Fest

Stark wie ein Baum

Mit Gitarre, Trommel und Gesang: Tu Bischwat hat die Münchner Gemeinde zusammen gefeiert. Foto: Marina Maisel

Gerührt von dem übervollen Saal zur Feier von Tu Bischwat begrüßte Rabbiner Yechiel Brukner die zahlreichen Gäste, die der Einladung von Keren Kayemeth LeIsrael (KKL), Torah Mitzion, Rabbinat, IKG und Zionistische Organisation Deutschland (ZOD) gefolgt waren. Die Gäste des Abends hatten schon im Foyer Gelegenheit, sich über die über die Arbeit von KKL zu informieren. Einladend gedeckte Tische mit vielen Früchten Israels, Kuchen, Getränke und bunter Blumendekoration stimmten ebenso auf das »Neujahrsfest der Bäume« ein wie die Musik und die an die Wand projizierten Bilder aus dem jüdischen Staat.

Weil die Veranstaltung bereits am Sonntagabend vor dem 15. Schwat stattfand, bezeichnete sie Brukner, der den Abend moderierte, als ein »Einläuten« einer ganzen Woche: »Tu Bischwat ist die Verbindung mit der Natur und der gesamten Schöpfung. Tu Bischwat heißt, das Herz nahe an Israel zu haben. Und Tu Bischwat ist Tradition. So kann es nicht erstaunen, dass unsere Präsidentin sich diesen Abend so sehr gewünscht hat.«

Verwurzelung In ihrer Begrüßungsrede zog Charlotte Knobloch eine Parallele zum Wachsen der Münchner Gemeinde: »Es dauert vier Monate, bis der Regen das Land durchtränkt hat. Erst dann haben die Bäume genügend Nahrung für die kommende Saison, um Früchte wachsen zu lassen. Auch hier wird es noch etwas dauern. Aber wir tun alles daran, kräftig zu gießen und zu düngen. Damit jüdisches Leben, jüdische Kultur und jüdische Tradition an diesem Ort weiter wächst und gedeiht – von Generation zu Generation. Die Zukunft unserer Gemeinde, die Zukunft des Judentums in Deutschland hängt entscheidend davon ab, ob und wie es uns gelingt, die Menschen – besonders die jungen Menschen –, aber im Endeffekt jeden jüdischen Menschen im Judentum zu verwurzeln.«

Unter den Gästen war auch Israels Generalkonsul Tibor Shalev Schlosser. Er zeigte sich gerührt von den Bildern, die während der Veranstaltung die Vielfalt Israels zeigten – von schroffen Felsen, über weite Wüsten bis zur blühenden Pflanzenwelt und dem Leben der Menschen in Israel. Damit werde die Sehnsucht nach seiner Heimat Israel angefacht, sagte Shalev Schlosser und dankte zugleich Präsidentin Knobloch dafür, dass sie ihm in München das Gefühl eines Zuhauses gebe. Die Bilder, die den Generalkonsul so entzückten, wurden von Abgesandten der israelischenOrganisation Torah Mitzion zusammengestellt.

Verbundenheit Für ein grünes Israel sorgt seit mehr als 100 Jahren maßgeblich der KKL. Seine Münchner Repräsentantin Katja Tsfrir erzählte von der Geschichte Israels und rief die Gäste zur finanziellen Unterstützung auf. Als Beispiel dafür nannte sie zwei Besucher, die bereits mehr als einen Hain gespendet haben: Ruth Markhausen und Irene Endraß.

Dass sich Spendenbereitschaft und Einstellung zu Israel und der zionistischen Sache mit den Generationen gewandelt habe, bedauerte Thomas Münz, Vorsitzender von Torah Mitzion Deutschland und der ZOD in seiner Ansprache.

Rabbiner Arie Folger erklärte, dass Tu Bischwat nicht nur weltlich-säkulare Aspekte habe. Ein Gedicht von Rabbi Jehuda Halevi, der noch vor der ersten Jahrtausendwende in Israel lebte, verdeutliche dies. Auf poetische Weise band dieser 18 Segenssprüche in 18 Strophen eines Tu-Bischwat-Gedichts ein.

Eine Strophe davon konnten die Gäste, projiziert in die Bilderserie, mitlesen: »Gott beeile dich, das auf dich hoffende Volk zu erlösen. Der Ertrag deiner Früchte wird deine Landschaft verschönern. Er wird zum Einsammeln der Verstreuten aufrufen, auf dass sie sich versammeln, denn ich habe sie erlöst und sie werden zahlreich wachsen wie einst.«

Rabbiner Elias Dray erinnerte daran, dass in der Tora der Mensch mit einem Baum verglichen wird: »Deswegen sollten wir an Tu Bischwat für unsere Kinder beten, damit sie sich gut entwickeln. Und wir sollten beten, dass wir selbst Früchte tragen – sprich Gutes tun und unser Leben im positiven Sinne nutzen.« Untermalt wurde dieser Spruch von Bildern, Texten und viel Musik, die die familiäre Stimmung des Abends hervorhoben. Einmal mehr war es Rabbiner Brukner und seinen Mitstreitern gelungen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohlfühlten.

Musik Ester Weinberger von der ZOD formulierte es treffend: »Es war ein Abend für uns alle. Es ist unser Haus hier und wir wollen dazu beitragen, es mit Leben zu erfüllen.« Einen ganz wesentlichen Beitrag zu der gelungenen Veranstaltung leistete der junge Musiker Nir Klingel mit Gitarre und Mundharmonika sowie sein Kollege Tom Bezalel mit dem Cajon, einer speziellen Trommel.

Klingel ist Absolvent einer Jeschiwa in Jerusalem, die Studium und Militärdienst verbindet, und war bereits ein Jahr lang bei Torah Mitzion. Jetzt studiert er weiter an der Musikhochschule in Washington. Tom Bezalel hat seine Ausbildung an der Akademie für Musik in Jerusalem absolviert, hat im Zahal-Orchester und im Jerusalemer Symphonieorchester gespielt. Jetzt will er an der Musikhochschule in München seinen Master machen.

Unter den Rhythmen ihres kraftvollen Spiels feierte das Publikum. Die israelischen Gäste freuten sich, Lieder zu hören, mit denen sie aufgewachsen sind, wie Jerushalajim schel Zahav und die Hatikwa, mit der der gelungene Abend endete.

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