Darmstadt:

Trauer um Johanna Fränkel

Johanna Fränkel sel. A. (1925–2018) Foto: JG Darmstadt

Sie war eine kleine, zierliche Person, kaum 1,50 Meter groß, doch bewies sie zeitlebens eine geradezu stählerne Kraft. Sie und ihr Mann Josef Fränkel gründeten nach dem Krieg in Darmstadt die Jüdische Gemeinde. Geplant war das nicht, doch es wurde ihnen zur Lebensaufgabe. Hanka, wie sie von Freunden genannt wurde, war Vorstandsmitglied der Gemeinde und viele Jahre auch stellvertretende Vorsitzende.

Sie hat die Gemeinde mitgeprägt, hat erlebt, wie sie durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa wuchs. »Plötzlich waren wieder Kinder da«, erzählte sie oft. Das war ihr wichtig. »Für die Kleinen gibt es in der Synagoge keine Verbote«, betonte sie stets. »Wem als Kind Ehrfurcht gepredigt wird, der kommt als Erwachsener nicht in die Synagoge.« Daran glaubte sie fest. »Wir sind für jedes Kind dankbar.« Als Hanka Fränkel nach Darmstadt kam, gab es dort nur Erwachsene, Emigranten, Holocaust-Überlebende oder Displaced Persons wie sie selbst.

Oberschlesien Johanna Hornung, so ihr Mädchenname, kam in Oberschlesien zur Welt. Sie überlebte das KZ Groß-Rosen, wo sie ihren Mann Josef kennenlernte. Eigentlich wollten sie nach Amerika, weg aus Deutschland. Weil ihr Mann sich im Lager eine Lungenkrankheit zugezogen hatte, verweigerten ihnen die USA die Einreise. Sie blieben notgedrungen, Josef Fränkel begann ein Maschinenbaustudium.

120 Juden sammelten sich nach dem Krieg in der ersten kleinen Gemeinde. »Wir stammten aus zehn Nationen mit zehn Sprachen, wenige Deutsche, viele Polen, Türken, Italiener, Argentinier«, erinnert sich Hanka Fränkel an ein Leben wie auf einer Insel. »Wir hatten kaum Kontakt nach außen zu Darmstädtern.«
Anfangs war es das Ziel, »den Menschen bei ihrer Auswanderung aus Deutschland zu helfen«, erinnerte sie sich. Doch bald wurde es ihre und Josef Fränkels Aufgabe, jüdisches Leben in der Stadt wieder möglich zu machen. Sie setzten sich für den Neubau der Synagoge ein, die im November 1988 eröffnet wurde. Josef Fränkel starb 1994.

Kunstausstellungen Johanna Fränkel, künstlerisch interes­siert, initiierte im Gemeindezentrum Kunstausstellungen, unter anderem eine mit Werken von Samuel Bak. Ihre Tochter Ritula Fränkel war eine international bekannte Installationskünstlerin, die zusammen mit ihrem Mann Nicholas Morris, Konzepte für das »Denkzeichen Güterbahnhof« und den »Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt« schuf.

Hanka Fränkel litt darunter, dass viele geliebte Menschen vor ihr gingen. Ihre Tochter Ritula starb 2015, ihr langjähriger Weggefährte und Gemeindevorsitzender Moritz Neumann 2016. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch würdigte Hanka Fränkel als außergewöhnliche und warmherzige Frau. Mit ihr verliere Darmstadt und er selbst eine Freundin. Johanna Fränkel wurde 93 Jahre alt.

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026