Bildung

So einfach wie das ABC

Auf dem Weg in den Klassenraum. Foto: Miryam Gümbel

Erfährt ein Kind Toleranz, wird es lernen, geduldig zu sein. Wird das Kind ermutigt, lernt es zu vertrauen. Lobt man ein Kind, wird es Dankbarkeit erlernen. Behandelt man ein Kind gerecht, erlernt es Gerechtigkeit. Schenkt man einem Kind Geborgenheit, lernt es zu glauben. Findet ein Kind Anerkennung, lernt es sich selbst zu lieben und anzunehmen. Erlebt ein Kind Freundschaft und Angenommensein, lernt es Liebe zu finden in dieser Welt.»

Mit diesen Sätzen umriss Antonia Ungar, die Leiterin der Sinai-Schule, zum diesjährigen Schuljahresbeginn das Konzept der Ganztagsgrundschule der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. 54 Mädchen und Buben saßen in den vordersten Reihen im Hubert-Burda-Saal, hinter ihnen ihre Eltern, Großeltern und weitere Verwandte, die den ersten Schultag nahezu genauso erwartungsvoll erlebten wie die Kinder. Nur wenige waren gelassen, weil sie die feierliche Einweisung schon bei ihren Kindern und zum Teil auch schon Enkelkindern erlebt hatten.

Alef-Bet Doch auch die «Neuen» vertrauten der Schulleiterin, die ihnen in ihrer Begrüßung versicherte: «Sie finden bei uns ein gewachsenes Kollegium mit viel Erfahrung vor. In jeder Jahrgangsstufe arbeiten unsere Lehrerinnen zusammen und bilden ein kompetentes Team. Wir Pädagogen kennen Ihre Sorgen und Ängste gut, und gerade zu Schulbeginn werden wir Ihnen helfen, diese zu überwinden. Lassen Sie uns einfach etwas Zeit, damit wir die einzelnen Kinder besser kennenlernen.» «Du gehörst zu uns», beteuerten im Anschluss an die Rede von Antonia Ungar die Kinder aus den dritten Klassen den Alef-Bet-Schützen musikalisch. In ihrem Lied forderten sie die Neulinge auf: «Bleib nicht draußen vor der Tür!»

Ermutigt wurden die Kinder auch von Michael Fischbaum aus dem Vorstand der IKG und dort Vorsitzender der Schulkommission. Er zitierte ein Gedicht von Friedrich Morgenroth: «Nur wer lernt, der wird gescheiter, wer gescheit ist, der kommt weiter, Lernen soll dir Freude bereiten und mein Glückwunsch dich begleiten.» Den Eltern versicherte er, dass die Sinai-Schule den Kindern eine schöne Schulzeit bieten wolle. Dieses Konzept habe seinen Erfolg in der überdurchschnittlich hohen Zahl von späteren Gymnasiasten. «Unter der Leitung von Rekto- rin Antonia Ungar haben wir eine sehr kompetente Mannschaft, die auf dem aktuellen Stand von Pädagogik, Didaktik und Methodik arbeitet», betonte Fischbaum.

Schulranzen Das spielerische Lernen demonstrierten dann die Schüler der zweiten Klassen bei ihrem musikalischen Auftritt: «Schule ist mehr als Pauken und Lernen», betonten sie und auf Iwrith erzähl- ten sie dann in dem Lied «Ech lomdim – wie wir lernen» aus der Praxis des Schulalltags. Dabei unterstrichen sie die Lerninhalte mit Bildern von einzelnen Begriffen. Mit dieser anschaulichen Einführung bekam auch Schulrätin Karin Olesch einen Eindruck von der Arbeit der Sinai-Schule. Auch sie war zum ersten Schultag in die Sinai-Schule gekommen, ebenso wie Rabbiner Steven Langnas. Sie alle erlebten, wie die Mädchen und Jungen namentlich aufgerufen wurden.

Mit Schulranzen und Schultüte kamen sie vor die Bühne im Hubert-Burda-Saal. Die einen noch ein wenig zögerlich, andere ganz selbstverständlich. Von hier aus gingen sie dann gemeinsam mit ihren künftigen Lehrerinnen in die Schulräume, nachdem zuvor auch die vierten Klassen mit Liedern auf Englisch und Deutsch noch einmal die Bandbreite des Lernens in der Sinai-Schule aufgezeigt hatten. Dass dieser 17. September ein ganz besonderer Tag für die Kinder war, betonte auch Präsidentin Charlotte Knobloch. Sie versicherte den Kindern, dass sie sich auf ihre Schulzeit freuen könnten: «Ihr werdet neue Freunde finden und ihr werdet Lust auf Wissen bekommen!» Was sie schon im Begrüßungslied gehört hatten, bestätigte Knobloch noch mal: «Ihr gehört zu uns!»

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