Darmstadt

Traumtage

Und Action! Die Gemeindekinder machen Aufnahmen für ihren Trickfilm. Foto: Steffen Giersch

Aus dem Rüdiger‐Breuer‐Festsaal dringt laute israelische Popmusik und fröhliches Kindergeschrei. Eine Handvoll Sechsjähriger turnt durch den Raum im Darmstädter Gemeindezentrum. Plötzlich stoppt die Musik und man vernimmt Quietschen von Holz, das über Holz schleift. Ein Blick ins Innere des Saales bestätigt, dass hier »die Reise nach Jerusalem« gespielt wird – und es sind nur noch drei Stühle frei.

Einige Meter von diesem Trubel entfernt geht es zwar deutlich leiser aber nicht weniger hektisch zu. Madricha Margarita Khomenker und einige Kollegen arbeiten noch an den letzten Einstellungen eines Trickfilms. Die Kamera ist auf ein Bild des Tempelbergs gerichtet. Am linken und rechten Rand des Panoramas kleben Fotos von Schimon Peres und Ehud Olmert. Dazwischen liegt der aus verschiedenen beweglichen Einzelteilen zusammengesetzte Körper der Protagonistin, dem die Bastler vom Zeichentrickworkshop in den vergangenen Tage Leben eingehaucht haben. »Morgen werden gleich vier Filme Première feiern«, verspricht Khomenker – das Highlight der diesjährigen Ferienspiele in der Darmstädter Gemeinde.

Inhalte »Wobei ›Ferienspiele‹ nicht wirklich das richtige Wort ist«, korrigiert Khomenker. Fünf Tage lang haben sie und weitere Madrichim mit den Kindern in der Darmstädter Gemeinde Ausflüge unternommen und gespielt. Und doch haben sich die Organisatoren mehr vorgenommen, als den 14 Kindern und Jugendlichen die Zeit zu verkürzen. »Wir haben in das Programm wichtige Inhalte gepackt«, betont die Betreuerin, die auch das Jugendzentrum der Gemeinde leitet. Das Motto hängt über der Tür des Breuer‐Saals: Chalomot – Träume. »Und unser Ziel war es von Anfang an, dass die Kinder erkennen, dass man Träume auch realisieren kann.«

Daniel Neumann, Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen und Gemeindemitglied, freut sich über den Zuspruch. Immerhin hatte er vor gut zwei Jahren die Idee zu diesem »Daycamp«. »Eigentlich ist es eine Art Mini‐Machane«, sagt Neumann, »eine Verbindung von Religiösem und Freizeitaktivitäten.« Natürlich, betont er, wolle man damit auch die Eltern entlasten. Doch im Mittelpunkt stünden die Kinder. »Wir wollen auch bei ihnen das Gefühl der Zugehörigkeit zur Gemeinde schaffen.«

Angebote Tatsächlich sei es für mittlere Gemeinden, wie die in Darmstadt mit ihren rund 700 Mitgliedern, schwerer, Kinder und Jugendliche an die Gemeinschaft zu binden. In den Großgemeinden wie Berlin oder Frankfurt verfüge man mit jüdischen Kindergärten und Schulen über die nötige Infrastruktur, um jüngere Gemeindemitglieder von Anfang an zu integrieren. »Das fehlt uns hier«, sagt Neumann. Dazu komme, dass viele Eltern ihren Kindern keine religiösen Bräuche und Werte vermitteln könnten, da sie selbst nur über rudimentäre Kenntnisse verfügten. Die »Mini‐Machanes« sollen Abhilfe schaffen. »Wir hoffen, sie deshalb zukünftig auch in den Herbst‐ und Osterferien anbieten zu können.«

Nach vier Tagen zieht Margarita Khomenker ein positives Fazit. »Wir achten darauf, dass hier so etwas wie eine Gemeinschaft entsteht.« Sei es beim Ausflug ins Taunuswunderland, beim gemeinsamen Betrachten der 3D‐Rekonstruktion der alten Darmstädter Synagoge oder aber bei der Diskussion über Tag‐ und Nachtträume der Sechs‐ bis 14‐Jährigen. »Einige wollen reich werden, um dann Kindern in Afrika helfen zu können«, erzählt die Madricha, »andere wollen nach Israel gehen, um Frieden zu stiften.« Große Träume, von denen es einige sogar auf die große Leinwand schaffen.

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