Düsseldorf

Starke Frau mit starkem Willen

Ad mea weesrim schana: Zhenya Broytman feiert ihren 111. Geburtstag. Foto: Anette Kanis

In der Online-Enzyklopädie Wikipedia hat Zhenya Broytman, geboren im vorletzten Jahrhundert, einen festen Platz. Demnach ist sie die älteste derzeit noch lebende Frau Deutschlands. Am vergangenen Samstag, dem 21. August, wurde sie 111 Jahre alt.

Schneiderin Zhenya Broytman gehört seit einigen Jahren zu der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Als sie bereits 100 war, kam sie mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland. Geboren wurde sie in Charkow, 1899, im selben Jahr wie auch Alfred Hitchcock und Ernest Hemingway. Bis zu ihrem 70. Lebensjahr arbeitete sie als Schneiderin. Seit 1986 ist sie verwitwet.

Bis vor zwei Jahren lebte die Seniorin noch bei ihrem Sohn und seiner Familie in Düsseldorf, dann bezog sie ein Zimmer im Georg-Glock-Haus im Süden der Landeshauptstadt. Das Altenpflegeheim der Arbeiterwohlfahrt liegt nahe der Wohnung ihres nunmehr 76-jährigen Sohnes, der sie jeden Tag besucht. Das jüdische Elternheim liegt am anderen Ende der Stadt, so dass der Sohn seine Mutter nicht hätte täglich besuchen können.

Familie Im Georg-Glock-Haus feiert sie das erste Mal ihren Geburtstag, am Vormittag im Kreis der Familie – sie hat zwei Söhne, drei Enkelkinder und zwei Urenkel. Am Nachmittag dann im offiziellen Rahmen mit Torte und Gesang, stattlichen Blumensträußen und Glückwünschen der Bürgermeisterin und zahlreichen Kameras der Presse.

Etwas müde und abwesend sitzt die zierliche Frau im Jubilarentrubel. Sie hat eine weiße Rüschenbluse und hell-karierte Hose an, stützt ihren Kopf immer wieder mit der rechten Hand. Außer der Altersdemenz hat die 111-Jährige keine Erkrankungen. »Als Frau Broytman vor zwei Jahren zu uns kam, hatte sie keine einzige Diagnose vom Hausarzt, bis heute nimmt sie, als einzige unserer knapp 50 Bewohner, keine Tabletten«, erzählt Ulrike Slama, die Leiterin des Pflegedienstes.

Musik Am öffentlichen Leben des Heimes nimmt Zhenya Broytman noch teil, Musik hat sie besonders gern. »Jeden Morgen wird Frau Broytman in ihrem Rollstuhl zum Frühstück in den Gemeinschaftssaal gebracht«, erzählt Ulrike Slama. Dabei könne sie es nicht leiden, wenn ihr das Essen angereicht werde, sie wolle stets so viel wie möglich selbst machen. »Frau Broytman ist eine Dame mit starkem Willen«, beschreibt die Pflegedienstleiterin die älteste Heimbewohnerin.

Da Zhenya Broytman die deutsche Sprache nicht mehr gelernt hat, kümmert sich häufig eine russisch sprechende Pflegerin um sie. Doch die Verständigung kann ebenso nonverbal gelingen. So kommentiert die Jubilarin an ihrem Geburtstag den Schluck aus dem Sektglas nur kurz mit einem leicht angewiderten Gesichtsausdruck. Dann genießt sie lieber ein Glas mit mildem Bier. Die Gemeinde gratuliert in dieser Woche.

Ausstellung

Vom Wohlstandskind zur Kriegsreporterin

Die Monacensia lässt das bewegte Leben von Erika Mann Revue passieren

von Ellen Presser  16.01.2020

München

Weiße Rose, Schicksal, Auschwitz

Meldungen aus der IKG

 16.01.2020

Buch

Bilder als Denkmal

Der Fotograf Thies Ibold erinnert an den Kunsthistoriker Aby Moritz Warburg

von Heike Linde-Lembke  16.01.2020

Kino

Familientreffen in Nahost

Nach der Wende lernt Esther Zimmering ihre israelische Verwandtschaft kennen

von Jérôme Lombard  16.01.2020

Synagoge Pestalozzistraße

Der Tradition würdig

Beim Umbau des Estrongo-Nachama-Kidduschsaals stießen Handwerker auf 17 Torarollen. Nun werden sie restauriert

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  12.01.2020

München

Gedenken, Geschichte, Dialog

Meldungen aus der IKG

 09.01.2020

München

Faszination Film

Die Jüdischen Filmtage am Jakobsplatz stehen dieses Jahr unter dem Motto »Eine Reise um die Welt«

von Helmut Reister  09.01.2020

Kölsche Kippa Köpp

»Wenn et Trömmelche jeht«

Der jüdische Karnevalsverein feiert seine erste öffentliche Sitzung

von Leticia Witte  09.01.2020

München

Museum, Gedenken, Ferien

Meldungen aus der IKG

 03.01.2020