Berlin

Trauer um Jerzy Kanal

Langjähriger Gemeindevorsitzender beigesetzt

 03.08.2015 17:55 Uhr

Jerzy Kanal sel. A. (1921–2015) Foto: dpa

Langjähriger Gemeindevorsitzender beigesetzt

 03.08.2015 17:55 Uhr

Der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Jerzy Kanal, ist am Mittwoch in Berlin beigesetzt worden. An der Beerdigung auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik, Gemeinde und Gesellschaft teil, darunter auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, und Zentralrats-Geschäftsführer Daniel Botmann.
Jerzy Kanal war am Samstagmorgen im Kreise seiner Familie in Berlin gestorben.

zentralrat Am Montag, nach Bekanntwerden der Nachricht vom Tode Jerzy Kanals sel. A. hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklärt: »Jerzy Kanal sel. A. gehörte zu jenen Menschen, die das jüdische Leben in Berlin wieder mit aufbauten. Nach dem Tod von Heinz Galinski sel. A. 1992 war er sofort bereit, die Verantwortung zu übernehmen und als Vorsitzender die Geschicke der Gemeinde zu lenken. Bis ins hohe Alter setzte er sich für die jüdische Gemeinschaft ein. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren«, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster.

Kanal wurde 1921 im polnischen Blaszki geboren. Er überlebte das Warschauer Ghetto und Auschwitz, kam 1953 nach Berlin. Nach vielen Jahren im Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war er von 1992 bis 1997 deren Vorsitzender sowie von 1990 bis 1997 Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden. Kurzzeitig, von Januar bis Juni 1997, hatte Kanal sel. A. auch das Amt des Zentralratsvizepräsidenten inne. »Sein Name wird immer mit der Einweihung der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße verbunden bleiben«, betonte Schuster.

Gemeinde
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, nannte Kanal eine der »herausragenden Persönlichkeiten der ersten Stunde«. Neben dem ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski, sei er eine der tragenden Säulen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewesen. Gemeinsam mit seinem engen Wegbegleiter und Freund Galinski, dessen Amtsnachfolger als Gemeindevorsitzender er war, habe er die Berliner Jüdische Gemeinde nach dem Krieg wieder aufgebaut.

Als Gemeindevorsitzender hatte er nach Angaben der Gemeinde unter anderem den Staatsvertrag mit dem Land Berlin verhandelt und unterschrieben. Der Vertrag regelte erstmals verbindlich die Beziehungen des Bundeslandes zur Gemeinde. »Die Jüdische Gemeinde zu Berlin wird ihm in großer Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren«, so Joffe weiter.

Senat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte Kanal als einen Gemeindevorsitzenden, der das jüdische Leben Berlins in seiner fünfjährigen Amtszeit wesentlich geprägt habe. Müller nannte Kanals Amtszeit eine besondere und wichtige Phase. »Es waren die Jahre nach 1992, nach dem Ableben von Heinz Galinski, die Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, Jahre des Übergangs, die auch für das jüdische Leben in Berlin zum Teil tiefgreifende Einschnitte, Entwicklungen und Veränderungen mit sich gebracht haben«, erklärte er am Montag. Der langjährige Weggefährte Heinz Galinskis habe der Gemeinde in diesen Jahre Führung und Richtung gegeben.

»Für unsere Gesellschaft ist er ein Warner und Mahner gewesen«, sagte Berlins Regierender Bürgermeister weiter. Die Bekämpfung von Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Intoleranz sei ihm zentrales Anliegen gewesen. »Das ist sein Vermächtnis, dem sich die Zivilgesellschaft über die Grenzen unserer Stadt hinaus verpflichtet fühlt«, betonte Müller. ja/epd

Porträt

Kiel – Alles in einem

Von Sozialberatung über Kinder- und Jugendtheater bis zu Sprachkursen: In der Kieler Gemeinde ist alles unter einem Dach vereint

 16.06.2022

Porträt

Mainz – Neue Synagoge mit langer Tradition

Einst war Mainz Teil der legendären SchUM-Städte, heute steht dort eine ganz besondere Synagoge

 16.06.2022

Porträt

Speyer – Eine traditionsreiche Gemeinde

Im Mittelalter war Speyer ein wichtiges Zentrum des Judentums. Heute hat die Gemeinde wieder 567 Mitglieder

 16.06.2022

Porträt

Kaiserslautern – xxx

xxxxx

 16.06.2022

Berlin

Bundespräsident besucht Geflüchtete

Frank-Walter Steinmeier trifft Kinder und Jugendliche aus Odessa im Jüdischen Bildungszentrum

von Joshua Schultheis  07.03.2022

Düsseldorf

Die Makkabäer sind los!

Zum dritten Mal findet in Nordrhein-Westfalen das größte jüdische Sportfest Deutschlands statt

 03.09.2021 Aktualisiert

Brandenburg

Jüdische Gemeinden feiern 30 Jahre ihrer Wiedergründung

Mit einem Festakt begingen rund 150 Gäste aus der jüdischen Gemeinschaft und der Landespolitik das runde Jubiläum

 01.09.2021

Jubiläum

Seit 151 Jahren Teil der Stadtgesellschaft

1870 beschlossen elf Männer, in Gelsenkirchen eine eigene jüdische Gemeinde zu gründen - jetzt wurde an sie erinnert

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021

Bremen

Neue Torarolle zum Jubiläum

In der Hansestadt feierte die jüdische Gemeinschaft am Wochenende den 60. Jahrestag der Eröffnung ihrer Synagoge

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021