Frankfurt

Symbol des Friedens

Alle 22 Künstlerinnen sind gemeinsam zur Eröffnung nach Frankfurt gereist. Foto: Rafael Herlich

Johann Wolfgang von Goethe inspirierte einst der Ginkgobaum zu einem Gedicht. Für 35 Frauen der Malwerkstatt im Zentrum der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) im nordisraelischen Afula wurde der Olivenbaum zum Quell künstlerischer Inspiration. Für viele von ihnen gehört die knorrige Nutzpflanze zum Lebensalltag: Sie haben bei der Ernte ihrer Früchte geholfen oder in ihrem Schatten den Nachwuchs spielen lassen. Der Schritt zur künstlerischen Verarbeitung scheint da nur konsequent.

Die Ergebnisse der kreativen Auseinandersetzung mit dem Olivenbaum sind seit vergangener Woche in der Frankfurter Paulskirche zu sehen. »Women & their olive trees. Art for peace« lautet der Titel der Ausstellung, in der die Frauen nicht nur ihre Gemälde präsentieren, sondern auch sich selbst in kurzen Texten vorstellen und erklären, was der Olivenbaum für sie persönlich bedeutet.

Freundschaften Untertitelt ist die Schau mit »Eine Kunstausstellung, die bewegt. Ein Beispiel friedlicher Koexistenz in Israel«. Das trifft den Punkt. Schließlich zeugen die Bilder nicht nur vom fröhlichen gemeinsamen Gestalten. Sondern sie sind Kunst gewordener Beweis dafür, dass ein Miteinander der Religionen möglich ist. Jüdinnen, Musliminnen und Christinnen kamen bei dem Projekt zusammen, und dabei sind echte Freundschaften entstanden. »Wenn wir uns treffen, habe ich nicht den Eindruck, dass wir verschieden sind. Wir sind Freundinnen geworden«, berichtet Asma Khalaf von der gemeinsamen Zeit.

Mashchaz Ubayd Zu’abi kann dies nur bestätigen: »Die Malerei hat uns einander nähergebracht. Während des Gaza-Krieges waren wir alle erzürnt und besorgt. Meine jüdischen Freundinnen kamen, um zu sehen, wie es uns geht. Der Olivenbaum ist unser heiliger Baum.« Dass aus dem Miteinander Freundschaften entstanden sind, liegt nach Ansicht von Diana Schnabel, Ehrenpräsidentin von WIZO Deutschland, vor allem daran, »dass es tolle Frauen sind, die sich von Anfang an respektiert haben«.

Die Initiatorin und Kuratorin der Ausstellung, Sheila Dvore Casdi, wurde von Nargess Eskandari-Grünberg, der Integrationsdezernentin der Stadt Frankfurt, für die Wahl des Olivenbaum-Motivs besonders gelobt. Schließlich sei der Olivenbaum nicht nur verwurzelt mit dem Land, in dem er wachse, sondern er besitze in den unterschiedlichen Religionen auch große Symbolkraft: »Im Judentum steht er für das Volk Israel, sein Öl diente der Salbung und dem Licht. Im Christentum kennzeichnet er Barmherzigkeit und Erleuchtung. Und im Islam gilt er als gesegneter Baum und Quelle des Lichts.«

Koexistenz Eskandari-Grünberg bezeichnete die Künstlerinnen als »Brückenbauerinnen«: Sie zeigten, »dass es sich lohnt, sich die Hand zu reichen. Und dass gelebte Koexistenz in Israel möglich ist.« Dies sei auch für Frankfurt ein wichtiges Signal. »Wir wissen, dass Vielfalt eine große Herausforderung ist«, räumte die Integrationsdezernentin im Hinblick auf die vielen in Frankfurt lebenden Nationalitäten und Religionen ein. Und bekundete zugleich vehement, dass in der Stadt »weder Antisemitismus noch Islamophobie« geduldet würden. Zwischen den Malerinnen hat es nach dem Bekunden der 22 Frauen, die zur Eröffnung nach Frankfurt gereist waren, »keine Spannungen gegeben«. »Allerdings«, bekannte eine von ihnen, »haben wir bei unseren Treffen auch nicht über Politik gesprochen. Das haben wir vor der Tür gelassen.«

Gelernt haben sie mit-, von- und übereinander jede Menge. Eine der christlichen Teilnehmerinnen hat einer jüdischen Freundin geholfen, eine Barmizwa auszurichten, und anschließend jüdische Frauen an Weihnachten zu sich nach Hause eingeladen. »Uns verbinden Zuneigung, Worte und Gefühle«, beschrieb es Ubayd Zu’abi. Solche Gemeinsamkeiten und positiven Empfindungen machen Hoffnung, betonte auch Khalaf. »Wenn mein Sohn sieht, dass ich jüdische Freundinnen habe und dass ich sie jede Woche sehe, wird er eines Tages auch jüdische Freunde haben.«

Wandel Die gemeinsame Ausstellung stärkt diese Bindung noch, glaubt Vardit Cohen: »Ich glaube, dass die Förderung der kulturellen Verbindung zwischen Juden und Arabern einen positiven Wandel in der Region bewirken kann«, sagte die Künstlerin in Frankfurt. »Unsere gemeinsame Kunst ist ein Weg zum Frieden«, ist auch Hana Jabarin Schagrat al Zitum überzeugt.

David Moatty, Direktor des WIZO-Zentrums in Afula, betonte bei der Ausstellungseröffnung, wie wichtig solche Projekte seien: »Wir müssen in der Wüste säen, damit etwas wachsen kann, sobald es regnet.«

Das Zentrum in Afula, einer Stadt im Norden Israels, in dem die Bilder entstanden sind, gehört zur WIZO. Ihre Frankfurter Gruppe präsentiert diese Wanderausstellung mit Unterstützung der Stadt, der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau.

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