9. Mai

»Stolz und dankbar«

Trauer und Freude prägten am 11. Mai den Sonntagnachmittag im Hubert-Burda-Saal der IKG. Die Veteranen aus der früheren Sowjetunion waren in Erinnerung des 9. Mai, dem »Tag des Sieges«, zusammengekommen, nachdem sie bereits zwei Tage zuvor der Toten am Denkmal der gefallenen jüdischen Soldaten auf dem Friedhof an der Garchinger Straße gedacht hatten. Der Vorsitzende des Veteranenrats, Mark Livshits, hatte sie dort in einer bewegenden Rede gewürdigt.

Im Gemeindezentrum eröffnete David Dushman vom Veteranenrat die Feierstunde. Anschließend begrüßte Charlotte Knobloch die Gäste, unter ihnen war auch Rabbiner Avigdor Bergauz. Die IKG-Präsidentin erinnerte daran, dass unter denen, die Europa von der »braunen Pest« befreiten, rund 500.000 jüdische Soldaten in der sowjetischen Armee waren: »Juden, die für Freiheit und Frieden in Europa gekämpft haben – und die gesiegt haben. Sie sind unsere Helden. Wir sind unendlich stolz auf Sie und unendlich dankbar.« Sie erinnerte auch an die Opfer unter der Zivilbevölkerung und an die Belagerung Leningrads.

verfall Dass die Nazis in Deutschland gefangen genommene Sowjetsoldaten ermordeten, sei lange Zeit verdrängt worden, führte Knobloch aus. Sie erinnerte daran, dass der »Schießplatz Hebertshausen« nahe Dachau, der ein zentraler Schauplatz der Geschichte war, über Jahrzehnte dem Verfall preisgegeben wurde. Erst seit 1998 gehört er zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Im Jahr 2001 wurden die sterblichen Überreste der ermordeten Rotarmisten beigesetzt. Am 2. Mai dieses Jahres wurde der neu gestaltete Gedenkort »Ehemaliger SS-Schießplatz Hebertshausen« der Öffentlichkeit übergeben – der Ort, an dem die SS 1941 und 1942 mehr als 4000 sowjetische Kriegsgefangene ermordete.

»Uns alle eint die Hoffnung, dass die Menschen aus der Geschichte lernen«, sagte Knobloch, die zugleich einen sorgenvollen Blick auf die aktuelle politische Situation in der Ukraine warf. Besonders sorgt sie sich um die dortige jüdische Gemeinschaft, die im Zuge der Unruhen antisemitischen Attacken ausgesetzt ist. Sie dankte an dieser Stelle Bundesinnenminister Thomas de Maizière »für seine Zusage, Aufnahmeanträge aus der Ukraine mit höchster Priorität zu behandeln«.

Ihre Hoffnung sei, »dass Europa ein Kontinent der Partner ist. Krieg ist keine Lösung – er war es nie! Diese Lehre gehört zu den unmissverständlichen Vermächtnissen unserer Geschichte.« Abschließend dankte Knobloch auch dem Veteranenrat, dass er nicht nur das Gedenken bewahre, sondern sich auch für die Belange der lebenden Veteranen und der älteren Menschen der Münchner Gemeinde einsetze.

tragödie Der Generalkonsul der Russischen Föderation, Andrey Grozov, bezeichnete den 9. Mai 1945 als »das Ende der größten Tragödie des 20. Jahrhunderts«. Mit Zahlen und Statistik könne man nicht »das gesamte Leid darstellen, das das Volk unserer damals gemeinsamen Heimat ertragen musste«, so Grozov.

»Wir stehen in der großen Schuld all derer, die an der Front, im Landesinneren, als Partisanen und im Untergrund gekämpft haben und mit ihrem Mut, Durchhaltevermögen und ihrer Tapferkeit den wahren Wendepunkt im Krieg und den Sieg erreicht haben und uns so die Möglichkeit geschenkt haben, zu leben, und die so der Menschheit ihre Zukunft gegeben haben.«

Vadym Kostyuk, der Generalkonsul der Ukraine, betonte den unschätzbaren Wert der Freiheit. Er dankte denen, die ihr Leben und ihre Gesundheit für den Frieden geopfert haben. Den Zweiten Weltkrieg bezeichnete auch er als eine der größten Tragödien des letzten Jahrhunderts: »Der Krieg erreichte verschiedene Länder, verschiedene Kontinente, er wurde zum Verfasser der blutigen Seiten der Geschichte vieler Völker«, so Kostyuk. Sein Wunsch für die Zukunft: »Dass wir in Ruhe leben und selbstständig unsere Zukunft bestimmen können.«

grosseltern In einer sehr persönlichen Ansprache gedachte der Generalkonsul der Republik Belarus, Aliaksandr Ganevich, der Opfer des Krieges. Er erzählte von seiner Familie: Einen seiner Großväter hat er nie kennengelernt, seine Großmutter wurde von den Nazis erschossen. Seine Mutter kam als zweijähriges Kind in ein Waisenhaus – ein Schicksal, das damals viele Kinder teilten. Sie seien oft ohne Eltern aufgewachsen, haben viel Leid ertragen müssen, erzählte Ganevich. Sie konnten weder die Wärme des Elternhauses genießen noch behütet aufwachsen. Die neu gestaltete Gedenkstätte in Hebertshausen bezeichnete er als »Symbol gegen Vergessen«.

Bevor dann alle gemeinsam den 9. Mai mit Musik, Tanz und einem gemeinsamen Essen feierten, versicherte die Vorsitzende des Vereins der ehemaligen KZ- und Ghetto-Inhaftierten »Phoenix aus der Asche«, Nellya Hohlovkina, im Namen der Zeitzeugen, das Geschehen in Erinnerung zu behalten. Dass auch die junge Generation sich das vorgenommen hat, unterstrich Mischa Belenki mit einem Gedicht.

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