Dortmund

Tiger Rag im Kindergarten

Da ist Rhythmus drin: Auch den Dreijährigen geht der Sound schon ins Blut. Foto: Alexandra Umbach

Es ist zehn Uhr, die Vögel zwitschern, und statt in einer verrauchten Kneipe stehen Achim Kämper und Alex Morsey im lichtdurchfluteten Foyer des jüdischen Kindergartens in Dortmund. Die Jazz-Session soll gleich beginnen, sie ist ein Publikumsmagnet, und sie findet jeden Freitag statt.

Vor fünf Monaten begann im Kindergarten der jüdischen Kultusgemeinde Groß-Dortmund das Projekt »Jazztiger«. Damit sollten die Kinder an die Musikrichtung und an eine neue Kreativität herangeführt werden. »Jazz ist Improvisation, man muss aufeinander eingehen, man muss sich vertrauen. Also ist Jazz doch das, was hier jeden Tag stattfindet«, sagt Kati Stüdemann. Die Mutter entwickelte gemeinsam mit der Erzieherin Irina Weinschenker die Idee, die schließlich mit der Förderung durch den Landesmusikrat NRW umgesetzt werden konnte.

Erfinderisch Seit Februar erforschen die »Jazztiger« – die ihren Namen dem legendären Jazz-Song Tiger Rag entlehnt haben – die Geräusche des Kindergartens, ahmen sie mit Instrumenten, Alltagsgegenständen oder ihrem Körper nach und erarbeiten damit das Musikstück Ein Tag im Kindergarten.

»Es ist eine harte Arbeit für die Kinder, aber sie machen es sehr gut und es macht ihnen Spaß«, sagt Irina Weinschenker. Auch die unter Dreijährigen haben keine Schwierigkeiten, am Projekt teilzunehmen, denn alle mussten von vorne anfangen.

Inzwischen ist der Umgang mit der Musik und den Instrumenten für die Kinder selbstverständlich geworden. Dazu hat auch der Muskikpädagoge Achim Kämper beigetragen, der den Kindergarten regelmäßig besucht. »Ich bringe immer einen Kollegen mit, der ein anderes Instrument spielt.

Ich stelle ihn vor und dann finden wir gemeinsam heraus, was er mitgebracht hat«, erzählt Kämper. Die interaktive Instrumentenkunde liegt den Kindern. »Ich bin beeindruckt davon, wie sie das alles aufsaugen. Obwohl ich Instrumente aus der ganzen Welt mitbringe, haben sie sich die Namen schon beim zweiten Mal gemerkt.«

Begabt Die Bestätigung gibt es beim Besuch von Alex Morsey. »Das da kenne ich noch nicht«, ruft ein Kind empört. »Doch«, beruhigt Achim Kämper, »aber nur von der anderen Seite.« Morsey dreht das Instrument um: »Kontrabass«, rufen alle im Chor.

Die Session kann beginnen, Kämper trommelt, Morsey zupft. Keine fünf Sekunden später steht das junge Publikum auf und tanzt, die meisten genau im Takt. Sie lernen den Swing kennen, machen einen Ausflug zum Bossa Nova, trommeln auf Stühlen und klatschen. Skeptische Blicke erntet Alex Morsey, als er das noch unbekannte Sousafon anlegt. Doch schon nach den ersten Tönen erntet er Jubel, denn er spielt die Melodie des Pipi-Langstrumpf-Liedes an. Der Jazz lebt!

Uraufführung »Ein Tag im Kindergarten«: 18. Juli, 10 Uhr, Jazzclub Domicil, Hansastraße 7-11

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