Köln

Steinhaus der Erinnerung

Grabsteine vom Bonntor im Lapidarium Foto: Nabil Hanano

Köln

Steinhaus der Erinnerung

Lapidarium nach Sanierung wiedereröffnet

 16.07.2012 18:23 Uhr

In Köln-Bocklemünd findet man – neben den Grabungen am Kölner Rathaus – die ältesten Zeugnisse der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Köln. Nach einjähriger Sanierungsarbeit konnte Abraham Lehrer am Sonntag diese »Erinnerungs- und Ruhestätte der Toten des ältesten, bis 1695 benutzten Kölner jüdischen Friedhofs am Bonntor« wieder der Öffentlichkeit präsentieren.

Bei der Einweihung des sanierten »Steinhauses« berichtete das Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde aus der langen Geschichte der Grabsteinfragmente des Friedhofs, der 1920 bei Grabungsarbeiten im Zuge der Erweiterung des Güterbahnhofs Bonntor dem historischen Begräbnisplatz der Kölner Juden, dem sogenannten Judenbüchel, wiederentdeckt worden waren. Der Friedhof musste im Zuge des geplanten Ausbaus verkleinert werden.

Auflassung Ein Teil der Gebeine wurde daher 1922 auf den damals neuen jüdischen Friedhof in Köln-Bocklemünd überführt. 1936 musste die Gemeinde auch noch den restlichen Friedhof auflassen, weil die Stadt das Gelände am Bonntor für den Bau der neuen Großmarkthalle beanspruchte. Mit den überführten Gebeinen wurde dann auf dem Bocklemünder Friedhof hinter dem Grabfeld ein Steinhaus, das Lapidarium, errichtet.

58 Fragmente der Male befinden sich nun in diesem Steinhaus. 1986 war es unter Denkmalschutz gestellt worden und wegen Baufälligkeit 2011 auf Initiative des Geschäftsführers der Synagogen-Gemeinde, Benzion Wieber, von Grund auf saniert worden. Dabei erhielt es auch wieder einen Davidstern auf dem Dach, der nach Angaben der Gemeinde vom Kölner Steinmetz Joachim Seinnus gestiftet worden war.

An der ursprünglichen Bauweise habe man nichts verändert, erklärte Architektin Angelika Rödder bei der Wiedereröffnung. Ganz so einfach wie die schlichte Architektur sei der Bau jedoch nicht gewesen. Wurzeln hatten die Bodenplatte hochgedrückt, aus dem Dach waren ganze Betonstücke herausgebrochen. Man sei etliche Kompromisse eingegangen und habe »mehr als nur Betonkosmetik« betrieben, sagte die Projektbetreuerin.

Sanierung Rund 70.000 Euro hat die Sanierung gekostet, größtenteils finanziert aus eigenen Mitteln und aus Spenden. Das städtische Amt für Denkmalschutz hat allerdings in Aussicht gestellt, eventuell rückwirkend Fördergelder beizusteuern.

Steine hätten in der Tora eine große Bedeutung, erklärte der Rabbiner der Synagogen-Gemeinde, Jaron Engelmayer: »Die Grabsteine stehen metaphorisch für die Vergangenheit und unsere Vorfahren, auf denen wir aufbauen können.« ja

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