatverdächtigen

Für Hinweise, die zur Tataufklärung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt

 06.05.2024

Berlin

Zeichen der Solidarität

Jüdische Gemeinde zu Berlin ist Gastgeber für eine Gruppe israelischer Kinder

 15.04.2024

Berlin

Koscher Foodfestival bei Chabad

»Gerade jetzt ist es wichtig, das kulturelle Miteinander zu stärken«, betont Rabbiner Yehuda Teichtal

 07.04.2024

Hannover

Tränen des Glücks

Auf der Damentoilette gibt es eine Schminkorgie, während Backstage auch mal die Gefühle durchgehen. Aber »je näher der Abend, desto geringer die Aufregung«

von Sophie Albers Ben Chamo  31.03.2024

Hannover

»Alle sollen uns hören und sehen!«

Tag zwei der Jewrovision beweist, dass immer noch mehr Energie möglich ist. Nach Workshops und Super-Hawdala geht es zur Kirmes und auf die Zielgerade zur Generalprobe am Sonntagvormittag

von Sophie Albers Ben Chamo  30.03.2024

Jewrovision

Perfekter Auftritt

Der Countdown zur 21. Jewrovision läuft. Rund 1300 Teilnehmer und Gäste aus den deutschen Gemeinden purzeln in Hannover aus den Bussen und bereiten sich auf das große Finale am Sonntag vor: Time to Shine!

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2024