Stuttgart

Vielfalt in der Einheit

Rabbiner Joel Berger kuratiert – gemeinsam mit seiner Frau Noemi – das Festival. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In Stuttgart haben die 14. Jüdischen Kulturwochen begonnen. Mehr als 34 Veranstaltungen warten auf zahlreiche Bewohner der baden‐württembergischen Landeshauptstadt. »Wir sind stolz, dass unsere jährliche Veranstaltungsreihe mittlerweile ein hohes Ansehen im ganzen Land genießt«, sagte Barbara Traub, die Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) in ihrer Begrüßung. Ziel der Jüdischen Kulturtage sei es, gerade einem nichtjüdischen Publikum jüdisches Leben und jüdische Kultur nahezubringen.

Und das zeigte sich schon bei der Auftaktveranstaltung. Zahlreiche namhafte Stuttgarter, Vertreter aus Politik und Gesellschaft, waren ins Stuttgarter Rathaus gekommen. Unter der musikalischen Begleitung des mehrfach ausgezeichneten Violinisten Leo Esselson begrüßten Bürgermeister Martin Schairer, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, und der Minister für Soziales und Integration des Landes Baden‐Württemberg, Manfred Lucha, die Gäste.

Lucha setzte das Motto der Jüdischen Kulturwochen, »Judentum – Einheit in Vielfalt?« in einen weiteren Kontext: »Unsere gesamte Gesellschaft muss sich von diesem Motto angesprochen fühlen«, sagte er. Denn »jüdisches Leben darf in dieser Stadt und in diesem Land nie mehr infrage gestellt werden«.

Talmud In seinem Einführungsvortrag nahm der in Stuttgart geborene Judaist Karl Erich Grözinger die Gäste mit auf eine kleine Reise durch die jüdische Geschichte und Kultur. Mit Beispielen aus dem Talmud berichtete er davon, dass Vielfalt das Judentum schon seit jeher auszeichnet, die Einheit aber erst nach und nach wachsen musste. »Die Vielfalt ist das Natürliche innerhalb des Judentums«, sagte er, »und sie ist unendlich groß, wie das reiche Programm der Kulturwochen in diesen Tagen zeigen wird.«

Noch bis zum 21. November dauert das Programm, das der frühere Landesrabbiner Joel Berger gemeinsam mit seiner Frau Noemi zusammengestellt hat. In den kommenden Tagen erwartet die Stuttgarter Kunst, Kultur und Rundgänge. Der Stadtjugendring Stuttgart veranstaltet am Sonntag eine Stadtrundfahrt auf den Spuren jüdischen Lebens in Stuttgart.

Am Donnerstag, 16. November, diskutieren ab 14.30 Uhr im Haus der Geschichte Julius Schoeps, Joachim Hahn sowie die Rabbiner Joel Berger, Daniel Fabian und Gabor Lengyel über das Thema »Richtungen des Judentums – Entwicklung in Deutschland«. Ungewohnte Klänge gibt es am Samstag, 18. November, um 20.30 Uhr im Kulturzentrum Merlin beim Jazzkonzert unter dem Motto »new yiddish world music« der »global shtetl band« aus Nürnberg.

Vortrag Und am 20. lädt die Gemeinde für 19.30 Uhr zum Klezmerkonzert mit dem Roman Grinsberg Yiddisch Swing Trio aus Wien in den Gemeindesaal ein. Christoph Wehner und Marc von Miquel beleuchten die Vorgänger der Deutschen Rentenversicherung im Dritten Reich. Vortrag und Diskussion am 21. November beginnen um 19 Uhr, ebenfalls im Gemeindezentrum.

Neben der Vorfreude auf die Jüdischen Kulturwochen in diesem Jahr warnte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, bei der Eröffnungsveranstaltung jedoch auch vor dem Erstarken rechtspopulistischen Gedankenguts: »In diesem Jahr gewinnen solche Veranstaltungen noch mehr an Bedeutung, in Zeiten, in denen eine Partei mit antisemitischen Äußerungen in den Bundestag eingezogen ist«, sagte Lehrer.

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