Köln

Tassen, Teller, Teekannen

Das ist Spitze: Per Schablone lassen sich feine Muster auf die Schale auftragen. Foto: Jörn Neumann

Die kleine Tanja ist gerade einmal ein Jahr alt. Aber so jung sie ist, hat sie bereits im Kölner Pottery Art Café einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sowohl farblich als auch akustisch.

Und das kam so: Die Eventmanagerin der Kölner Synagogen-Gemeinde, Daniela Kalmar-Schönberger, hatte am Sonntag zum Bemalen von Keramik in das Kunstcafé an der Arndtstraße eingeladen. Dort warteten Tassen, Vasen, Rahmen, Tierfiguren und diverse Haushaltsgegenstände darauf, mit einer Auswahl aus 70 Farben verschönert zu werden.

Auf den Tischen sieht es aus wie früher im Kunstunterricht: Da liegen Pinsel und Schablonen neben offenen Farbdosen, Paletten mit dicken Tupfern frischer Keramikfarbe finden sich neben Schalen zum Auswaschen der Malgeräte. In hohen Regalen stehen die cremeweißen Rohlinge. An den Wänden hängen viele farbenfrohe, fertig gebrannte Exponate als Anregung.

Anbieten Mascha Kogan hatte die Organisatorin auf das Café nahe des Gemeindezentrums an der Roonstraße aufmerksam gemacht. Einige Gemeindemitglieder zeigten Interesse, das Angebot auszuprobieren. Sozusagen als Erweiterung des Standardprogramms wie gemeinsame Kinobesuche und Ausflüge. Da solche Veranstaltungen auch immer einen jüdischen Bezug haben sollten, kam Daniela Kalmar-Schönberger auf die Idee, einen Zusammenhang zum Tu be Aw (in diesem Jahr der 15. August) herzustellen, dem in Deutschland noch weitgehend unbekannten jüdischen Pendant zum Valentinstag.

»Der Tag liegt eine Woche nach dem Fasttag Tischa be Aw, an dem der Zerstörung des Jerusalemer Tempels und anderer schwerer Schicksalsmomente in der jüdischen Geschichte gedacht wird. Im Gegensatz dazu steht der Tu be Aw für erfreuliche Ereignisse der jüdischen Geschichte, nicht zuletzt die Aufhebung des Mischeheverbots zwischen den Stämmen Israels«, erläutert die Eventmanagerin und fährt fort: »In der Zeit des zweiten Tempels bezeichnete der Tag den Beginn der Traubenernte, an dem unverheiratete Mädchen in weißen Kleidern in den Weinbergen um Jerusalem sangen und tanzten. Im heutigen Israel ist der Tag auch ein beliebtes Datum zum Heiraten.«

Mitmachen Zehn Gemeindemitglieder kamen zum »Pottery-Nachmittag« und machten sich ans Werk, mit Rat und Tat unterstützt von Marina St. Jupane. Die gebürtige Lettin hat das Pottery Art Café 2003 gegründet. Kleinkind Tanja war die jüngste Teilnehmerin und sollte auch »mitmachen«. Ihre Mutter wollte dazu die Fußsohlen der Einjährigen als Farbabdruck auf einem Pizzateller verewigen.

Das Bepinseln ihrer Füßchen mit dunkelroter Farbe ließ sich der Nachwuchs auch noch giggelnd gefallen. Aber als es dann daran ging, auf der sich ungewohnt anfühlenden Telleroberfläche eine Spur zu hinterlassen, quittierte die Kleine das mit lautstarkem Protest. Glücklicherweise dauerte der Vorgang nicht lang, und Tanja war wieder zufrieden. Der Teller soll übrigens ein Geschenk für ihren Opa werden.

Daniela Kalmar-Schönberger war derweil mit dem Bemalen einer Kombination aus Teekanne und -tasse mithilfe eines Fischmuster-Stempels beschäftigt. »Für meinen Mann, er ist im Sternzeichen Fisch geboren«, sagt sie und zeigt sich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Vor Mascha Kogan steht eine Frühstücksschüssel, die mithilfe von Papierschablonen, die feindurchlöcherten Spitzen nachempfunden sind, ein elegantes Muster in zartem Blau bekommen.

Ausprobieren Einziger männlicher Teilnehmer war Musiklehrer Paul Galaburda, der sich einen Serviettenring ausgesucht hat und geduldig verschiedene Farbkombinationen ausprobierte. Zwischen der Arbeit mit Farben und Noten sieht er durchaus Parallelen: »Es hat beides viel mit Ausprobieren zu tun, bis man zu einem Ergebnis kommt, mit dem man zufrieden ist«, erklärt er. Der Besuch der Cafés und die Benutzung von Malutensilien und Schablonen war für die Gruppe kostenlos. Nur die Rohlinge mussten mit zehn bis 50 Euro bezahlt werden.

Die fertig bemalten Unikate brannte Marina St. Jupane schließlich bei 1.000 Grad im Ofen. Am nächsten Tag waren Teekanne, Serviettenring und Fußabdruck-Pizzateller dann fertig und natürlich spülmaschinenfest. Kleine Aufmerksamkeiten mit persönlicher Note für den jüdischen Valentinstag, bei denen Tanja ganz tatkräftig mitgeholfen hat.

Potsdam

Neues Synagogenzentrum vor Einweihung

Zu dem Festakt wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet

 04.06.2024

Berlin

Mehrere Hundert Menschen bei bunter Lag-BaOmer-Parade

Rabbiner Yehuda Teichtal: Starkes Zeichen für fried- und respektvolles Miteinander

 27.05.2024

Boris Schulman

Dieses Jahr ist Jom Haschoa anders

Zum Tag des Gedenkens an die Schoah reflektiert unser Autor die Bedeutung des Heimatbegriffs in Bezug auf Deutschland und Israel

von Boris Schulman  07.05.2024

Oldenburg

Brandanschlag auf Synagoge: Erste Hinweise auf Tatverdächtigen

Für Hinweise, die zur Tataufklärung führen, ist eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt

 06.05.2024

Berlin

Zeichen der Solidarität

Jüdische Gemeinde zu Berlin ist Gastgeber für eine Gruppe israelischer Kinder

 15.04.2024

Berlin

Koscher Foodfestival bei Chabad

»Gerade jetzt ist es wichtig, das kulturelle Miteinander zu stärken«, betont Rabbiner Yehuda Teichtal

 07.04.2024

Hannover

Tränen des Glücks

Auf der Damentoilette gibt es eine Schminkorgie, während Backstage auch mal die Gefühle durchgehen. Aber »je näher der Abend, desto geringer die Aufregung«

von Sophie Albers Ben Chamo  31.03.2024

Hannover

»Alle sollen uns hören und sehen!«

Tag zwei der Jewrovision beweist, dass immer noch mehr Energie möglich ist. Nach Workshops und Super-Hawdala geht es zur Kirmes und auf die Zielgerade zur Generalprobe am Sonntagvormittag

von Sophie Albers Ben Chamo  30.03.2024

Jewrovision

Perfekter Auftritt

Der Countdown zur 21. Jewrovision läuft. Rund 1300 Teilnehmer und Gäste aus den deutschen Gemeinden purzeln in Hannover aus den Bussen und bereiten sich auf das große Finale am Sonntag vor: Time to Shine!

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2024