Maccabiah 2017

Startklar für die Spiele

Warten auf den Abflug: Makkabi-Sportler in Berlin ... Foto: Christine Schmitt

Semon Shabaev weiß, dass ihm heiße Tage bevorstehen. »Ich werde in ein Bärenkostüm steigen, unsere Sportler anfeuern und für gute Laune sorgen«, sagt der 17-Jährige vergnügt. Er habe sich rasch überzeugen lassen, in die Rolle des Makkabi-Maskottchens zu schlüpfen, sagt er. An diesem Sonntagmorgen, kurz vor dem Abflug, schwenkt er schon einmal enthusiastisch die Makkabi-Fahne. Er ist bester Laune, denn trotz seiner jungen Jahre hat er bereits Erfahrungen damit, wie man für gute Stimmung sorgt: Schon bei der Jewrovision stand er auf der Bühne, und sonntags findet man ihn im Berliner Jugendzentrum Olam, wo er als Madrich im Einsatz ist.

Einer der Ersten, die so früh am Flughafen Berlin-Schönefeld eintreffen, ist Mark Kolodizner. Mehrere Sporttaschen hat er dabei und ist bestens für die Makkabiade in Israel ausgestattet – mit insgesamt fünf Tennisrackets. Der Spieler will nichts dem Zufall überlassen. »Ich werde im Einzel, Doppel und Mix antreten«, sagt der 18-Jährige. Jeden Tag habe er trainiert, Bälle geschlagen, an seiner Technik und Kondition gearbeitet. Eine gute Platzierung möchte er natürlich erreichen, aber »ich lasse erst einmal alles auf mich zukommen«. Den Partner fürs Doppel kennt er bereits, die Partnerin für das gemischte Doppel hingegen noch nicht. Mit dem gemischten Doppel habe er bei den European Maccabi Games 2015 gute Erfahrungen gemacht: Dort gewann er mit Michele Kovalenko souverän das Finale bei den Junioren.

hymne Als Shabaevs und Kolodizners Teamkameraden eintreffen, werden Hände geschüttelt, Schultern geklopft, blau-weiße Israelfahnen geschwenkt und Trikots anprobiert. Insgesamt 56 Sportler, Betreuer und Funktionäre samt Equipment wie Tennisrackets, Hockeyschlägern und Tischtenniskellen machten sich am Sonntagmorgen bereit zum Abflug zur Maccabiah nach Israel.

Fast zeitgleich trafen sich an diesem Tag Sportler und Sportbegeisterte auf den Flughäfen in München und Frankfurt, sodass insgesamt 230 Mitwirkende aus Deutschland gen Israel abhoben. »Es ist die größte Delegation für eine noch größere Maccabiah als vor vier Jahren«, sagt Mike Delberg vom Makkabi-Präsidium.

Sie alle möchten natürlich Deutschland repräsentieren und viele Medaillen gewinnen. Im Gepäck haben sie zum ersten Mal auch eine Hymne, die eine Fußballerin aus München, Diana Goldberg, getextet und komponiert hat. Auch sie hat, wie Semon Shabaev, bereits mehrfach bei der Jewrovision auf der Bühne gestanden, zuletzt beim Eröffnungs-Act.

vorfreude »Die jüngste Teilnehmerin ist mit 15 Jahren eine Tennisspielerin, der älteste hingegen ist 65 Jahre alt und wird beim Halbmarathon an den Start gehen«, berichtet Ella Ruijder von Makkabi Köln. Fast alle Teilnehmer seien sehr nervös vor den Wettkämpfen, doch bei aller Aufregung überwiege die Vorfreude. Neben dem Sport gibt es ein Beiprogramm mit Ausflügen und Veranstaltungen, sagt Ruijder. Und wer mag, könne auch seine Bar- oder Batmizwa feiern.

Knapp 10.000 Sportler aus der ganzen Welt sind nach Israel gereist, um dort in vielen verschiedenen Sportarten anzutreten. Einer von ihnen ist der U18-Fußballer Jeremie Belokrinickij. Er ist zum ersten Mal dabei. »Wir möchten so weit wie möglich kommen«, sagt er. Um sich zu qualifizieren, musste er bei mehreren Sichtungslehrgängen zeigen, was er kann. Nun will er auf der Position des Linksaußen alles geben.

Insgesamt haben sich drei Berliner Fußballer für die Mannschaft qualifiziert, die anderen kommen aus anderen Städten. Auf seiner Liste, was er sich an anderen Sportarten ansehen möchte, rangiert Tennis weit oben – neben den anderen Fußballpartien und dem, »was gerade in der Nähe stattfindet«. Wenn er sein Abitur in der Tasche hat, dann möchte Belokrinickij aber kein Profi werden, sondern wahrscheinlich Internationales Management studieren.

zahnschutz Spezielle Schuhe, Schienbeinschoner, Handschuhe, Zahnschutz und Hockeyschläger hat Alexander Puffhausen eingepackt. Besonders der Zahnschutz sei wichtig, sagt er und deutet auf eine kleine Narbe, die ihm einmal ein Hockeyball zugefügt hat. »Wir möchten natürlich Spaß haben«, sagt der 29-jährige Feldhockeyspieler. Ansonsten habe er keine Ahnung, wie hoch das Niveau bei der Makkabiade sei.

Auch der beste Torwart der European Maccabi Games in der Sparte Feldhockey, Robert Erlbaum, hat in den vergangenen Wochen härter trainiert als sonst. »Aber in Israel wird es natürlich heiß sein«, sagt er.

In Deutschland werde Feldhockey auf Kunstrasen gespielt, der gewässert wird, in Israel aber auf einem Hochflor, der mit Granulat gefüllt ist. »Da muss man sich umstellen.« Hinzu komme, dass es auf dem Platz keinen Schatten geben wird, vermutet der Torwart. Er will gut gewappnet sein und nimmt sich vor, immer eine Flasche Wasser griffbereit in der Nähe des Tors zu haben.

tipps Valeria Sokolova hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt: Sie möchte auf jeden Fall Goldmedaillen mit nach Hause bringen. Die Tischtennisspielerin und Junioren-Weltmeisterin, die seit neun Jahren Tischtennis spielt, lebt und trainiert derzeit in Frankfurt/Oder.

Zu diesem Sport ist sie durch ihren Vater, einen Tischtennistrainer, gekommen. In den vergangenen Tagen hat sie noch häufiger als sonst die Kelle in die Hand genommen. »An der Technik lernt man nie aus, da kann man immer dazulernen«, sagt die 17-Jährige. Und auch Ausdauertraining gehöre dazu. Daran habe sie in den letzten Wochen verstärkt gefeilt.

Der Berliner Betreuer Isaak Lat will sich diesmal beim Schach mit Tipps zurückhalten – denn während der Partie wird nicht gesprochen. Zumindest in diesen Turnierräumen wird es wahrscheinlich still zugehen – so wie sonst nirgends bei der Maccabiah.

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