Frankfurt

Stein um Stein zum neuen Haus

Puzzlestück: Raphael Groß, Andreas von Schoeler, Andreas Kerl (v.l.) werben um Spenden. Foto: Rafael Herlich

Das Jüdische Museum in Frankfurt steht vor einem Neubeginn. Viele neue Projekte sind geplant. Die Ausstellungsfläche soll verdoppelt, der Zugang zum Museum der Judengasse verbessert und ein neues Zentrum innerhalb der Dauerausstellung geschaffen werden. Begonnen hat alles mit einer Spendenkampagne, die am vergangenen Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde und diesen Erneuerungen zugute kommen soll.

Das Jüdische Museum ist etwas Besonderes. In Frankfurt wurde es als das erste jüdische Museum der Bundesrepublik nach dem Holocaust eröffnet. »Stein für Stein zum neuen Haus – Sie spenden, wir verdoppeln« – so lautet das ansprechende Motto der Aktion, die die Bethe-Stiftung unterstützt. Denn in Zusammenarbeit mit ihr sammeln die Freunde und Förderer des jüdischen Museums Spenden für die Finanzierung des geplanten Erweiterungsbaus und für die Erneuerung der Dauerausstellung. Bis zu einem Spendenbetrag von 3000 Euro wird jede einzelne Spende seitens des Stifterehepaares verdoppelt, erklärt Andreas von Schoeler, der Vorsitzende des Förderkreises. Der Kontakt zu den Eheleuten Bethe entstand über Fundraising-Aktivitäten des Museums und durch die besondere Unterstützung der Deutschen Bank.

Bürgeranteil Der Direktor des Museums, Raphael Gross, freut sich über den positiven dreifachen Effekt der Aktion. Durch die Spende werde gewährleistet, dass jeder Bürger einen eigenen Beitrag zum Erhalt jüdischer Kultur in Frankfurt leisten kann. Die Verdopplung durch die Bethe-Stiftung sei eine gute Chance, den eigenen Beitrag zu erhöhen.

Drittens, und dies sei für das Museum von unschätzbaren Wert, werde durch die Aktion Verantwortung in der Gesellschaft übernommen. Schließlich sei Frankfurts Bevölkerung bis 1933 zu zehn Prozent jüdisch gewesen. Die Stadt sei auf den unterschiedlichsten Gebieten durch ihre jüdischen Bürger geprägt worden. So nannte der Direktor die Rothschilds, Merton, Baron von Hirsch, Ludwig Landmann, Theodor W. Adorno und natürlich das berühmteste jüdische Mädchen der Stadt, Anne Frank.

»Früher wohnten wir in Frankfurt«, so beginnt Anne Frank in ihrem Tagebuch den Eintrag über ihre Angehörigen. Ihr Andenken soll mit dem geplanten Familie-Frank-Zentrum gewahrt werden. Annes Familie hat bis in das 16. Jahrhundert Frankfurter Wurzeln. Dies ist der Grund, warum die Familie Frank-Elias und der Anne-Frank-Fonds Basel sich dazu entschlossen haben, dem Museum das Archiv und gleichzeitig über 1000 Objekte aus dem Nachlass zu übergeben. Die Spenden sollen dem Zentrum zugute kommen. Es soll ein Glanzstück der Dauerausstellung werden und die Öffentlichkeit an den verbliebenen Erinnerungen teilhaben lassen. Das ist ein Hauptfokus der Aktion.

Biografien Aber die Spenden helfen auch an anderen Stellen. So sollen zum Beispiel die Weiterentwicklung pädagogischer Konzepte und die Vermittlung europäisch-jüdischer Biografien zum Programm gehören. Auch Dauerleihgaben sollen ermöglicht werden. Verglichen mit den jüdischen Museen in Berlin oder Amsterdam ist das Frankfurter Museum mit 220 Quadratmetern recht klein. Dies erschwere den Austausch von Ausstellungsstücken. Daher werde zusätzlicher Raum geschaffen. Auch können mithilfe der finanziellen Unterstützung dringend notwendige professionelle Konservierungsbedingungen für die Exponate geschaffen werden.

Gross erklärte weiter, dass jedes Museum neben öffentlichen Mitteln auf private Spenden angewiesen sei. Das Schönste an der Kampagne sei aber der Kontakt, der zwischen dem Museum und der Stadtbevölkerung entstehe.

Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums, Konto-Nr.: 0041003502, Deutsche Bank, BLZ: 500 700 10

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