Pessach

Seder an der Isar

Lassen sich die Mazzot gut schmecken: ein Junge und ein Madchen des Gemeinde-Kindergartens Foto: Marina Maisel

In den Familien und in der IKG stand das Pessachfest in den vergangenen neun Tagen im Mittelpunkt von Denken und Handeln. Doch bis es so weit war, dass jeder Platz genommen hatte, um den Seder zu begehen, war eine Menge an Vorbereitungen zu erledigen gewesen.

Insbesondere das Rabbinat hatte alle Hände voll zu tun. Nicht nur das Kaschern des Restaurants Einstein und des Saul‐Eisenberg‐Seniorenheims standen an. Auch die innere Vorbereitung der Gemeindemitglieder war ein wichtiger Aspekt.

Seder Zu den besonders berührenden Höhepunkten in der Zeit vor Pessach zählt alljährlich die Feier im Kindergarten. Bei dessen Erziehungszielen steht das religiöse Leben im Mittelpunkt: bei den wöchentlichen Schabbat‐Vorfeiern, beim Backen von Challot, beim spielerischen Lernen von Liedern und Gebeten. Die Vor‐Sederfeier ist dabei jedes Jahr aufs Neue etwas ganz Besonderes.

Schon viele Tage vorher hatten die Kleinen unter Anleitung von Rabbiner Yochonon Gordon von Chabad Lubawitsch Mazzot gebacken. Wegen der Nutzung eines entsprechenden Ofens fand diese Aktion auf der Terrasse statt. Doch die noch winterlichen Temperaturen schreckten die Mädchen und Jungen nicht ab. Dick in Anoraks und Mützen eingepackt waren sie voller Begeisterung dabei, ihre Teigstücke auszuwalken und zum Backen vorzubereiten. Stolz nahmen sie dann ihr Mazza mit nach Hause.

zeremonie In der letzten Woche vor den Ferien war es dann wieder so weit: Der Alexander‐Moksel‐Kindergarten probte gemeinsam mit Rabbiner Israel Diskin von Chabad Lubawitsch die Seder‐Zeremonie. Schon Wochen zuvor hatten die Erzieherinnen mit den Kindern die Texte und Lieder erarbeitet. Die Pessachgeschichte war ein wichtiger Teil des Lernprogramms.

In der Mensa waren nun die Tische feierlich gedeckt. Die Erzieherinnen hatten Primeln und andere Blumen auf die Tische gestellt. Haggadot lagen bereit, Mazzot und Traubensaft waren aufgetischt. Das Restaurant Einstein hatte für die schön vorbereiteten Sederplatten gesorgt.

Verkürzt und dem Alter der Kindergarten‐ und Vorschulkinder entsprechend gab es nun eine Vorfeier. Spielerisch erlebten die Kleinen hier die Zusammenfassung dessen, was sie gelernt hatten. Alle waren voller Begeisterung dabei. Die Leiterin des Kindergartens, Romana Alfred, bekommt von den Eltern immer wieder bestätigt, wie positiv diese die Vorbereitung ihrer Kinder empfinden. Dadurch seien die Jüngsten schon bestens eingestimmt auf den Sederabend zu Hause, verstünden besser, worauf es dabei ankommt, was das Wesentliche dabei ist. Den rund 130 Kindern war durchaus bewusst, dass der eigentliche Sederabend erst einige Tage später stattfinden würde.

fragen Mit viel Einfühlungsvermögen sprach Rabbiner Diskin die wesentlichen Punkte an. Er band die Kinder mit ein, stellte Fragen, zum Beispiel, wie viele Becher Wein getrunken werden, wie die Reihenfolge bei den symbolischen Speisen auf dem Sederteller ist und was diese bedeuten. Voller Begeisterung sangen sie die Lieder. Spielerisch werden die Kinder so in den Jahren vor der Einschulung in die Traditionen jüdischen Lebens eingeführt. Sie hatten alle ihre Freude dabei.

Auch die Schulkinder hatten ihre Pessach‐Vorfeier. Sie wurden durch den Seder von Gemeinderabbiner Arie Folger und Schulleiter und Religionslehrer Marcus Schroll geführt. Besonders die Dritt‐ und Viertklässler der Sinai‐Schule konnten die Fragen nach der Bedeutung der Lieder, die sie zu Pessach gelernt hatten, bestens beantworten. Die Lieder, die sie während der beiden Feierstunden sangen, erfreuten auch die Mitarbeiter der IKG in den Räumen hinter dem Kleinen Saal, in dem die Feiern stattfanden.

Die Vorbereitung auf Pessach erfolgte aber nicht nur in Kindergarten und Schule. Für Gemeinderabbiner Arie Folger stand auch die Vermittlung der Tora im Mittelpunkt seiner Aktivitäten. An den drei Samstag‐Abenden vor Pessach war alles, was mit diesem Fest zu tun hatte, Thema seiner Schiurim.

Plagen Auftakt war am 16. März. Etwa 20 Leute kamen zu der Veranstaltung »Frag den Rabbi«, bei der es um das Kaschern und die Kaschrut an Pessach ging. Am darauffolgenden Schabbat ging es beim Schabbat‐haGadol‐Lernen um »Die Philosophie der 10 Plagen«. Anhand der Gespräche zwischen Gott und Moses einerseits und Moses mit dem Pharao anderseits entdeckten die Anwesenden, wie die Plagen gegen Ägypten grundlegende Glaubensgrundsätze des Judentums dem Pharao, den Ägyptern und den Lesern vermitteln, wie etwa die Existenz Gottes, Sein Vorsehen und Seine Alleinherrschaft.

Beim Schiur am letzten Samstag vor Pessach schließlich beschäftigten sich die Anwesenden nach Mincha mit »Schir HaSchirim – Die Symbolik des Hohenliedes«. Diese Schiurim sind für Romana Alfred die Fortsetzung dessen, was im Kindergarten begonnen wird. Die Arbeit der Erzieherinnen wird in der Schule weitergeführt: »Es ist schön, dass die Traditionen in allen Altersabschnitten ihre Fortsetzung haben.« Sie nennt hier auch den jährlichen gemeinsamen Studentenseder. »Die Kontinuität wird in allen Bereichen weiter ausgebaut. Das finde ich gut. Das gibt Sicherheit, Stabilität und Nestwärme in einem jüdischen Zuhause.«

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