Jüdische Gemeinde Berlin

Süsskind tritt nicht mehr an

Lala Süsskind Foto: Mike Minehan

Für Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sind die letzten Wochen als Gemeindechefin angebrochen. Sie wird bei der Gemeindewahl am 4. Dezember nicht mehr kandidieren – auch nicht für einen Sitz in der Repräsentantenversammlung (RV).

Sie habe noch nie so viel gearbeitet wie in den vergangenen vier Jahren, betont Süsskind. Zuvor hatte sie sich »nur« ehrenamtlich bei der WIZO engagiert und wurde sogar zu deren Ehrenpräsidentin gewählt. »Ich habe viel für das jüdische Leben getan«, sagt die 65-Jährige.

Doch mittlerweile habe sie drei kleine Enkelkinder, mit denen sie mehr Zeit verbringen möchte. Auch Finanzdezernent Jochen Palenker verzichtet auf eine erneute Kandidatur.

bewerbung Dafür holten sich in der jüngsten Repräsentantenversammlung etliche neue Kandidaten die braunen Umschläge mit den Bewerbungsunterlagen zur Wahl ab. Da jeder der Bewerber die schriftliche Unterstützung von mindestens 65 Gemeindemitgliedern braucht, nutzten diese ihre Anwesenheit, um schon einmal Unterschriften zu sammeln.

»Daran ist noch nie ein Kandidat gescheitert«, sagt Sigmount Königsberg vom Büro der Repräsentanz. Ansonsten wird es eine Personenwahl geben. Neu ist indes, dass beim Einreichen der Unterlagen bis zum 4. Oktober jeder Bewerber nachweisen muss, dass seine minderjährigen Kinder jüdisch sind.

Heinz Seefeld nahm gleich einen großen Stapel Umschläge mit. Er und Petr Feldmann, Mitglied der vorherigen RV, gelten als Initiatoren des Wahlbündnisses Hatikwa. Mittlerweile sollen sich 18 Mitglieder dem Bündnis angeschlossen haben. Seefeld ist zuversichtlich, dass es 21 werden. Sie wollen ein »Zehn-Punkte-Programm« aufstellen.

Auch Mirjam Marcus, Dezernentin für Schule, Jugend und Erziehung, Margarita Bardich, Dezernentin für Integration und Kultur, Mark Jaffe und Eduard Kunze wollen wiedergewählt werden und haben sich deshalb zusammengeschlossen. »Wir möchten unsere Arbeit fortführen«, sagt Mirjam Marcus.

Zu einer Interessengemeinschaft haben sich zudem Tuvia Schlesinger, Michael Joachim, Sergey Lagodinsky und Ilan Ben Schalom, alle Mitglieder der jetzigen RV, gefunden. Und wie aus der Gemeinde zu hören ist, sollen sich inzwischen Sara Nachama, Deidre Berger und Roza Berger Fiedler dieser Gemeinschaft angeschlossen haben.

»Wir wollen eine Kontinuität in unserer Arbeit erreichen«, sagt Tuvia Schlesinger, Mitglied des RV-Präsidiums. Er befürchtet, dass »die Gemeinde ansonsten nicht in die besten Hände fallen könnte«.

beter Aus Gemeindekreisen wird noch berichtet, dass Rabbiner Chaim Rozwaski plant, sich gemeinsam mit Betern der Lev-Tov-Synagoge aufstellen zu lassen – er selbst wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Auch der ehemalige Gemeindevorsitzende und jetziges Mitglied der Repräsentantenversammlung, Gideon Joffe, wird wieder kandidieren. Alexander Brenner, mit 86 Jahren ältestes Mitglied der RV und ehemaliger Gemeindevorsitzender, hat sich hingegen noch nicht entschieden.

Die größte Herausforderung für den neuen Vorstand wird sein, die Finanzen der Gemeinde in den Griff zu bekommen, denn der Berliner Senat fordert inzwischen 5,9 Millionen Euro für zu hohe Rentenzahlungen aus den vergangenen Jahrzehnten und insgesamt 3,5 Millionen Euro Zinsen zurück. »Ich bin gerne bereit, meinen Nachfolger einzuarbeiten«, bot Jochen Palenker diesem an.

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