Lag BaOmer

Vielfalt am Lagerfeuer

Lag-BaOmer-Lagerfeuer am Seniorenzentrum Foto: Margrit Schmidt

Eine gute Sicht ist die halbe Miete. Genau das dachten sich wohl auch die rund 15 älteren Damen und platzierten ihre Stühle samt Sitzpolster bereits über eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung direkt vor der Bühne im weitläufigen Garten des Jeanette‐Wolff‐Seniorenzentrums. Und während sie angeregt darüber spekulierten, was es alles in den nächsten Stunden an Unterhaltungsprogramm geben könnte, tobte um sie herum eine aufgeregte Kinderschar, die gerade Pommes, Falafel und Hummus entdeckt hatte.

»Ich glaube, dass kaum etwas unser Konzept eines generationenübergreifenden Festes besser zum Ausdruck bringen kann als dieses Bild«, freute sich Rabbiner Boris Ronis, der gemeinsam mit Rabbiner Jonah Sievers das Event auf die Beine gestellt hatte. »Lag BaOmer ist schließlich mehr als nur ein fröhlicher Feiertag, an dem wir die Medura anzünden. Es hat auch viel damit zu tun, das Wissen um unsere Traditionen weiterzugeben. Und dafür ist ein solches Lagerfeuer als Ort, an dem Jung und Alt gerne zusammenkommen, geradezu perfekt. Das ist gelebtes Judentum für mich.«

GEMEINSAM Doch es geht nicht nur um das entspannte Miteinander der verschiedenen Altersgruppen, sondern auch um die Vielfalt des jüdischen Lebens in Berlin. Genau deshalb zogen mit den Gemeindesynagogen Pestalozzistraße, Rykestraße, Oranienburger Straße, Joachimsthaler Straße und Fraenkelufer sowie Tiferet Israel und Sukkat Schalom von sefardisch‐orthodox bis hin zu reform‐egalitär so ziemlich alle mit an einem Strang, und das unter tatkräftiger Unterstützung von LeDor Vador, dem Minjan des Jeanette‐Wolff‐Seniorenzentrums, sowie der Raoul Wallenberg Loge und dem American Jewish Joint Distribution Committee – und natürlich den freiwilligen Helfern des Jugendzentrums Olam.

»33 Tage nach Pessach dürfen wir ganz offiziell endlich wieder gute Laune haben«, sagt Gideon Joffe, Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde.

Deren vielfältige Gesangs‐ und Showeinlagen auf der Bühne standen noch ganz im Zeichen des Eurovision Song Contest, der dieser Tage in Israel stattgefunden hatte.

»33 Tage nach Pessach dürfen wir ganz offiziell endlich wieder gute Laune haben«, bringt Gideon Joffe, Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde, stellvertretend für viele die Stimmung auf den Punkt. »Angesichts der Tatsache, dass es für uns Juden in letzter Zeit nicht immer ganz einfach war, bietet ein solches Lag‐BaOmer‐Fest eine wunderbare Möglichkeit, sich der Vitalität unserer Gemeinschaft zu vergewissern. Das gibt uns allen auch die Kraft, optimistisch in die Zukunft zu blicken.«

WEIN Erstmals bei einem Familienfest auf der Dernburgstraße mit dabei ist RIAS, die Meldestelle für antisemitische Vorfälle. »Wir wollen die Leute darauf aufmerksam machen, dass es uns gibt, falls jemand konkrete Hilfe oder einfach nur Beratung braucht«, erläutert Projektmitarbeiter Alexander Rasumny das Konzept dahinter. Eine weitere Première ganz anderer Natur war dagegen die Möglichkeit, einige israelische Weine zu verkosten, die Manfred Friedländer, Initiator des Minjan LeDor Vador und ein Pionier unter den Importeuren feiner Tropfen aus Israel, sowie David Arnold von der gleichnamigen Weinagentur ausschenkten. »Schließlich kann auch ein gutes Getränk die Generationen miteinander verbinden«, lacht Friedländer.

Richtig zur Sache ging es dann, als die beiden anwesenden Rabbiner sowie Aaron Peiser, Schammes bei LeDor Vador, endlich die Medura entzündeten – für die Kinder zweifellos einer der Höhepunkte des Tages. Aber auch die Bewohner des Seniorenzentrums hatten ihren Spaß dabei. Wie es Peter Chotzen ausdrückte: »Die Atmosphäre ist einfach locker und ungezwungen.« Das Wort Familienfest hat für ihn eine ganz konkrete Bedeutung.

»Angefangen von meiner Tochter und meinem Schwiegersohn sowie mehreren Nichten ist wohl die ganze Mischpoke heute hier präsent.« Die Tatsache, dass trotz ausbleibender Sonne im Verlauf des Nachmittags knapp 600 Personen in den Garten des Seniorenzentrums strömten, belegt, dass die Idee der generationenübergreifenden gemeinsamen Feier bei Berlins Juden wirklich gut angekommen ist.

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